Die 4. und letzte Unterdrückungsphase

Hallo Freunde.

Wenn ihr meine letzten Blogeinträge gelesen habt, wisst ihr, warum ich mich mehr und mehr selbst in die Depressionen getrieben habe. Es ging mir in den Sommermonaten zwar immer gut, aber ich habe niemals nach den wahren Gründen meiner Unterdrückung gesucht.

Im Sommer ging es mir in den letzten Jahren immer gut, da ich das getan habe, was mir Spaß gemacht hat. Interessanterweise bin ich in genau diesen Zeiten auch immer Partnerschaften eingegangen, die teilweise nicht wirklich gesund für mich waren. Ich werde aber absichtlich nicht darüber schreiben, da ich dies mit den Personen direkt klären würde, anstatt hier meine Gedanken dazu öffentlich zu äußern.

Eine Sache will ich aber dazu sagen: Ich war immer sehr laut, lebensfroh und teilweise chaotisch und schnell verletzlich, wenn ich in meinen „guten Phasen“ war. In den kommenden depressiven Phasen war ich immer komplett alleine. Entweder ich habe irgendwie Schluss gemacht, oder etwas anderes ist passiert.

Dazu kam, dass ich zu dieser Zeit keine „richtigen Freunde“ hatte. Es ist schwer, das zu bewerten aber aus meinem Standpunkt heraus, hatte ich einfach keine Leute an meiner Seite, die mich vor einer weiteren „Depression“ retteten. Jetzt würde ich sagen: Schnapp‘ dir deinen depressiven Freund und fahrt raus, weit weit weg in die Natur, am besten in die Sonne! Meine Mama hat gesagt, dass man nicht vor seinen Problemen weglaufen kann. Aber wenn du in einer beschissenen Situation steckst, vielleicht beruflich, vielleicht aber auch privat. Dann rette dich verdammt nochmal und geh aus dieser Situation raus! Eine depressive Phase habe ich in Spanien in der Sonne verbracht und danach ging es mir viel viel besser!! Das ist niemals für alle der Fall, ich rede nur von meinen Erfahrungen. Meiner Meinung nach ist es so so wichtig, auch die Umgebung anzuschauen und sich zu fragen: Bin ich vielleicht depressiv, weil die Umgebung um mich herum so verdammt negativ ist und mich auffrisst? Warum hassen sich alle immer selbst?

Meine vierte depressive Phase fing im Juli 2017 an, so langsam bis sich der Winter immer mehr näherte. Meine berufliche Situation sah so aus, dass ich gegen mein Herz gearbeitet habe. Ich habe in einer Erstaufnahmebehörde für „Flüchtlinge“ gearbeitet und diese Situation in Verbindung mit meinem Chef hat mich kaputt gemacht. Ich habe einen einwöchigen Erstorientierungskurs geleitet. Das ist ein Witz! Eine Woche zum Deutsch lernen?! WOFÜR?! Ich war halt der Meinung, dass ich nach meinem Studium direkt arbeiten muss, deshalb habe ich diese Stelle angenommen ohne auch nur die geringste Ahnung vom Unterrichten zu haben. Aber Hauptsache mit Migranten arbeiten. Hauptsache irgendwie „helfen“. Dass ich mir selbst erstmal helfen muss, ist mir sehr sehr spät (aber nicht zu spät) klar geworden. Ich habe versucht, die aufkommende Krise irgendwie zurückzuhalten und habe eine Reise nach Portugal alleine gemacht (10 Tage). Da habe ich aber den Fehler gemacht, dass ich so viel wie möglich sehen wollte und auch in sehr unbequemen und lauten Hostels geschlafen habe, anstatt mir was zu gönnen! Einfach in der Sonne am Strand liegen und das jeden Tag, das hätte ich gebraucht.

Hier ein paar Bilder aus Portugal (12.07.2017 – 22.07.2017)

Ich habe auf meiner Reise durch Portugal (Lissabon, Porto und Coimbra) viele neue Leute kennen gelernt. Dies war schön, aber immer nur von kurzer Dauer, denn danach ging jeder wieder seinen Weg. Danach spürte ich immer eine gewisse stärkere Einsamkeit. Meine Reise mit Pepe später (Oktober 2018) war dann doch ganz anders, wenn man mit der Person, die man liebt, alles erleben kann. Dies ist Glück für mich.

Am Ende dieser Reise war mein Energielevel jedoch auf 0. Ich konnte nicht mehr. Dabei wollte ich eigentlich meine Energie wieder aufladen. So ist das, wenn man nicht genug auf sich selbst hört. Ich wusste, dass ich wieder arbeiten muss, wenn ich wieder nach Hause komme, deshalb war die Krise vorprogrammiert. Energielos und ausgelaugt stand ich dann letztendlich wieder vor meiner Klasse. An diesem Tag erbarmten sich nur 2 Leute aus Afrika. Ich konnte mich nicht mehr zusammenreißen und fing tatsächlich an zu weinen. Da ich keine unmittelbaren Kollegen hatte, meldete ich mich bei den Angestellten der Behörde krank und fuhr verzweifelt nach Hause. Ab da ging dann die neue Psychotherapeutensuche in Osnabrück los. Ich wusste, dass ich eine ambulante Therapie nicht nochmal schaffe und besser gleich in eine Klinik gehen sollte. Deshalb erkundigte ich mich direkt bei den Therapeuten, welches die beste Klinik für Depressionen im Umkreis ist. Meiner Meinung nach sollte man nicht in die nächste Klinik gehen, sondern sich erkundigen. Aus vielen anderen Erfahrungsberichten weiß ich, dass viele sogar mit einem schlechteren Zustand aus der Klinik kamen, als sie reingegangen sind.

Der letzte Satz meiner Aufzeichnungen lautet „Es ist ab Januar bis jetzt schon wieder super viel passiert.. Ich lebe mein Leben echt wie in einer Achterbahn: Zwei Beziehungen, Praktikum und danach Job, alleinige Portugalreise und das alles in 8 Monaten“. Die Folge war ein fünfmonatiger Klinikaufenthalt auf einer Depressionsstation in der Nähe von Osnabrück. Mit Yoga, Meditation, Sport, Kunsttherapie und Einzelgesprächen mit Therapeuten.

Klingt nach bipolar, sagen die Pychologen.

Klingt nach einem langen Weg auf der Suche nach dem inneren Ich, sage ich.

Über meinen „Crazy New Start“ nach meinem Klinikaufenthalt berichte ich hier.

Ich kann euch aber sagen, dass die wirklich Aufarbeitung erst nach der Klinikphase begonnen hat. Das heißt, als ich aus der Klinik entlassen wurde, ging es mir immer noch recht schlecht. Laut Angaben der Klinik sei dies aber „normal“, da man nur eine Stabilisierung wünsche, damit die Patienten sich wieder im Alltag zurech finden. Dann aber in meinen alten Beruf zu gehen, der ein großer Herd meiner Depression war, empfinde ich heute als höchst problematisch. Insbesondere, weil keine Therapeuten mit mir darüber gesprochen haben.

2 Kommentare zu „Die 4. und letzte Unterdrückungsphase

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s