Februar 2020 : Der Schock und die Flucht nach Spanien

  • Der Februrar fing ganz gut an: Wir ernährten uns immer besser (vegetarisch) und morgens haben wir oft Haferflocken (Porridge) mit Früchten und Nüssen gegessen
  • ich entwickelte eine Art sportliche Routine: 20 min joggen und 20 Min Workout zu Hause oder schwimmen (diese Abwechslung tat mir sehr gut)
  • Sport und gutes Essen halfen mir sehr in der Zeit, um mental „stabil“ zu bleiben
  • ich habe auf Instagram etwas zur Ganzheitlichkeit gepostet, weil ich innerlich mehr verstanden habe, was ich im Studium der Soziologie eigentlich gelernt hatte, klick hier, um zum Beitrag zu kommen
    • ich hatte ein Seminar „Populäre Religion – Auf dem Weg in eine spirituelle Gesellschaft“ (vor 5 Jahren), dabei ging es um eine Veränderung der Zahl der Anhänger eines religiösen Glaubens (Kirche) hin zur zur individuellen Auslebung der Spiritualität
    • ich finde dies so spannend, da ich tagtäglich Profile auf Instagram lesen, die aktiv ihre Spiritualität leben und diese Erfahrungen öffentlich auch weitergeben
    • und auch ich selbst spüre diese innerliche Entwicklung, mich nicht mehr an alten religiösen Überlieferungen zu halten, sondern meinen ganz eigenen individuellen Weg zu gehen
  • ich mag dieses Zusammenhalten auf Instagram und bekomme viele schöne und interessante Nachrichten, es tut gut, wenn ich mit meinen Beiträgen auch Leute erreichen kann
  • Am 11.02. startete der Persischkurs und dieser gefiel mir echt gut: Die Leute im Kurs waren cool drauf, der Lehrer ruhig und erklärte alles super entspannt. Auch seine Strategie fand ich gut, die Schrift direkt zu erklären und darüber die Aussprache zu vermitteln (außerdem Literatur,- und Umgangssprache gleichermaßen)
  • mein erstes Wort auf Persisch (ab – > Wasser ) 🙂 war echt stolz haha
  • ansonsten pläterschte das Leben weiter so dahin und Pepe und ich warteten darauf, bis sich seine Situation verbesserte (er endlich die Arbeitserlaubnis bekam)

Dann kam der SCHOCK

  • er war am 13.02. in der Ausländerbehörde, in der er gültige Papiere abgegeben hatte, weil ihm versichert wurde, dass er so die Arbeitserlaubnis (nach 2 Jahren ) bekommen würde. Er wurde aber schlichtweg angelogen, da man ihm dann den Zettel gab, dass er bis zum 20.02. entscheiden sollte, WANN und WOHIN er FREIWILLIG AUSREIST. Ansonsten würde man die ABSCHIEBUNG einleiten
  • Pepe hat mich angerufen, ich war gerade auf dem Weg nach Aachen (zum Glück parkte ich das Auto bereits), ich war komplett schockiert und konnte es einfach nicht glauben
  • ich war voller Wut, Verzweiflung, Trauer, Angst und die Tränen platzten aus mir heraus, ich konnte mich sehr lange nicht beruhigen
  • es fühlte sich an wie ein Arschtritt, den man uns verpasste: skrupellos und einfach ohne Gnade: denn der Grund der Abschiebung war, dass unsere Heirat nicht unmittelbar bevorstand
  • die mir schon etwas länger folgen, wissen, wie lange wir schon heiraten wollen, doch einfach nach über einem Jahr immer noch Papiere fehlen, die angefordert werden: was also ganz klar nicht unser Verschulden ist
  • ich weiß nicht, wie ich das kräftemäßig alles geschafft habe, aber wir haben zusammen versucht, in einer Woche so viel Hilfe und Unterstützung wie nur möglich zu bekommen:
    • nach mehreren Anläufen fanden wir eine Anwältin, die ein Eilverfahren ans Gericht schrieb und wir so Zeit gewannen
    • wir sprachen mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen
    • wir stellten einen Härtefallantrag (den wir später erst abschicken werden)
    • ich sprach auf Instagram offen über unsere Situation und bekam sehr viel emotionale Unterstützung und auch finanzielle (über 200 Euro) DANKE!
    • Kontakt zu Pro Asyl (Pepe)
    • war im Kontakt mit MOABIT hilft in Berlin, eine Organisation, die gegen Abschiebungen kämpft (mehrere Telefonate)
  • und das ganze in ständiger Angst, dass er nach Ablauf dieser Zeit abgeschoben werden könnte, ich konnte wirklich nicht mehr nachts schlafen
  • es war keine rationale Angst, denn so schnell wird normalerweise keiner abgeschoben, dennoch blieb diese Angst vor der UNGEWISSHEIT: das war einfach das Schlimmste, dass wir nicht wissen, wann und ob er überhaupt abgeschoben wird…wenn das keine mentale Schikane ist?!

