Die 2. Depressionsphase: Teil 1

Willkommen zurück Freunde.

Wir bleiben im Jahr 2015. Es ist das vierte Semester. Aus meinen Aufzeichnungen zu diesem Jahr weiß ich, dass das Semester ganz gut lief. Ich habe meinen Stundenplan nicht mehr so voll gepackt. Habe nur noch das Nötigste gemacht (was mehr als genug war). Ich war mit einer Freundin (für mich immer noch sehr wichtig) in Heidelberg. Die Stadt war für mich so unglaublich schön. Süddeutschland ist doch echt anders, als hier im „Norden“. Meine C1- Französisch- Lehrerin hat mich ziemlich runter gemacht, habe aber ne coole Frau in dem Kurs kennen gelernt, deshalb war das halb so wild. Jetzt frage ich mich: warum um Gottes Willen C1- Französisch und nicht A1 Spanisch. Hinterher ist man immer weiser. Außerdem habe ich in dem Semester eine Kölnerin kennen gelernt. Da fing auch die Liebe zu Köln an. Es war aber so unfassbar weit weg von meinem Selbstverständnis, leider. Diese offene, humorvolle, liebevolle Art gefällt mir so unglaublich gut. Auch dem Dozent mal sagen, wenn was scheiße läuft. Unfassbar gut. Es ist wirklich unglaublich, wenn ich daran denke, dass wir zusammen an einem Lehrforschungsprojekt gearbeitet haben zum Thema „Connected Continent“ (Telekommunikation) WAAAS?! Wie haben wir das denn geschafft. Ein Satz aus meinem Aufzeichnungen: „Sie (die Kölnerin, jetzt Berlinerin) hat total viel Ärger am Hals aber ist trotzdem immer am Lachen“. Verzeiht mir mein Deutsch manchmal, aber scheiß drauf haha.

Dann ging es bergab: Und zwar aufgrund des im vorherigen Post beschriebenen Praktikums bei einer renommierten Personalberatung in Düsseldorf. Von Ende Juli 2015 bis Oktober 2015, drei fucking Monante, weil es mein fucking Pflichtpraktikum war. Letztendlich wurde ich krass für meine Art gemobbt. Ich wollte zu der Zeit alles wissen, war neugierig, super schnell und wollte alle Abteilungen einmal sehen. Tja- nur Kaffee kochen konnte ich leider nicht, das war mein Manko. Es kamen Sätze während des Feedbackgesprächs: „Was hattest du eigentlich für eine Erziehung?!“ (Ich habe da Schokolade aus dem Regal „geklaut“).

Dann fing nahtlos das fünfte Semester an: Oktober 2015. Meine Fächer waren derart willkürlich zusammen gelegt, dass ich eine Hausarbeit in dem Kurs „populäre Religion – Auf dem Weg in eine spirituelle Gesellschaft“ schreiben musste. Dies bedeutete ein Leistungspunkt im Fach Soziologie. Im Nachhinein super spannend. Aber doch nicht zu dieser Zeit. Es geht um ein unglaublich spannendes Thema: ACHTSAMKEIT. Ja in meinem Soziologie Studium habe ich mich mit Jon Kabat- Zinn und seiner „Mindfulness-based-stress-reduction“- Therapie befasst und absolut gar nicht gewusst, was ich da eigentlich schreibe. Jetzt weiß ich es. Beschäftigt euch auch mal damit, kann ich nur empfehlen. Folgendes Zitat stammt aus der Zeit:

„Ich fühle mich aber irgendwie überfordert, diese [Hausarbeit] zu schreiben, da ich nicht genau weiß, wie ich die schreiben soll. Ich glaube hier liegt das Problem!! Ich habe nie gelernt, eine Leistung zu erbringen, ohne zu wissen, wie die Dozentin dies haben möchte! In der Schule war ich gut, da ich genau wusste, wie die Lehrerin dies ausdrücken würde und habe dies geschrieben. Jetzt weiß ich nicht genau, wie es richtig geht und muss meine eigene Herangehensweise einfach befolgen, ohne zu wissen, ob es richtig ist! Selbst wenn sie dies nicht so haben möchte, habe ich es einfach nach meiner eigenen Logik gemacht.“

wörtliches Zitat aus Aufzeichnungen, Ende 2015

Für mich derzeit unfassbar zu entdecken, dass ich zu dieser Zeit wirklich nicht wusste, was meine eigene Art zu schreiben ist. Ich war restlos überfordert. Und es ging um Meditation, dem Anfängergeist, Achtsamkeit. Aber im Hinblick auf soziologische Ansätze der Spiritualität. Interessant, aber weeeeit weg von mir zu der Zeit.

