März 2020: Wie Corona auch uns eine Zwangspause verordnet

Anfang März Barcelona: Wenig von Corona zu spüren

Als wir in Barcelona am 03.03.20 angekommen sind, war noch wenig von der bevorstehenden Krise zu spüren: Wir haben zwei Wochen lang jeden Tag am Strand verbracht. Wir machten dort Sport, lernten beim Beachvolleyball neue Leute kennen und ansonsten waren wir auch sehr zufrieden mit der Lage der Wohnung, die wir uns mit 2 anderen Frauen teilen, 5 Minuten vom Strand entfernt. Supermärkte, Cafés, Restaurants alles in direkter Nähe und trotzdem befindet sich die Wohnung in sehr ruhiger Lage.

Es war trotzdem nicht so einfach für mich, anzukommen: Ich verspürte sehr viel Druck, da ich unbedingt eine Arbeit finden musste. Ich habe meinen Lebenslauf an diverse Unternehmen gesendet, genauer für den deutschen Kundenservice. Bis auf ein ziemlich katastrophales Jobinterview (es ging um technischen Kundenservice) fiel meine Ausbeute eher mau aus, denn ich hatte nicht viel Zeit. Denn Corona sollte schnell die komplette Welt zum Stillstand bringen. Und uns natürlich auch.

Die Ausgangssperre

Die Corona Krise begann hier relativ schleichend, jedenfalls habe ich es so wahrgenommen. Tag für Tag gab es weniger Menschen auf den Straßen und ich erinnere mich an den letzten Tag am Strand mit Luki: Ich machte dort ein Workout und neben mir war eine Frau mit drei Hunden. Ansonsten waren nur vereinzelt Leute zu sehen. Die Frau sagte mir, dass die Polizei derzeit die Leute vom Strand schickt und dass ich besser hier kein Workout machen sollte.

Am Anfang der Ausgangssperre fühlte es sich draußen so an wie in einem Film: Die Leute trugen Masken und Handschuhe und stellten sich in gutem Abstand in die Reihe vor einem großen Supermarkt. Es wurde wenig gesprochen. Die Straßen wurden leerer, Polizisten sprachen Leute direkt an und verteilten Strafen, wenn man sich nicht in der Nähe eines Supermarktes oder auf dem Weg dorthin befand. Nur dringende Dinge durfte man noch erledigen, wie zur Apotheke oder zum Arzt gehen. Am Anfang waren Pepe und ich noch zusammen mit Luki in dem Park vor unserer Haustür, wo immer viele Hunde waren. Doch dies wurde auch nicht mehr erlaubt: Nur noch eine Person pro Hund, an der Leine und 150m von der Wohnung entfernt.

Hier ein paar Bilder von der Geisterstadt Barcelona:

Was dies mit meiner Psyche macht

Ich muss sagen, dass mein Körper noch ziemlich voll gepumpt war mit Stress, durch die schwierige Zeit, die wir in Deutschland hatten. Vor allem die Jobsuche war ein weiterer großer Stressfaktor für mich. Deshalb war ich durch die Corona Krise gezwungen, „herunterzufahren“, mich auf das zu fokussieren, was ich jetzt gerade noch machen kann. Das war natürlich nicht viel und vielleicht sogar ein nötiges Stopp-Zeichen, das ich gebraucht habe.

Ich habe mich aber am Anfang gegen diese Situation gewährt und war super frustriert: Ich fand es einfach unfair, dass wir in Spanien direkt wieder ausgebremst wurden. Ich dachte mir: Wie kann es sein, dass jetzt so etwas passiert? Die Angst übermannte mich, die jetzt überall gegenwärtig war. Starke Zukunftssorgen quälten mich und ich war an einem Abend in einer extremen Ausnahmesituation: Mit Pepe zerstritten, verheult und keine Hilfe von außen erreichbar. Gedanken tauchten auf, wie z.B.: „Wenn ich jetzt in Deutschland wäre, könnte ich wenigstens in die Klinik.“ Ich war wirklich verzweifelt. Am nächsten Tag schaffte ich es zum Glück, mich selbst innerlich wieder zu stabilisieren und mir das Wichtigste vor Augen zu führen: „Wir sind gesund. Es geht uns im Moment gut. Wir fühlen uns in der Wohnung wohl und sind in Sicherheit.“ Außerdem sagte ich mir innerlich, dass ich stolz auf mich bin, da ich jetzt in Barcelona bin, was ich immer wollte. Die Situation im Außen lässt sich nicht steuern. Sich dagegen zu wehren, raubt aber unglaublich viel Energie. Folgendes Zitat dazu fand ich super:

Der innere Widerstand gegenüber der Situation wurde so intensiv und unerträglich, dass es keine Möglichkeit gab, ihr zu entkommen. So wurden sie in vollkommenes Annehmen des Nicht-Annehmbaren gezwungen. Sie wurden zur Hingabe gezwungen.“

Eckhart Tolle

Ich denke, dass es super wichtig ist, dass man das annimmt, was nicht zu ändern ist. Und sich auf das zu Fokussieren, was zu ändern ist. Und bei einem absoluten äußeren Stillstand bietet das immer die Chance, sich nach innen zu richten. Zuzuhören, was man jetzt braucht. Ich denke, diese ständige Sorge: „Wie zahle ich die und die Rechnung“ ist in solch einer Ausnahmesituation gar nicht berechtigt. Jedenfalls versuche ich mir das zu sagen, um mich so zu beruhigen.

Wie mein Isolations-Alltag aussieht

Ich dachte, vielleicht ist es ganz interessant zu wissen, wie der Alltag so aussieht, wenn man nicht rausgehen darf (außer mit Hund und für dringende Dinge). Ohne Reihenfolge und natürlich von Tag zu Tag unterschiedlich:

  • aufstehen zwischen 8 und 10: morgens mit Luki rausgehen (in den Park)
  • Workout machen (Youtube: Tanzen, High Intensive Training, oder mit meiner Mitbewohnerin)
  • mit unserer Mitbewohnerin sprechen
  • Spanisch lernen (Duolingo App, Filme, Youtube)
  • nur mit Luki raus gehen (Park) oder einkaufen
  • neue Leute kennen lernen (auf 2m Distanz im Park, keine Sorge)
  • Fotos von der Geisterstadt Barcelona machen
  • Essen kochen (macht Pepe meistens)
  • schlafen
  • Jobaussichten (Home Office – Möglichkeiten) checken
  • etwas in Instagram posten
  • lustige Tiktok Videos machen
    • von Tik Tok extrem genervt sein
  • die Krise kriegen, Insta-Pause machen
  • (Video-)anruf mit Freunden/Familie
  • allein-sein wollen / genervt sein durch die Mitbewohnersituation
    • Selbstfürsorge betreiben: Musik hören, duschen, tanzen, singen
    • Netflix schauen
  • Dinge in Deutschland klären (z.B. Nachmieter für die Wohnung)

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