Hier ein paar Bilder zu der Zeit, einfach weil’s dazu gehört:

Doch wo Schatten ist, ist auch Licht

Während der Karnevalstage hat uns meine beste Freundin Nhi aus Osnabrück besucht. Es ist einfach so schön immer mit ihr, da wir uns so gut verstehen und auf einer gemeinsamen Ebene denken. Durch sie konnten wir wirklich diese Angst und diesen Stress für einen kurzen Augenblick vergessen. Bin so dankbar, für diese Herzensfreundschaft, auch wenn wir uns nicht so oft sehen 🙂 Ich denke, dass die Bilder dies auch zeigen:

Jedenfalls wurde uns klar, dass diese Situation der Ungewissheit nicht lange auszuhalten ist und dass wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen. Wir fragten uns: Wohin kann Pepe gehen? Und wir wollten schon vor einem Jahr nach Barcelona gehen und deshalb reifte diese Idee, dies endlich zu tun, immer weiter. Wir fingen an, unsere Sachen zu packen. Eine Wohnung war über eine APP auch sehr schnell gebucht. Teuer natürlich, aber verglichen zu dem, was wir in Deutschland zahlen und was wir in Barcelona bekommen, lohnt sich das schon. Wir sollten aber natürlich noch nach Alternativen vor Ort schauen. So einen wirklichen Abschied gab es nicht, weil ich nochmal zurück kommen werde. Deshalb müssen wir einfach mal schauen, wie sich jetzt alles entwickelt. Hier ein paar Foto von unserem vielleicht letzten gemeinsamen Wintertag in Deutschland:

Wie in einem richtig guten Film, kommt natürlich immer etwas dazwischen. Wir wollten bereits schon an einem Samstag fahren, anstatt an einem Montag, wie ursprünglich geplant. Doch das Schicksal wollte es nicht so, denn wir hatten einen Nagel im Vorderreifen und somit einen Platten. Das haben wir Samstag erst spät gemerkt und deshalb blieben wir noch bis Montag, was aber auch ganz gut war, um wirklich alles in der Wohnung auf Vordermann zu bekommen.

Wir sind also am Montag zu unseren Freunden gefahren, um uns zu verabschieden. Sachen waren gepackt im Auto. Wir haben zusammen noch was leckeres gegessen und sind dann um 19:30 losgedüst. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch aber einem enormen Ehrgeiz, dies durchzuziehen. Natürlich hatte ich während der gesamten Fahrt Angst, dass etwas passieren könnte. In Frankreich tauchten ständig „CORONA VIRUS, Info Tel.Nr. xxx“ auf. Wir machten mehrere kleine Pausen, aber keine längere um zu schlafen, weil wir möglichst schnell in Barcelona ankommen wollten. Ich ging wirklich an meine letzten Kraftreserven. 15 Stunden Fahrt durch die Nacht und am Morgen von einer wunderschönen Landschaft umgeben. Langsam tauchten erste Freiheitsgefühle auf. Doch nur zaghaft, denn zu kaputt habe ich mich bei der Ankunft gefühlt. Zum Glück ist alles gut gegangen. Folgende Bilder zeigen, wie sehr wir belohnt wurden:

Die Fortsetzung folgt.. Seid gespannt auf die Reflektion im März und auf unsere ersten Schritte in Barcelona 🙂

Januar 2020

Ich versuche mal in Stichpunkten zusammenzufassen, was so passiert ist 🙂

Und die Bilder zeigen es auch 🙂

  • der Start ins Jahr 2020 (Silvester) war sehr crazy in Köln. Pepe und ich waren in keinem Club, sondern sind zum Rhein gegangen. Es ist sehr viel Alkohol geflossen. Ich habe betrunken mit Pepe Schluss gemacht und bin von ihm weggelaufen… wtf?! 😀 (Alkohol in Massen nicht zu empfehlen)
  • ich bin seit November 2019 krank geschrieben und beschäftige mich mit dem Thema „Arbeit“ und muss immer noch für mich herausfinden, wie ich in diesem kranken System arbeiten kann, ohne selbst krank zu werden
  • wir beobachten weiter die Lage im Iran und ich schreibe dazu auch manchmal in Instagram
  • weiterhin Kampf im Asyl,- und Heiratsprozess mit Pepe, wir kommen aber weiter
  • erste Sonnenstrahlen aufgesaugt, viel in der Natur mit Luki raus gewesen und „abwarten und Tee trinken“
  • meine Schwester hat mich besucht und wir hatten 2 schöne Tage zusammen
  • Pepe und ich waren bei meinen Eltern in der Heimat (in Niedersachsen), weil meine Eltern uns unterstützen wollten (Arbeit für Pepe z.B).
  • wir haben sogar überlegt, dorthin zu ziehen, da ich mental sehr am Ende war, da der Asylprozess und meine eigene berufliche Situation extrem kräftezehrend war
  • doch wir haben herausgefunden, dass wir unseren Weg alleine gehen wollen
  • Hier ein paar Eindrück aus Nordhorn (Grafschaft Bentheim)
  • wir sind wieder zurück gekommen nach Stolberg und uns ist mehr bewusst geworden, welche positiven Dinge wir hier besitzen. Und dass unsere Wohnung echt gemütlich ist.
  • ich habe angefangen, Gitarre zu spielen und meine Anfänge auf Instagram protokolliert.
  • auch finanziell geht es uns momentan ganz gut 🙂 (war ein extreeemer Stressfaktor)

