Die 1. Depressionsphase: Weitermachen!

Ich habe bereits hier etwas über diese Depressionsphase geschrieben und dass sie sehr von dem Leistungsdruck bestimmt war. Die erste Depressionsphase verlief im Wintersemester 2014/2015. Doch bevor es so weit war, bin ich sehr „unter die Räder“ gekommen, ohne es zu merken. Dazu führten mehre Faktoren:

  1. Ich habe seit meinem ersten Semester in einem Restaurant in der Düsseldorfer Altstadt gearbeitet als „Servicekraft“, da ich aber so schüchtern und unsicher im Umgang mit Kunden und dem Tablett war, wurde ich von mehreren Kolleginnen gemobbt, da ich auch nicht sehr schnell an der Theke war. Es war immer unglaublich viel in dem Restaurant los und dementsprechend sollte halt auch das Arbeitstempo sein. Doch mit meiner Unsicherheit? Puh! Ich würde mal behaupten, dass ich jetzt natürlich ganz anders mit der Situation umgehen würde, doch zu der Zeit bin ich auch einmal weinend aus dem Restaurant gerannt, da der innere und äußere Druck zu groß wurde.
  2. Ich habe meinen ersten Freund an Silvester 2013 kennen gelernt. Später stellte sich heraus, dass er an einer tiefen Depression litt. Alice Miller beschreibt in einem Buch, dass sich depressiv Veranlagte, die sich (noch) nicht behandeln lassen, oft jemanden suchen, der depressiv ist, um die eigene Depression nach außen zu tragen. So konnte ich mich um ihn kümmern anstatt um mich selbst. Da er aber so viele Probleme hatte zu der Zeit und ich ihn nicht „retten“ konnte, hat mich diese Situation zum Schluss fast umgebracht. Folgendes Zitat stammt aus meinen Unterlagen zur „Selbstfindung“:

„Er hatte viele Probleme, nahm Tabletten gegen seine Depression… aber war eigentlich immer noch depressiv, nannte mich „Engel“… Ich hatte aber ständig das Gefühl, dass ich ihm helfen muss, wenn er traurig ist. Jedoch konnte ich das nicht. Es wurde schlimmer, als er zu seinem Vater gezogen ist, mit dem er sich gar nicht verstanden hat… Da waren wir in einer regelrechten Ohnmacht. Das war meine erste Beziehung und ich hatte eigentlich nie wirklich dieses Gefühl des „Verliebt-seins“ oder auf Wolke 7- Schweben. Generell habe ich mir oft den Frust geholt, da ich mit seinem Verhalten oft nicht einverstanden war (er ist nie pünktlich aufgestanden, hat den ganzen Tag nur gezockt… das passte eigentlich nicht zu meinem üblichen Plan vom Leben.. dennoch war es immer eine Art Rückzug aus dem Alltagsleben, da er dem sozusagen ja trotzte und ich mit ihm)

Die Beziehung dauerte von Silvester 2013 bis Silvester 2014

3. Auch die Frustration im Studium stieg mehr und mehr. Ein Grund war dafür der innere Antrieb, meinen Stundenplan so voll wie möglich zu packen. Ich wollte keine „Langeweile“ und „ständig was zu tun haben“. Für mich frustrierende Fächer des Studiums waren: Öffentliches Recht, Analyseverfahren (1 und 2), ein Datenverarbeitungsprogramm namens SPSS, ein schrecklicher EDV – Kurs und zusätzlich ging ich auch noch in einer Finanzgruppe einer Studentenorganisation an meine Grenzen.Nachträglich frage ich mich natürlich, wie es dazu kommen konnte. Du fragst dich wahrscheinlich auch, warum hast du damit nicht einfach aufgehört? Insbesondere freiwilliges Engagement in einer Finanzgruppe lässt sich doch schnell aufgeben? Freunde, ich war so stark in meinem Leistungsdenken drin, dass ich das Aufgeben als ein Aufgeben meiner Leistungsmöglichkeit, ja als ein Versagen empfunden hätte.

4. Meine Oma hat einen Gehirntumor bekommen und konnte sich nach und nach immer weniger an alles erinnern, dieser hat sie regelrecht von innen aufgefressen, was sehr erschreckend war. Es tut mir etwas Leid, dass ich das veröffentliche, aber mein Freund war zu der Zeit keine Unterstützung (aufgrund eigener Probleme) aber ich denke auch jetzt noch daran, dass wir zu spät in die Leichenhalle gegangen sind, weil er unbedingt noch rauchen musste. Du kannst dir vorstellen, dass mein innerer Leidensdruck zu diesem Zeitpunkt enorm groß war.

