Wie ES anfing..

Ich benutze hier das Wort „es“, da ich am Anfang überhaupt nicht definieren konnte, was eigentlich mit mir los ist. Ich wusste, dass etwas nicht stimmte, aber ich konnte es nicht richtig einordnen.

Ich habe 2013 mein Abitur gemacht und mit 1,4 abgeschlossen. Ich wusste jedoch überhaupt nicht, was ich eigentlich mag und wo meine Talente liegen. Ich war gut darin, dem „System“ zu folgen und dadurch gute Noten zu haben. Es ist so wie „dem Lehrer nach dem Mund reden“. Rückblickend betrachtet, wäre eine 4 in Chemie oder Physik, dafür eine 2 in Französisch vielleicht besser gewesen, damit ich für mich besser differenzieren kann, worin ich gut bin. Viele hätten von mir erwartet, Medizin zu studieren, jedoch ist mir schnell klar geworden, als ich bei dem TMS (Test für medizinische Studiengänge) mit Pauken und Trompeten durchgefallen bin, dass ich mich damit nicht beschäftigen möchte.

Was dann letztendlich meine Aufmerksamkeit erregt hat, war das Fach Sozialwissenschaften. Ich habe mich schließlich für die Uni in Düsseldorf entschieden, um „einfach mal etwas anzufangen, mit dem Hintertürchen offen, dass ich dann immer noch schauen kann, ob es mir gefällt“… Das Hintertürchen habe ich dann leider nicht mehr gefunden… Ich hatte keine Ahnung, was man damit machen kann, ich wollte einfach nur studieren. Rückblickend hätte ich mich mit meinem jetzigen Kenntnisstand für mehr Praxis entschieden, aber hinterher ist man ja immer schlauer. 😉

Jedenfalls machte ich die ersten Semester so mit, wie ich es aus der Schule gewöhnt war: alle Texte lesen, sich beteiligen, für Klausuren lernen und möglichst gute Noten schreiben. Und dann war das dritte Semester auf einmal viel freier: Ich musste selbst wählen, was ich machen möchte. Was? Ich wusste absolut nicht, was ich denn wählen möchte, ich wusste ja nicht mal, wieso ich das genau studiere. Ich hätte es eher als „Zufall“ als als innere Entscheidung und Willen betrachtet.

Folgende Zeilen stammen aus dem Jahr 2015 (ich habe viele Aufzeichnungen während meiner Verarbeitungen):


Ich rede mir ein, ich brauche Struktur in meinem Leben. Alle Arbeitnehmer, die acht Stunden am Tag, 5 mal in der Woche arbeiten, würden mich beneiden, dass ich so viel freie Zeit habe. Doch ich weiß nichts mit dieser Zeit anzufangen! Warum stehe ich auf? Wofür? Ich fühle mich nahezu depressiv, doch das wird mir wahrscheinlich kein Arzt bescheinigen. Ich bekomme keine gesundheitliche Erklärung, warum ich mich so fühle. Ich weiß, ich muss etwas ändern, doch ich weiß nicht was. Ich kann mich kaum daran erinnern, wie es sich nochmal anfühlt, auf etwas richtig Lust zu haben. Ich fühle mich einfach wie blockiert, wenn ich sehe, wie auf Facebook manche Bilder posten und glücklich in die Kamera schauen, wenn sie im Ausland aufregende Erfahrungen machen. Doch bin ich neidisch? Möchte ich das auch?


Ich kann mir vorstellen, dass es anderen auch so geht wie mir. Doch wo sind sie? Hocken hier viele in ihren Zimmern [im Studentenwohnheim] und denken vielleicht das gleiche wie ich? Warum tun wir uns dann nicht zusammen. Dann ist man eventuell weniger allein. Vielleicht meint John Kabat Zinn genau das: seinen Blick weiten, nicht in seinem eigenen engen Gedankenkarussell verweilen. Seinen Blick auf die Mitmenschen richten, auf die Natur?! „sich mit allem verbunden“, „sich ganz fühlen“. Doch wie?

Diese Texte habe ich geschrieben, als ich nachdenklich in meinem Studentenzimmer in Düsseldorf saß. Es zeigt, wie unsicher und planlos ich in meinem Studium und in meinen Gedanken „feststeckte“. Als nächster Blogeintrag folgt eine Antwort auf ein Beratungsgespräch von einem erfolgreichen Karriereberater in der Uni.

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