Was bedeutet „Arbeit“?

Die „Arbeit“ im Sinne des Berufes hat so einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft.

„Was machst du beruflich?“ ist eine der ersten Fragen beim Kennenlernen.

Ich habe das Wort „Arbeit“ mal gegoogelt und eine interessante Definition bekommen:

„In der Antike und im Mittelalter waren die Begriffsinhalte von Arbeit negativ und abwertend: Arbeit galt als unwürdige Tätigkeit, deren sprachliche Synonyme Mühsal, Plage, Last und Not waren; sie wurde dadurch zur Angelegenheit der unteren sozialen Schichten. Erst durch die christliche Religion erhielt Arbeit eine positive Bestimmung; bes. in der protestantischen Ethik ist Arbeit identisch mit Pflichterfüllung und gottgefälligem Tun, und in einer asketischen, durch Arbeit geprägten Lebensweise wird bereits im Diesseits die Vorbestimmtheit für die ewige Seligkeit sichtbar. Die positive Bewertung von Arbeit hat sich in den sich früh industrialisierenden westlichen Gesellschaften durchgesetzt; Weber (1864–1920) sah in der protestantischen Ethik die Voraussetzungen für den kapitalistischen Industrialisierungsprozess. Auch gegenwärtig wird Arbeit, auch Arbeitseinkommen und der sich darin dokumentierende Erfolg, positiv bewertet.“

Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/arbeit-31465 , abgerufen am: 04.01.2020

Warum ich das interessant finde? Weil wir mit der Sprache die Macht besitzen, (abstrakte) Dinge wie „Arbeit“ zu bewerten. Und dass sich die Bewertung auch im Laufe der Zeit verändern kann. Das ist so spannend, weil sich so viele Leute über ihre Arbeit/ Leistung profilieren. Ironischerweise war Arbeit früher den „Sklaven“ überlassen. Kurz noch als Zwischeninfo: Ich habe Soziologie studiert und hatte dort auch ein Seminar, in dem es unter anderem darum ging, dass man mit der Sprache Macht besitzt. Nämlich Dingen eine Bedeutung zuzuschreiben. Doch da gehe ich jetzt nicht weiter drauf ein.

Zurück zu meinen persönlichen Gedanken zu dem Thema:

Jeder fragt dich, ob du einen Partner hast oder Single bist / Kinder hast und vor allem welchen Beruf ausübst. Doch niemand fragt, ob du glücklich bist. Das habe ich mal irgendwo auf Instagram gelesen.

Arbeit ist demnach so wichtig in unserer Gesellschaft und wir zeichnen uns darüber aus. Wenn du schon mal zum Jobcenter musstest, ist bei dir vielleicht auch ein Schamgefühl aufgekommen. Ich glaube, das wird ganz bewusst so gesteuert. Ich jedenfalls habe mich extrem minderwertig und erniedrigt gefühlt. Schon merkwürdig, wie soziale Normen Druck ausüben können, wenn man aus der Leistungsgesellschaft „rutscht“.

Ist Arbeit nur ein Austausch von Leistung und Geld?

Oder noch viel mehr:

1) An erster Stelle sollten wir die Arbeit von Frauen, die Kinder aufziehen viel mehr wertschätzen, anstatt es ihnen möglich zu machen, so schnell wie möglich ins Berufsleben zu stürzen. Ein ganz großes Thema: Kinder brauchen insbesondere in den ersten Jahren die Bindung zur Mutter. Wenn Frauen deshalb zu Hause bleiben, ist das auch Arbeit! Und zwar mehr, als so viele (sorry) Sesselpupser in den Büros machen. Aber der Begriff „Hausfrau“ ist oft noch abwertend besetzt.

2) Arbeit ist auch, wenn man an sich selbst arbeitet. Vielleicht ist man von außen „arbeitslos“ und arbeitet in der Zeit trotzdem sehr an sich. Bei mir ist es jedenfalls so. Ich spreche von der inneren Entwicklungsarbeit, wenn man sich die Zeit nimmt, um Dinge (aus der Familiengeschichte) aufzuarbeiten, destruktive Glaubenssätze hinterfragt: „Bin ich so wirklich? Bin ich so, wie ich sein will?“ Doch sich diese Zeit zu nehmen, wird sehr schwer gemacht, insbesondere wenn man dadurch in finanzielle Krisen gerät oder man z.B. eine Verantwortung für Kinder trägt (sind wir wieder beim Punkt 1).

Für einen wirklichen Wandel in der Gesellschaft ist es aber nötig, dass Generationen weitergebende Traumatisierungen aufgearbeitet werden. Gleichzeitig ist man aber dem Leistungsdruck der Gesellschaft ausgeliefert. Doch auch mal arbeitslos zu sein und sich die Zeit zu nehmen, um herauszufinden, was man eigentlich wirklich möchte und wer man ist, finde ich extrem wichtig. Noch wichtiger als das „Schamgefühl“ jedenfalls materialistisch nichts zur Leistungsgesellschaft beizutragen.

Ich bin nämlich überzeugt, dass wenn man sich diese Zeit nimmt, daran reift. Dass man auch ohne diesen Austausch des Geldes gegen Arbeitskraft zur Gesellschaft beiträgt.

Und wenn man sich so Stars der Spiritualität wie Laura Malina Seiler anschaut, lässt sich dieser Beitrag sogar irgendwann finanziell messen. Das passiert aber sicher nicht, wenn man vorher nicht auch ohne Geld zu bekommen in „Vorleistung“ tritt und eine Menge innere Arbeit leistet, die wir alle nicht sehen können.

Deshalb: Du weißt nicht, woran der Mensch gerade „arbeitet“ und gleichzeitig vielleicht gesellschaftlich stigmatisiert „arbeitslos“ ist.

So Fragen wie: „Wie geht es dir (wirklich)? Bist du zufrieden mit deinem Leben? Was sind deine Wünsche/Träume?“ Finde ich deshalb viel spannender 🙂

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