Das Bildungssystem und ich

Ken Robinson ist laut Wikipedia „international geachteter Berater in der Gesellschaftsentwicklung“. „Von 1989 bis 2001 war er Kunstprofessor an der University of Warwick.“ 2003 wurde er zum Sir geschlagen. Das sagt schon was aus oder? Jedenfalls hat mich Christian Stenner auf Instagram auf ihn aufmerksam gemacht, da ich auf seiner Linie sei. Und das ist auch in dieser Rede zu 100 Prozent der Fall und daher werde ich Zitate aus dieser Rede aufgreifen.

Um das Video mit deutschen Untertiteln zu sehen, klickt hier.

Doch erstmal zu mir: Wie ich bereits schon geschrieben habe, war ich immer ein „Einserkandidat“ in der Schule. Dieses Wort habe ich mir nicht ausgedacht, so werden diese Kinder genannt. Bei Tests und Klassenarbeiten hat natürlich Anne die einzige Eins, die an der Tafel steht. Das ist kein schönes Gefühl als Kind. Auch von Lehrern gelobt zu werden ist ein unangenehmes Gefühl. Denn es bestätigt den Fehler! Es bestätigt die Definierung über die Leistung. Meine depressiven Phasen haben mich letztendlich davor gerettet, genauso weiter zu machen. Noten und Bewertungen sind mir endlich (!) nicht mehr wichtig. Selbst auf dem Poetry Slam habe ich auf die Bewertung geschissen. Ich war hinterher natürlich interessiert, aber ich bin nicht mehr abhängig davon, dass mich jemand anderes bewertet. Mein ganzes Schulleben lang habe ich das gemacht, was die Lehrer erwarteten. Ich habe ihnen sprichwörtlich nach dem Mund geredet. Die Folge: Die besten Noten und ein 1,4 Abitur. Damit studierst du bestimmt Medizin oder? MOMENT MAL! Ich wusste, dass ich irgendwie aus dem System ausbrechen muss, um mich zu retten. Ich wusste, dass ich das nicht überlebe, in dem Ort zu bleiben, ohne mich umzubringen. Niemand sah MICH und meine Fähigkeiten, ich selbst auch nicht. Auch jetzt bin ich noch dabei zu entdecken, was ich eigentlich wirklich gut kann.

Ich kann jetzt schon viele Dinge sagen, unter anderem lerne ich Sprachen unglaublich schnell, ich habe nur leider keine Zeit, mich intensiver damit zu beschäftigen. Ich würde untergehen ohne Geld. Wir reden von einem Sozialstaat. Sie unterrichten uns im Politik Unterricht, dass wir eine Demokratie haben und einen Sozialstaat. Wenn ich jetzt selbst am eigenen Leib erfahre, wie der Umgang mit mir ist, wenn ich tatsächlich am Boden bin und Geld vom Staat brauche. Dann ist das Wort „sozial“ doch höchst lächerlich.

Jedenfalls zerstört die Erziehung insbesondere in den Schulen jede Kreativität. Wir sind so stark kopfbelastet, dass unsere Gerhirne Depressionen verursachen, die wir mit dem Kopf nicht mehr lösen können. Mein Bruder sagt immer: Du kannst das Problem nicht auf dem Weg lösen, wie sie entstanden sind und zwar mit dem KOPF!

Wir vergessen unsere emotionale Gehirnhälfte komplett. Selbst Musik und Kunstunterricht wird benotet. Oder Sport! Wie um Gottes Willen kann man denn bitte subjektive kreative Prozesse in Noten bewerten und somit jegliches Talent zerstören. Ich habe kein Gespür für Kunst. Als Kind nicht und heute nicht. Ich würde unglaublich gerne malen können. Meine Mama hat früher Bilder für mich im Kunstunterricht gemalt, damit die gute Note stimmt. Ich weiß,dass sie dies jetzt auch als einen Fehler ansieht. Ich möchte nur damit sagen, dass das Schulsystem jegliche Kreativität dadurch zerstört. Auch die Angst davor, etwas falsch zu machen habe ich immer noch und hatte ich sehr stark während meiner Praktikaerfahrungen und im Studium.