Diese Gründe und wahrscheinlich noch mehr wie innere Veranlagung, nicht aufgearbeitete Familiengeschichte und meine Rolle in der Familie und in der Schulzeit, führten dazu, dass ich bis ans Ende gegangen bin. Das heißt, ich konnte einfach nicht mehr. Ich war noch nicht einmal in der Lage, meinem Freund zu sagen, dass ich Schluss machen möchte. Er konnte mir ansehen, wie tief ich bereits gefallen war und nahm mir sogar meine Entscheidung ab, obwohl er Angst vor dem Alleinsein hatte. Dies war dann Silvester 2014. Ich wusste, ein neues Jahr mit ihm halte ich nicht aus. Deshalb fühlte es sich nicht an wie eine bewusste Entscheidung, sondern eher wie eine Niederlage. Ich war am Boden zerstört und fühlte mich soooooo einsam, dass es sich wie das Ende der Welt anfühlte.

Es war das Jahr 2015: Es war höchste Zeit, dass ich mich endlich um mich selbst kümmere oder? Tja, leider war das Gegenteil der Fall: In den darauffolgenden Monaten habe ich eigentlich nur für die Tests und Klausuren der Uni gelernt. Ich hatte unglaubliche Angst, dass ich den Anforderungen des Studiums nicht gewachsen war: die Praktikumssuche saß wie ein Teufel in meinem Nacken. Ich wusste ja schließlich nicht wo und wie. Mein innere Stress stieg so stark an, dass ich letztendlich körperliche Beschwerden wie Bauchschmerzen, Flecken und Schwindel bekam. Ich wusste nicht, was mit mir los ist. Dies wirkt, wenn ich diese Zeilen schreibe selbst für mich erschreckend. Ich berichtete bereits von einer Klausur, die ich nach einem Nervenzusammenbruch geschrieben habe. Ich bekomme fast Tränen in den Augen, da ich merke, wie wenig ich auf mich selbst achtete und selbst nach so einem Zusammenbruch eine Klausur schrieb, die ich mit 1,3 abschloss. Wenn ich keinen Test oder keine Klausur zu schreiben hatte, war ich zu Hause bei meinen Eltern. Alles drehte sich darum, dass ich lernen musste und Angst hatte, keinen Praktikumsplatz zu bekommen. An alle, die studieren: Lasst euch um Gottes Willen Zeit dazu, selbst wenn ihr in der vorgeschriebenen Zeit kein Praktikum machen könnt, dann macht es einfach später! Bitte stresst euch nicht so, wie ich es getan habe. Zu dieser Zeit half es mir am meisten mit jemandem über das Internet zu schreiben. Ja tatsächlich über Tinder. (Märchen aus dem 21. Jh?!)

Genau aus diesem Grund möchte ich auch eine Ansprechpartnerin im Internet sein. Aber bitte nicht über Tinder, sondern Instagram bitte ;). Ich habe zu diesem Zeitpunkt mit dem Freund nicht über meine Probleme gesprochen, aber er war eine so tolle Ablenkung und er war meine Verbindung zur Außenwelt. Ich erinnere mich, wie ich im Bett lag, und mit ihm schrieb und ich verzweifelt dachte, bitte höre nicht auf, mir zu schreiben.

Als ich wieder nach Düsseldorf gefahren bin, habe ich versucht, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ich habe dort das erste Mal mit meiner Vertrauensdozentin gesprochen, die mir ans Herz legte, dass ich mir einen Therapieplatz suchen sollte.

Es wurde Frühling und ich suchte (leider) nicht nach einem Therapieplatz. Stattdessen bekam ich ein Praktikumsplatz bei einer renommierten Personalfirma in Düsseldorf. Ich habe keine Erleichterung gespürt, obwohl man dies erwarten könnte bei all dem Druck, der zumindest in Teilen hätte abfallen können. Nein, ich hatte mich zurecht gemacht, trag sogar hohe Schuhe und machte dadurch einen „guten“ Eindruck. Aufgrund meiner Zurückhaltung war ich dann die perfekte Praktikantin für mein Team. Später sollte sich herausstellen, dass dieses dreimonatige Praktikum ein Grund für die zweite depressive Phase war.

Zu dem Zeitpunkt wurde jedoch Sommer, ich „bekam mein Leben wieder in den Griff“, Volleyball machte mir Spaß, auch weil wir Erfolg hatten und die Relegation gewannen. Hallo Leistungszwang, der befriedigt wurde.

Lest hier weiter.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s