Die 2. Depressionsphase: Teil 2

Wie ihr aus meinem letzten Blogeintrag herauslesen konntet, haben viele äußere Umstände dazu geführt, dass ich mich innerlich extrem gestresst habe. Ich rede hier vor allem von meinem Studium und meinen beruflichen Entscheidungen. Insbesondere war ich ein Meister darin, souverän und ruhig nach außen zu wirken. So habe ich ja auch meine Stelle als studentische Hilfskraft bei der Personalberaterin bekommen. Dabei war mein vorheriges Praktikum eine Katastrophe. Sich aufgrund dieser Grundlage zu bewerben, empfinde ich heute höchst problematisch.

Auch meine Hausarbeit hat mich sehr überfordert, wie ihr schon lesen konntet. Das liegt daran, dass ich selbst nicht genau wusste, warum ich das alles machen muss. Es ist ja schließlich mein Leben und warum hatte ich immer das Gefühl, dass es fremdgesteuert war? Nur leider hat mir die Fremdsteuerung dann keine Hinweise gegeben, was ich denn genau zu tun habe. Da spreche ich wieder meine Hausarbeit an. Ich erinnere mich, wie ich an meinem Schreibtisch saß, eigentlich nicht mehr konnte und den Berg an Literatur vor mir. Eigentlich waren es drei Bücher von Jon Kabat Zinn. Aber eines hatte 300 Seiten. Und diese musste ich mit einem anderen Autor vergleichen, der über Spiritualität schrieb. Versteht ihr diese „Zwickmühle“, über etwas schreiben zu müssen, was einem selbst persönlich betrifft, man aber keinen Zugang zu sich selbst hat?

Ich erinnere mich gut, dass mein Bruder, der auch in Düsseldorf wohnte, mich genau in diesem Augenblick, als ich vor meinem Schreibtisch saß, besucht hat. Er hat mich verstanden und mich gefragt, warum ich denn von MÜSSEN spreche. Er hat mich gefragt, was passieren würde, wenn ich dies nicht tue. Wenn ich diese Hausarbeit nicht schreibe. Tja – Gute Frage. Ich hatte zu der Zeit keine Antwort. Jetzt hätte ich sie: es würde NICHTS passieren. Lediglich, dass ich mich endlich nur um mein inneres Wesen kümmere, als mich von außen fremdsteuern zu lassen.

So kam es dann, dass ich mich weniger und weniger gespürt habe. Ich fuhr wieder nach Hause. Da ich nicht in der Lage war, mir selber einen Therapeuten zu suchen, hatte ich zum Glück familiäre Unterstützung. Ich „geriet“ schließlich an eine ärztliche Psychotherapeutin (spezialisiert in Verhaltenstherapie), die mich erstmal aus diesem riesigen Loch, in das ich gefallen war, rausholen wollte. Und zwar mit Antidepressiva. Erst bekam ich Citalopram, mit einer niedrigen Dosis angefangen und sich langsam steigernd. Es ging gar nicht um therapeutische Gespräche. Ich durfte meine Depression beschreiben und antworte mit etwas, das sie hören wollte: Schwarzes Monster?! Naja, die Medikamente halfen mir tatsächlich. Auch wenn ich immer skeptisch war, wenn die Dosis erhöht wurde. Diese Zweifel sind die GANZE ZEIT während meinen therapeutischen Behandlungen geblieben. Darüber werde ich später noch mehr erzählen. Auch über meine Probleme, den Therapeuten zu vertrauen, werde ich später noch etwas sagen.

Jedenfalls hat sie mich ganz gut aus meinem Loch geholt. Die Symptome wurden behandelt. Doch leider nicht die Ursachen. Es gab sehr gute Ansätze der Verhaltenstherapie. Insbesondere Ansätze wie „Gedanken beobachten“: Stelle dir vor, du wärst das Schachbrett, auf dem die schwarzen und weißen Figuren gegeneinander kämpfen. Die weißen Figuren sind die positiven Gedanken und Gefühle, die schwarzen die negativen. Du hast beides, jedoch nehme nicht nur die eine oder andere Seite an. Du BIST das Schachbrett und NICHT die Figuren. Insbesondere Abstand zu seinen depressiven Symptomen zu gewinnen, empfand ich später als hilfreich. Eben NICHT mit den Symptomen zu verschmelzen, nicht mit dem Kopf gegen die Wand. Sondern das Blatt der Symptome auf dem Schoß. Meine Therapeutin hat mir immer ein Blatt direkt vor’s Gesicht gehalten. Dies sollte symbolisieren, dass ich tief drin steckte und mehr Abstand gewinnen müsste. Das Blatt auf den Schoß legen.

Wie ihr im nächsten Blogeintrag sehen könnt, werde ich von meinem ersten CRAZY NEW START berichten. Klingt verrückt, ist es auch, denn viele Therapeuten vermuteten eine bipolare Störung. Denn: Ich habe nur noch das gemacht, was mir Spaß gemacht hat. Ohne (!) irgendjemandem zu schaden. Und auch mir selbst habe ich nie geschadet. Dies finde ich extrem wichtig, um eine rückblickende Diagnose zu stellen. Ja, ich stelle sie mir jetzt selbst, bzw. lasse mich nicht stigmatisieren. Da kommt auch der Verein „KRASS e.V.“ ins Spiel. Schaut‘ immer mal nach unter den „Biggest Crazy New Starts“. Dies findest du hier.

#Staytuned

Liebe Grüße

Anne

3 Kommentare zu „Die 2. Depressionsphase: Teil 2

  1. Hi Anne, meine Therapeutin in den USA hat mir ganz zum Anfang gesagt „wenn Du Medikamente (Antidepressiva) nimmst, behandele ich Dich nicht“. Das hat mir sehr sehr geholfen. Sie hat mir „Werkzeuge“ in die Hand gegeben um ohne Medikamente klar zu kommen. Ein GUTER Therapeut ist Gold wert. Davon gibt es aber in Deutschland leider kaum welche…

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