Februar 2020 : Der Schock und die Flucht nach Spanien

  • Der Februrar fing ganz gut an: Wir ernährten uns immer besser (vegetarisch) und morgens haben wir oft Haferflocken (Porridge) mit Früchten und Nüssen gegessen
  • ich entwickelte eine Art sportliche Routine: 20 min joggen und 20 Min Workout zu Hause oder schwimmen (diese Abwechslung tat mir sehr gut)
  • Sport und gutes Essen halfen mir sehr in der Zeit, um mental „stabil“ zu bleiben
  • ich habe auf Instagram etwas zur Ganzheitlichkeit gepostet, weil ich innerlich mehr verstanden habe, was ich im Studium der Soziologie eigentlich gelernt hatte, klick hier, um zum Beitrag zu kommen
    • ich hatte ein Seminar „Populäre Religion – Auf dem Weg in eine spirituelle Gesellschaft“ (vor 5 Jahren), dabei ging es um eine Veränderung der Zahl der Anhänger eines religiösen Glaubens (Kirche) hin zur zur individuellen Auslebung der Spiritualität
    • ich finde dies so spannend, da ich tagtäglich Profile auf Instagram lesen, die aktiv ihre Spiritualität leben und diese Erfahrungen öffentlich auch weitergeben
    • und auch ich selbst spüre diese innerliche Entwicklung, mich nicht mehr an alten religiösen Überlieferungen zu halten, sondern meinen ganz eigenen individuellen Weg zu gehen
  • ich mag dieses Zusammenhalten auf Instagram und bekomme viele schöne und interessante Nachrichten, es tut gut, wenn ich mit meinen Beiträgen auch Leute erreichen kann
  • Am 11.02. startete der Persischkurs und dieser gefiel mir echt gut: Die Leute im Kurs waren cool drauf, der Lehrer ruhig und erklärte alles super entspannt. Auch seine Strategie fand ich gut, die Schrift direkt zu erklären und darüber die Aussprache zu vermitteln (außerdem Literatur,- und Umgangssprache gleichermaßen)
  • mein erstes Wort auf Persisch (ab – > Wasser ) 🙂 war echt stolz haha
  • ansonsten pläterschte das Leben weiter so dahin und Pepe und ich warteten darauf, bis sich seine Situation verbesserte (er endlich die Arbeitserlaubnis bekam)

Dann kam der SCHOCK

  • er war am 13.02. in der Ausländerbehörde, in der er gültige Papiere abgegeben hatte, weil ihm versichert wurde, dass er so die Arbeitserlaubnis (nach 2 Jahren ) bekommen würde. Er wurde aber schlichtweg angelogen, da man ihm dann den Zettel gab, dass er bis zum 20.02. entscheiden sollte, WANN und WOHIN er FREIWILLIG AUSREIST. Ansonsten würde man die ABSCHIEBUNG einleiten
  • Pepe hat mich angerufen, ich war gerade auf dem Weg nach Aachen (zum Glück parkte ich das Auto bereits), ich war komplett schockiert und konnte es einfach nicht glauben
  • ich war voller Wut, Verzweiflung, Trauer, Angst und die Tränen platzten aus mir heraus, ich konnte mich sehr lange nicht beruhigen
  • es fühlte sich an wie ein Arschtritt, den man uns verpasste: skrupellos und einfach ohne Gnade: denn der Grund der Abschiebung war, dass unsere Heirat nicht unmittelbar bevorstand
  • die mir schon etwas länger folgen, wissen, wie lange wir schon heiraten wollen, doch einfach nach über einem Jahr immer noch Papiere fehlen, die angefordert werden: was also ganz klar nicht unser Verschulden ist
  • ich weiß nicht, wie ich das kräftemäßig alles geschafft habe, aber wir haben zusammen versucht, in einer Woche so viel Hilfe und Unterstützung wie nur möglich zu bekommen:
    • nach mehreren Anläufen fanden wir eine Anwältin, die ein Eilverfahren ans Gericht schrieb und wir so Zeit gewannen
    • wir sprachen mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen
    • wir stellten einen Härtefallantrag (den wir später erst abschicken werden)
    • ich sprach auf Instagram offen über unsere Situation und bekam sehr viel emotionale Unterstützung und auch finanzielle (über 200 Euro) DANKE!
    • Kontakt zu Pro Asyl (Pepe)
    • war im Kontakt mit MOABIT hilft in Berlin, eine Organisation, die gegen Abschiebungen kämpft (mehrere Telefonate)
  • und das ganze in ständiger Angst, dass er nach Ablauf dieser Zeit abgeschoben werden könnte, ich konnte wirklich nicht mehr nachts schlafen
  • es war keine rationale Angst, denn so schnell wird normalerweise keiner abgeschoben, dennoch blieb diese Angst vor der UNGEWISSHEIT: das war einfach das Schlimmste, dass wir nicht wissen, wann und ob er überhaupt abgeschoben wird…wenn das keine mentale Schikane ist?!