Learnings und Fazit

  • Ich bin nicht abhängig von der Liebe anderer und kann meinen Weg so wählen, wie ich es will, weil ich glücklich sein möchte mit meinem Leben
  • Es ist Veränderung nur möglich, wenn man es auch wirklich will und bereit ist, seinen Schmerz anzuerkennen und dann durch ihn durchzugehen; man kann andere Menschen zu keiner Veränderung zwingen
  • Die Worte „Ich bin halt so“ verhindern jegliche innere Entwicklung
  • Ich merke positive Veränderungen in mir, gehe mehr meinen eigenen Weg und das mit mehr Selbstbewusstsein
  • es hängt alles von der eigenen Einstellung ab, objektiv ist alles neutral, erst unsere Bewertungen lassen uns gut oder schlecht fühlen
  • ich möchte Stück für Stück wieder mehr Verbindung zu meinem wahren Ich aufbauen und dazu gehört auch die Musik/Kunst: Erste Schritte gehe ich dabei mit meiner Gitarre, bei der es nicht auf Perfektion ankommt

HALLO 2020!

Pepe und ich haben für uns entschieden, dass 2020 unser Jahr wird! Und hoffentlich mit vielen positiven Ereignissen. Es kann eigentlich nur noch besser werden 😀 Und das tut es auch.

Unter dieser Rubrik möchte ich jeden Monat einen Monatsrückblick schreiben und darüber berichten, was so in dem Monat passiert ist. Und was ich dazu gelernt habe. Die Monate sind wie Kapitel im Buch meines Jahres 2020. Ich bin gespannt, was alles so passieren wird und werde dich hier auf dem Laufenden halten. Würde mich freuen, wenn du ab und zu mal vorbei schaust (oder einmal im Monat 🙂 )

Quelle: https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/aenderungen-2020-neue-gesetze/150/32549/396208, abgerufen am: 06.02.20

Was bedeutet „Arbeit“?

Die „Arbeit“ im Sinne des Berufes hat so einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft.

„Was machst du beruflich?“ ist eine der ersten Fragen beim Kennenlernen.

Ich habe das Wort „Arbeit“ mal gegoogelt und eine interessante Definition bekommen:

„In der Antike und im Mittelalter waren die Begriffsinhalte von Arbeit negativ und abwertend: Arbeit galt als unwürdige Tätigkeit, deren sprachliche Synonyme Mühsal, Plage, Last und Not waren; sie wurde dadurch zur Angelegenheit der unteren sozialen Schichten. Erst durch die christliche Religion erhielt Arbeit eine positive Bestimmung; bes. in der protestantischen Ethik ist Arbeit identisch mit Pflichterfüllung und gottgefälligem Tun, und in einer asketischen, durch Arbeit geprägten Lebensweise wird bereits im Diesseits die Vorbestimmtheit für die ewige Seligkeit sichtbar. Die positive Bewertung von Arbeit hat sich in den sich früh industrialisierenden westlichen Gesellschaften durchgesetzt; Weber (1864–1920) sah in der protestantischen Ethik die Voraussetzungen für den kapitalistischen Industrialisierungsprozess. Auch gegenwärtig wird Arbeit, auch Arbeitseinkommen und der sich darin dokumentierende Erfolg, positiv bewertet.“

Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/arbeit-31465 , abgerufen am: 04.01.2020

Warum ich das interessant finde? Weil wir mit der Sprache die Macht besitzen, (abstrakte) Dinge wie „Arbeit“ zu bewerten. Und dass sich die Bewertung auch im Laufe der Zeit verändern kann. Das ist so spannend, weil sich so viele Leute über ihre Arbeit/ Leistung profilieren. Ironischerweise war Arbeit früher den „Sklaven“ überlassen. Kurz noch als Zwischeninfo: Ich habe Soziologie studiert und hatte dort auch ein Seminar, in dem es unter anderem darum ging, dass man mit der Sprache Macht besitzt. Nämlich Dingen eine Bedeutung zuzuschreiben. Doch da gehe ich jetzt nicht weiter drauf ein.