Dann habe ich eine Arbeit im Bereich der Personalberatung angefangen und zwar als studentische Hilfskraft. Ich war so unglaublich überfordert, da ich für die selbstständige Personalberaterin, mit Sitz in Düsseldorf, eine Software installieren sollte, die ihr Recruiting protokolliert. Ich und Technik? Ähm. Ich war so unfassbar frustriert. Das Problem war, dass ich mich als eine Studentin vorstellte, die viele Erfahrungen bei der anderen Personalberatung gemacht hatte, die einen Namen hat. Das heißt, sie wusste gar nicht, wie dunkel es bereits zu der Zeit in mir aussah. Ich habe letztendlich ein Spiel gegen mich gespielt. Das Spiel des „sich- nach – außen – hin – positiv – darstellen, um Karriere zu machen“. Letztendlich hatte ich totale Bauchkrämpfe und unnormale Reaktionen meines Körpers. Eindeutige Signale oder? Ich habe lange dafür gebraucht, dass ich mir endlich Hilfe hole.


Liebe Frau Ausgedacht,
ich habe da noch ein paar Worte, die mir am Herzen liegen. Ich möchte mich gerne bei Ihnen für Ihre Gutherzigkeit und Offenheit bedanken. Ich glaube nicht, dass ich so schnell noch einmal so eine verständnisvolle Chefin finden werde. Daher habe ich auch oft an meiner Entscheidung gezweifelt, ob ich diese nicht doch bereue. Der Grund, warum ich gekündigt habe, liegt nicht daran, dass wir einige Startschwierigkeiten hatten. Ich denke, wenn ich dafür bereit gewesen wäre, hätte ich mich tiefer in diese Sache hineingekniet und es weiter versucht.

Ich habe jedoch gemerkt, dass ich erstmal wissen muss, was mich eigentlich wirklich interessiert [Kommentar jetzt: Gott sein Dank]. Denn momentan bin ich sehr unglücklich mit meinem Studium, ich war eigentlich noch nie wirklich damit zufrieden. Es macht für mich auch erstmal keinen Sinn, in andere Personalberatungen reinzuschnuppern, da ich wahrscheinlich etwas ganz anderes ausprobieren möchte. Momentan habe ich die Idee, mich ehrenamtlich zu engagieren. Vielleicht ist der soziale Bereich ja auch etwas für mich. Falls das nicht so ist, werde ich ja immer noch meinen Bachelor hoffentlich in der Tasche haben, da ich vorhabe, trotz aller Schwierigkeiten mein Studium fertig zu machen.

Ich wollte Ihnen dies nur kurz mitteilen, wie es so innerlich in mir in der letzten Zeit aussah, da Sie es nicht verdient haben, dass ich ohne Erklärung oder Verabschiedung so abrupt gehe.

Ich bin mir sicher, dass Sie auch ohne mich – bzw. wahrscheinlich grade ohne mich – weiterhin sehr erfolgreich sind. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute!

Liebe Grüße
Anne

Das habe ich mehre Wochen nach meiner Kündigung geschrieben. Ich bin ohne eine Erklärung abzugeben, gegangen. Den Brief habe ich leider nie abgeschickt.

Diese Zeilen zeigen euch, dass ich super unsicher in meiner Berufswahl war. Sehr gefangen in falschen Überzeugungen, dass die Jobsuche erstmal das Wichtigste ist. Ich habe mich sehr missachtet und dementsprechend bin ich tiefer in die „Depression gerutscht“. Letztendlich ist die Depression die Rettung deiner selbst. Doch dafür habe ich lange gebraucht. Mehr dazu hier.

Liebe Grüße und habt einen schönen Tag!

Anne

2 Kommentare zu „Die 2. Depressionsphase: Teil 1

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