Hier ein paar Bilder zu der Zeit, einfach weil’s dazu gehört:

Doch wo Schatten ist, ist auch Licht

Während der Karnevalstage hat uns meine beste Freundin Nhi aus Osnabrück besucht. Es ist einfach so schön immer mit ihr, da wir uns so gut verstehen und auf einer gemeinsamen Ebene denken. Durch sie konnten wir wirklich diese Angst und diesen Stress für einen kurzen Augenblick vergessen. Bin so dankbar, für diese Herzensfreundschaft, auch wenn wir uns nicht so oft sehen 🙂 Ich denke, dass die Bilder dies auch zeigen:

Jedenfalls wurde uns klar, dass diese Situation der Ungewissheit nicht lange auszuhalten ist und dass wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen. Wir fragten uns: Wohin kann Pepe gehen? Und wir wollten schon vor einem Jahr nach Barcelona gehen und deshalb reifte diese Idee, dies endlich zu tun, immer weiter. Wir fingen an, unsere Sachen zu packen. Eine Wohnung war über eine APP auch sehr schnell gebucht. Teuer natürlich, aber verglichen zu dem, was wir in Deutschland zahlen und was wir in Barcelona bekommen, lohnt sich das schon. Wir sollten aber natürlich noch nach Alternativen vor Ort schauen. So einen wirklichen Abschied gab es nicht, weil ich nochmal zurück kommen werde. Deshalb müssen wir einfach mal schauen, wie sich jetzt alles entwickelt. Hier ein paar Foto von unserem vielleicht letzten gemeinsamen Wintertag in Deutschland:

Wie in einem richtig guten Film, kommt natürlich immer etwas dazwischen. Wir wollten bereits schon an einem Samstag fahren, anstatt an einem Montag, wie ursprünglich geplant. Doch das Schicksal wollte es nicht so, denn wir hatten einen Nagel im Vorderreifen und somit einen Platten. Das haben wir Samstag erst spät gemerkt und deshalb blieben wir noch bis Montag, was aber auch ganz gut war, um wirklich alles in der Wohnung auf Vordermann zu bekommen.

Wir sind also am Montag zu unseren Freunden gefahren, um uns zu verabschieden. Sachen waren gepackt im Auto. Wir haben zusammen noch was leckeres gegessen und sind dann um 19:30 losgedüst. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch aber einem enormen Ehrgeiz, dies durchzuziehen. Natürlich hatte ich während der gesamten Fahrt Angst, dass etwas passieren könnte. In Frankreich tauchten ständig „CORONA VIRUS, Info Tel.Nr. xxx“ auf. Wir machten mehrere kleine Pausen, aber keine längere um zu schlafen, weil wir möglichst schnell in Barcelona ankommen wollten. Ich ging wirklich an meine letzten Kraftreserven. 15 Stunden Fahrt durch die Nacht und am Morgen von einer wunderschönen Landschaft umgeben. Langsam tauchten erste Freiheitsgefühle auf. Doch nur zaghaft, denn zu kaputt habe ich mich bei der Ankunft gefühlt. Zum Glück ist alles gut gegangen. Folgende Bilder zeigen, wie sehr wir belohnt wurden:

Die Fortsetzung folgt.. Seid gespannt auf die Reflektion im März und auf unsere ersten Schritte in Barcelona 🙂

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