Die Antwort auf mein Gespräch mit einem Karriereberater

Vorab: Wir konnten im Studium in einem Projekt vom Praktikumsbüro mehrere Angebote des „Praktikumskurses“ in Anspruch nehmen, um uns beruflich zu orientieren, insbesondere wie es nach dem Bachelor weiter gehen kann. Dabei haben wir unsere Praktikaerfahrungen in Kleingruppen ausgetauscht. Wir konnten aber auch eine Veranstaltung von Absolventen besuchen, die das gleiche oder ähnliches studiert haben und ihre beruflichen Weg darlegten. Ein Angebot, das ich freiwillig nutzte war ein Gespräch mit einem Karriereberater Ende 2015, der sonst in der freien Wirtschaft tätig ist. Es hat mich sehr aufgewühlt, verletzt und innerlich sehr stark zum Nachdenken gebracht. Er hat gemerkt, dass ich absolut keine Ahnung hatte, was ich eigentlich beruflich machen möchte und sprach dabei von einem „Nebel“ der mich umgeben würde und den ich erstmal loswerden müsste. Meine Aufgabe von ihm war es, einen Traumtag aufzuschreiben (siehe unten)

Lieber Herr Juchem,

ich schreibe Ihnen jetzt erst, da ich jetzt langsam das Gefühl habe, dass „mein Nebel“ nach und nach verschwindet. Bevor ich Ihnen aber von meinem Traum des Lebens erzähle, möchte ich Ihnen kurz erläutern, wie ich mich nach dem Gespräch gefühlt habe. Ich denke, ich war nicht die einzige, die mit dem Wunsch in das Gespräch gegangen ist, Antworten darauf zu bekommen, wie es weiter gehen soll. Ich spreche jetzt aber lieber mal nur von mir: Ich stehe kurz vor dem Bachelor und habe keine Ahnung, was ich danach machen soll. Die einzige Frage, die sich mir erstmal stellt: Arbeiten oder Master? Genau darum drehen sich auch die Hauptfragen des Praktikumskurses.

Dass Sie darauf keine Antwort geben wollten, hat mich sehr verunsichert und ins Schwanken gebracht, wie Sie es gemerkt haben. Das Resultat: Ich habe mich schrecklich mies gefühlt: Was willst du in deinem Leben, was kannst du? Genau in diese Wunden haben Sie während des Gesprächs gestochen. Die Fragen, die bei mir hängen geblieben sind: „Was war das letzte Buch, was Sie spannend gefunden haben? Was war der beste Film?“ Ich blieb stumm. Sie meinten, so hätten Sie immer weiter fragen können und dies ist auch richtig. Nach dem Gespräch habe ich Sie primär einfach für arrogant gehalten und mich gefragt, für wen Sie sich halten, als hätten Sie den genauen Plan vom Leben. Auch die Aussage, bei mir wäre es im Gegensatz zu Ihrem 20-jährigen Ich mit „Burn Out“-Syndromen eher ein „Bore Out“, grenzt schon sehr an Unverschämtheit. Noch schlimmer ist aber, Sie hatten Recht!

Letztendlich stimmt es nämlich, dass ich mich erstmal fragen muss, was mich wirklich interessiert, anstatt rational zu überlegen, was der nächste Schritt in meinem Leben sein soll: Nämlich weitere Berufserfahrungen in Personalberatungen sammeln. [Dies war ein Irrtum]. Während meines Praktikums dachte ich, ich könnte mir ein Plan von meinem Leben machen. Doch dass dies nicht so einfach ist, haben Sie mir deutlich gezeigt.

Die Beschreibung meines Traumtages klang so:
Mein Traumtag
Ich mache mich eines Tages früh morgens auf den Weg nach Malaga, um alles hinter mich zu lassen und einfach wegzufliegen. Ich entfliehe dem tristen, grauen Wetter in Deutschland und fliege der Sonne entgegen. Ich spüre direkt die warme Luftbrise, als ich aus dem Flugzeug steige. Meine Freundin wartet schon am Flughafen auf mich, läuft mir entgegen und umarmt mich überschwänglich. Zusammen fahren wir nach Cadiz und sie zeigt mir ihre WG. Lustige Leute wohnen da, mit denen ich mich direkt gut verstehe. Wir erkunden zusammen die Gegend und ich genieße den Strand und die wunderschöne Natur. Wir gehen shoppen und machen ganz viele Erinnerungsfotos. Schließlich wird es Abend und wir gehen zusammen essen, sitzen draußen und beobachten den Sonnenuntergang. Abends gehen wir in einen coolen Club, um zu feiern und ich genieße die neue Freiheit und den Spaß fern jeglicher Alltagssorgen. Endlich gelingt es mir, den Augenblick wirklich so zu leben, wie er ist, nicht mit den Gedanken in der Zukunft. Ich lebe im Hier und Jetzt und genieße es.
Und die Beschreibung meines Traumtages hat sich auch so ähnlich erfüllt.. Dieses Bild ist in Malaga entstanden, als ich mit meiner Freundin durch Spanien getourt bin (während meiner Depression) ungefähr eine Woche: Cadiz, Malaga und Sevilla (Februar 2016)

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