Ken Robinson berichtet darüber, dass Kinder bereit sind, Fehler zu riskieren. Dabei nennt er ein Krippenspiel, in dem die Kinder folgendes sagen:
Der erste Junge sagte: „Ich bringe dir Gold.“ Der zweite sagte: „Ich bringe dir Myrrhe.“ Der dritte sagte: „Frank hat das geschickt!“ 

Diese Beispiele zeigen, dass Kinder bereit sind, etwas zu riskieren. Wenn sie es nicht wissen, probieren sie es einfach. Nicht wahr? Sie haben keine Angst, etwas falsch zu machen. Ich will damit nicht sagen, dass etwas falsch zu machen bedeutet, kreativ zu sein. Wir wissen aber: Wer nicht bereit ist, einen Fehler zu machen, wird nie etwas wirklich Originelles schaffen — wenn man nicht bereit ist, Fehler zu machen. Wenn sie erst erwachsen sind, haben die meisten Kinder diese Fähigkeit verloren. Sie haben Angst, Fehler zu machen. In Firmen machen wir das genau so. Wir stigmatisieren Fehler. Wir haben heute nationale Bildungssysteme, in denen Fehler das Schlimmste sind, was man machen kann. Das Ergebnis ist, dass wir den Menschen ihre kreativen Fähigkeiten „weg-unterrichten“. 


Ken Robinson. Bring on the learning revolution. https://www.ted.com/talks/sir_ken_robinson_bring_on_the_revolution/transcript , abgerufen am: 10.04.2019

Ein weiters Zitat, was ich super finde:

Picasso hat mal gesagt: „Kinder werden als Künstler geboren.Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“


Ken Robinson. Bring on the learning revolution. https://www.ted.com/talks/sir_ken_robinson_bring_on_the_revolution/transcript , abgerufen am: 10.04.2019

Ken Robinson nennt ein weiteres tolles Beispiel, nämlich Shakespeare: Wie lästig muss es für ihn gewesen sein, im Englischunterricht zu sitzen? Er musste wahrscheinlich auch den Satz „Streng dich mehr an“ hören. Oder Abends im Bett von seinem Vater: „Leg den Stift weg und geh ins Bett!“

Ich habe bereits schon meine Empörung kundgetan, dass kreative Fächer sogar benotet werden. Ken Robinson geht einen Schritt weiter und erklärt, dass diese Fächer weit unter „verkopften“ Fächern wie Mathematik stehen. Wir vergessen unseren KÖRPER! Wir haben ein Gehirn und sind in der Lage wunderbare Dinge zu erschaffen, die unsere Kreativität weiter zerstören. Warum werden die Kinder von den Erfindern von Smartphones in Waldorfschulen unterrichtet? Die Eltern kommen kaum damit klar, was diese technische Entwicklung ausgelöst hat. Wir vergessen unseren Körper. Für mich sind Musik, Kunst, Sport und Theater die beruflichen Zweige, die am allerallertollsten sind, weil sie das emotionale Innere ansprechen und unseren Körper. Deshalb bewundere ich auch alle Leute, die etwas in diese Richtung machen und sich TRAUEN. Ich weiß, dass ich das gleiche tue. Für mich ist schreiben auch eine Art Kunst.

[…] etwas wird einem klar, wenn man in die USA kommt und auch woanders hin auf der Welt: Jedes Bildungssystem der Erde hat die gleiche Hierarchie von Fächern.Wirklich jedes. Egal, wohin man geht. Man könnte meinen, es sei anders, aber das ist es nicht:ganz oben Mathematik und Sprachen,dann Geisteswissenschaften, und ganz unten Kunst. Überall auf der Welt.Und in so ziemlich jedem System gibt es auch eine Hierarchie innerhalb der Künste. Kunst und Musik haben meistens einen höheren Status in Schulen als Theater und Tanz.Es gibt auf dem Planeten kein Bildungssystem,das Kinder täglich genauso im Tanzen unterrichtet wie in Mathematik. Warum? Warum nicht? Ich denke, dass das ziemlich wichtig ist. Mathematik ist wichtig, aber das gilt auch für Tanz. Kinder tanzen die ganze Zeit, wenn sie dürfen, wir alle tun das.Wir alle haben Körper, oder? Oder hab ich was verpasst?


Ken Robinson. Bring on the learning revolution. https://www.ted.com/talks/sir_ken_robinson_bring_on_the_revolution/transcript , abgerufen am: 10.04.2019

Seine Rede wurde auf 56 Sprachen veröffentlicht. Und diese hat er vor fast 10 Jahren gehalten. WANN HÖREN WIR ENDLICH HIN?

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