Ein Leben auf der Flucht

Manchmal fällt mir ein Titel eines Textes sehr schnell ein. Es ist wie eine Art Eingebung, weil es das ausdrückt, wie ich mich in den letzten Wochen gefühlt habe: Auf der Flucht.

Flucht im dreifachen Sinn:

  1. Pepe durchläuft hier in Deutschland als „Flüchtling“ den Asylprozess. (Ich mag‘ dieses Wort immer noch nicht). Da ich ihn liebe und ich gewisse Ungerechtigkeiten nicht verstehen konnte, habe ich natürlich mitgelitten und einen gewissen Hass gegenüber dem deutschen System entwickelt. Gefühllos, robotormäßig und kalt habe ich vor allem die Behörden empfunden. Das System funktioniert bis heute (wirtschaftlich gesehen) super, aber das Menschliche bleibt doch an vielen Stellen gehörig auf der Strecke. Und falls die Frage aufkommt: Wir sind leider immer noch nicht verheiratet, da seine Scheidung nicht anerkannt wurde. „Privat“ hätten sie sich scheiden lassen, was unmöglich ist und natürlich auch gerichtlich durchgesetzt wurde, aber nun gut. Wir bleiben dran.
  2. Fluchtartig haben wir unsere erste gemeinsame Wohnung (nach 2 Wochen bin ich schon bei ihm eingezogen) verlassen. Wir fühlten uns im Umfeld Hannover nicht wohl und es zog mich immer schon nach Köln. Wie ihr vielleicht gelesen habt, ist es dann zufälligerweise Stolberg bei Aachen geworden. Im Nachhinein haben wir die Wohnung sehr überstürzt verlassen (die Hälfte der Kleidung haben wir da gelassen) und für den Übergang eine (überteuerte) Ferienwohnung in Stolberg gemietet. Wie ihr merkt, waren das sehr impulsive Entscheidungen. Ich rede hier nicht von richtig oder falsch.
  3. Auch mental fühlte ich mich rastlos, wie auf der Flucht. Ihr konntet hier nachlesen, dass der Stress und der Druck sehr hoch waren und ich sogar sehr destruktive Gedankengänge hatte. Das lag daran, dass wir noch von der Ausländerbehörde abhängig waren, die es uns so schwer gemacht hat, dass wir zusammen wohnen (z.B. wurde das Geld eingestellt, weil er nicht in der Unterkunft wohnte). Kurzes Update dazu: Er war nur ein paar Tage in der Flüchtlingsunterkunft und ist dann direkt wieder zurückgekommen. Geändert hätte es nämlich nichts und es war wirklich für ihn in der Unterkunft nicht zumutbar. Wenn ich davon spreche, dass ich auch mental „wie auf der Flucht“ war, dann meine ich damit Rastlosigkeit, Unruhe, Unzufriedenheit und Orientierungslosigkeit. Und das in nahezu allen Belangen, ob privat oder beruflich.

Ich denke, dass ich langsam verstehe, dass dies daran liegen könnte, dass ich wieder sehr nach außen gerichtet war. Vielleicht habt ihr meine Geschichte der Depression nachgelesen. Ich habe in letzter Zeit meine Aggressionen nach außen gerichtet anstatt nach innen wie in der Depression, was in eine Leere umschlug. Das heißt, dass ich im deutschen System immer unzufriedener wurde, ich dies auch mitteilte (siehe Instagram) und ich unglaublich viel Energie dadurch verlor.

Ich dachte, dass es in anderen Ländern (insbesondere Spanien) bestimmt besser ist. Ich mag nämlich die Mentalität und die spanische Kultur. Jedoch habe ich sie bisher nur als Urlauberin kennen gelernt und in das spanische System einzutreten wird früher oder später sicher auch mit Unzufriedenheit einhergehen. Ich spreche hier von der schlechten ökonomischen Lage (ich müsste viel mehr unterrichten für viel weniger Geld, da bleibt vermutlich wenig Zeit zum Genießen), der Lebensstandard ist natürlich viel geringer (wir müssten uns eine Wohnung teilen, was mit Luki super problematisch werden könnte und Pepe auch nicht der Typ dafür ist). Auch der Umgang mit Migranten und die Überforderung diesbezüglich wird man in Spanien noch deutlicher spüren (z.B. Probleme mit Schwarzverkauf an den Stränden von afrikanischen Leuten, die gar keine Chance zur Integration haben). Schreibt mir doch gerne bei Instagram, wenn ihr persönlich Erfahrungen dort gemacht habt.

Pepe und ich waren an einem Punkt, an dem wir überall hingegangen wären, um diesen ganzen Frust in Deutschland hinter uns zu lassen. Ich bin aber froh, dass wir dieses mal eine Entscheidung mit „mehr Kopf“ treffen. Wie ihr vermutlich wisst, bin ich eine Verfechterin von Bauchentscheidungen. Doch manchmal möchte sich der Bauch mit allen Mitteln aus einer Lage befreien, was vermutlich langfristig keine gute Lösung darstellt.

Es sieht momentan bei uns finanziell deutlich besser aus, aber nicht gut genug, um die Zeit in Spanien wirklich genießen zu können, ohne sich kaputt zu arbeiten.

Das heißt ja nicht, dass wir immer in Deutschland bleiben, aber wir werden die nächsten Entscheidungen mit deutlich mehr Abwägungen treffen.

Was bleibt ist, dass ich mich immer noch auf der Suche danach mache, was ich beruflich machen möchte. Ich bin aber momentan ziemlich froh, dass ich nicht direkt das Handtuch bzgl. des Unterrichtens geworfen habe. Ich leite derzeit nur 2 – 3 mal in der Woche einen Kurs, doch das reicht mir erstmal. So habe ich mehr Zeit, mich darauf zu konzentrieren, etwas anderes auszuprobieren. Wenn ich jeden Tag aufgrund des Unterrichtens gestresst wäre, hätte ich dafür einfach keine Kraft mehr.

Ich möchte nicht mehr fliehen, vor dem System und vielleicht auch vor mir. Ich möchte mir (mit 25) vor allem auch mal mehr Zeit geben und mir sagen, dass es nicht schlimm ist, wenn ich jetzt noch nicht weiß, wohin meine Reise (v.a. beruflich führt). Dafür möchte ich privat mir mehr bewusst machen, was ich bereits alles jetzt schon habe. Und dass es etwas Besonderes ist, jemanden zu lieben und die Liebe auch jeden Tag zurückgespiegelt zu bekommen. Es ist etwas Besonderes, als das was man ist wahrgenommen zu werden. Wenn ich mich ständig darauf fokussieren würde, was ich noch nicht habe und dass ich nicht wirklich glücklich in meinem Job bin, würden diese Dinge verloren gehen. Ich wäre vermutlich die ganze Zeit auf der Flucht und auf der Suche nach etwas.

Ich denke, dass da der Schlüssel liegt, doch das dies ein Weg ist, den man aktiv gehen muss, weil einem das Gehirn doch so gerne alles Negative aufzählen möchte. Man verfällt viel schneller in die Abwärtsspirale des Stresses anstatt innezuhalten und sich bewusst zu machen, was man jetzt schon alles hat und was man alles schon geschafft hat. Vermutlich liegt da auch der Schlüssel der Dankbarkeit und Zufriedenheit. Dafür muss man in keine andere Stadt und in kein anderes Land ziehen, um dies herauszufinden. Ich kann euch sagen, ich fühle es noch nicht wirklich, aber ich möchte mich auf diesen Weg machen 🙂

Schreibt mit sehr gerne bei Instagram – klick hier – was ihr dazu denkt.

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