Asylprozess, Selbsthass und Inneres Kind

Ich melde mich auch nach langer Zeit wieder…

Es ist in letzter Zeit so unfassbar viel Druck entstanden, der kaum auszuhalten war. Ich habe an vielen Stellen gekämpft, wie ihr vielleicht auf Instagram gesehen habt. Ich habe versucht, irgendwie meine berufliche Orientierung zu finden. Habe mich innerlich und manchmal äußerlich gegen diverse Behörden aufgelehnt. Und dennoch fühlt sich mein Weg nicht richtig an. Ich kann schon seit längerem nicht wirklich klar sehen. Und ich weiß, wie es ist, wenn sich etwas richtig anfühlt. Insbesondere wenn es um einen „Crazy New Start“ geht, von dem ich gefühlt weit entfernt bin. Das lässt mich verzweifeln.

Ich versuche auf der einen Seite persönlich meinen Weg zu finden und grenze mich teilweise von meiner Familie ab, um dies zu tun. Doch nicht nur das ist verdammt schmerzhaft. Sondern auf der anderen Seite liebe ich meinen Freund, der kein Deutscher ist, aus dem Iran kommt und Asyl beantragt hat und deshalb unfassbare Nachteile erfährt. Man glaubt ihm nämlich nicht und versucht alles, um ihn aus diesem Land zu vertreiben. Noch schlimmer ist es geworden, seitdem wir gesagt haben, dass wir heiraten wollen. Es wird so hart wie möglich gemacht, ein Zusammenleben hier in Deutschland ist kaum möglich. Er hat nämlich eine Wohnsitzauflage und müsste sich eigentlich in einer Flüchtlingsunterkunft aufhalten. Viele verstehen glaube ich nicht wirklich, warum das ein Problem ist. Doch dass wir uns für eine gewisse Zeit (räumlich) trennen, ist für uns unvorstellbar. Doch Liebe wird von den Gesetzen nicht anerkannt und solange wir nicht auch gesetzlich verheiratet sind, lässt mich dies zutiefst verzweifeln. Es wird so schwer gemacht, da er aufgrund seiner Duldung keine Arbeitserlaubnis bekommt. Auch das Geld wurde eingestellt. Doch er würde das Geld ja auch gar nicht brauchen, wenn sie ihn nur arbeiten ließen. Er und ich möchten ja nicht mal Geld vom Staat. Warum dies verweigert wird, kann mein Kopf einfach nicht verstehen.

Ich wollte nicht allzusehr über Probleme mit der Ausländerbehörde sprechen, da ich befürchtet habe, dass ich ihm Nachteile bescheren könnte. Doch ich bin an einem Punkt, an dem es kaum noch schlechter geht.

Ich schreibe diese Zeilen um 6 Uhr morgens an einem Montag Morgen (05.08.2019). Pepe wollte den Zug Richtung Niedersachsen nehmen, um zur Flüchtlingsunterkunft zu gehen. Wir warten schon so so lange, dass sich etwas verändert und dies tut es einfach nicht. Daher gibt es keine andere Möglichkeit. Es fühlt sich für mich so unglaublich falsch und ungerecht an, dass er dahin fahren muss. Und ich weiß nicht, wie die auf ihn reagieren, wenn er da ist. Für mich sind die deutschen Behörden unfassbar kalt in der Regelbefolgung und die Ausländerbehörde symbolisiert etwas Menschenverachtendes für mich. Meine Gefühle. Meine Erfahrungen. Die raus wollen, weil ich es nicht aushalte.

Genau an diesem Montagmorgen schaue ich jedoch vorher auf unseren Kontostand, weil er ohne Geld da nicht hinreisen kann und es wird mir Minus angezeigt, weil fälschlicherweise zu viel Geld von der Versicherung für unser Auto abgebucht wurde. Es tauchen schon seit Tagen Schuldgefühle bei mir auf, die sich langsam und sicher in einen Selbsthass verwandeln. Lange habe ich versucht die Aggressionen nach außen zu geben und habe mehrere Videos aufgenommen, die meine Frustration deutlich machen. Doch ich konnte mich nicht davor bewahren, dass sich meinen Ärger irgendwann gegen mich richtete. Es entwickelte sich Stück für Stück ein gewisser Selbsthass, der wieder auftauchte, als ich auf den Kontostand schaute. Es fühlte sich alles an, als wäre es mein Fehler.

An den Tagen zuvor bin ich schon zwei mal richtig zusammengebrochen, dies machte sich bemerkbar dadurch, dass ich nicht aufhören konnte zu weinen und die Verzweiflung aus mir herausbrach. Immer und immer wiederholte ich in meinem Kopf: „Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr.“ Mir war auch da bewusst, dass sich solche negativen Gedanken alles verschlimmern und die Gefühle noch negativer werden. Doch ich konnte es nicht mehr aufhalten und wollte es auch nicht.

Bis zu diesem Morgen, als ich wieder anfing zu weinen, weil (gefühlt) etwas wieder nicht funktionierte und Pepe nicht den Zug nehmen konnte. Verzweifelt dachte ich: Ich kann nicht noch einen Tag abwarten! Ich kann nicht mehr warten, bis sich etwas ändert. Doch was soll ich nur tun?!

An diesem Morgen lag ich dann weinend im Bett, starrte an die Decke und etwas tat sich in meinem Inneren. Ich fing an, für mich selbst die Person zu sein, die ich so sehr brauchte. Die mich in den Arm nahm. Dies tat ich, auf mentaler Art und Weise. Ich fing an, mich zu beruhigen und es fühlte sich so an, als würde ich einen Kontakt zu meinem Inneren Kind aufnehmen. Klingt esoterisch? Ist mir egal. Denn ich war in den letzten Tagen so traurig darüber, dass ich nicht wusste, an wen ich mich wenden könnte, der mich einfach wie ein Kind in den Arm nahm. Ich tat es für mich selbst und sprach innerlich zu mir: „Du hast nichts falsch gemacht. Es hat alles einen Grund, dass Pepe den Zug jetzt nicht nehmen konnte. Vertrau mir, dass du später alles verstehen wirst, was dir jetzt gerade passiert. Das,was du bis jetzt alles geschafft hast, ist unglaublich. Ich bin unfassbar stolz auf dich.“

Es tut tatsächlich so gut, wenn man die Person nicht mehr im Außen sucht, die für einen da ist, sondern wenn man es selbst ist. Und währenddessen hat Pepe auch schon eine andere Lösung gefunden und wird noch am selben Tag mit einer Mitfahrgelegenheit dorthin fahren.

…Fortsetzung folgt…

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