Zurück zu meinen persönlichen Gedanken zu dem Thema:

Jeder fragt dich, ob du einen Partner hast oder Single bist / Kinder hast und vor allem welchen Beruf ausübst. Doch niemand fragt, ob du glücklich bist. Das habe ich mal irgendwo auf Instagram gelesen.

Arbeit ist demnach so wichtig in unserer Gesellschaft und wir zeichnen uns darüber aus. Wenn du schon mal zum Jobcenter musstest, ist bei dir vielleicht auch ein Schamgefühl aufgekommen. Ich glaube, das wird ganz bewusst so gesteuert. Ich jedenfalls habe mich extrem minderwertig und erniedrigt gefühlt. Schon merkwürdig, wie soziale Normen Druck ausüben können, wenn man aus der Leistungsgesellschaft „rutscht“.

Ist Arbeit nur ein Austausch von Leistung und Geld?

Oder noch viel mehr:

1) An erster Stelle sollten wir die Arbeit von Frauen, die Kinder aufziehen viel mehr wertschätzen, anstatt es ihnen möglich zu machen, so schnell wie möglich ins Berufsleben zu stürzen. Ein ganz großes Thema: Kinder brauchen insbesondere in den ersten Jahren die Bindung zur Mutter. Wenn Frauen deshalb zu Hause bleiben, ist das auch Arbeit! Und zwar mehr, als so viele (sorry) Sesselpupser in den Büros machen. Aber der Begriff „Hausfrau“ ist oft noch abwertend besetzt.

2) Arbeit ist auch, wenn man an sich selbst arbeitet. Vielleicht ist man von außen „arbeitslos“ und arbeitet in der Zeit trotzdem sehr an sich. Bei mir ist es jedenfalls so. Ich spreche von der inneren Entwicklungsarbeit, wenn man sich die Zeit nimmt, um Dinge (aus der Familiengeschichte) aufzuarbeiten, destruktive Glaubenssätze hinterfragt: „Bin ich so wirklich? Bin ich so, wie ich sein will?“ Doch sich diese Zeit zu nehmen, wird sehr schwer gemacht, insbesondere wenn man dadurch in finanzielle Krisen gerät oder man z.B. eine Verantwortung für Kinder trägt (sind wir wieder beim Punkt 1).

Für einen wirklichen Wandel in der Gesellschaft ist es aber nötig, dass Generationen weitergebende Traumatisierungen aufgearbeitet werden. Gleichzeitig ist man aber dem Leistungsdruck der Gesellschaft ausgeliefert. Doch auch mal arbeitslos zu sein und sich die Zeit zu nehmen, um herauszufinden, was man eigentlich wirklich möchte und wer man ist, finde ich extrem wichtig. Noch wichtiger als das „Schamgefühl“ jedenfalls materialistisch nichts zur Leistungsgesellschaft beizutragen.

Ich bin nämlich überzeugt, dass wenn man sich diese Zeit nimmt, daran reift. Dass man auch ohne diesen Austausch des Geldes gegen Arbeitskraft zur Gesellschaft beiträgt.

Und wenn man sich so Stars der Spiritualität wie Laura Malina Seiler anschaut, lässt sich dieser Beitrag sogar irgendwann finanziell messen. Das passiert aber sicher nicht, wenn man vorher nicht auch ohne Geld zu bekommen in „Vorleistung“ tritt und eine Menge innere Arbeit leistet, die wir alle nicht sehen können.

Deshalb: Du weißt nicht, woran der Mensch gerade „arbeitet“ und gleichzeitig vielleicht gesellschaftlich stigmatisiert „arbeitslos“ ist.

So Fragen wie: „Wie geht es dir (wirklich)? Bist du zufrieden mit deinem Leben? Was sind deine Wünsche/Träume?“ Finde ich deshalb viel spannender 🙂

Depression is your mind telling you it’s tired..

…of being the character you’re trying to play“ – Jim Carrey

Dieses Zitat trifft es meiner Meinung nach sehr gut. Ich bin müde davon, jemand zu sein, der ich in Wahrheit gar nicht bin.

Vor allem beruflich gesehen habe ich meinen Endpunkt (oder Wendepunkt?) erreicht. Es geht nicht mehr. Sich das einzugestehen ist hart. Es hat immer einen Anflug von Versagen, wenn man schon wieder zum Arzt gehen muss, um sich krankschreiben zu lassen. Insbesondere, da ich immer wieder auf Ärzte treffe, die nicht sehr empathisch mit psychischen Problemen umgehen. Dabei sind doch so viele körperliche Krankheiten auf psychischen Stress zurückzuführen.

Ich bin unfassbar müde – aber nicht so, dass ich schlafen gehen sollte, damit ich wieder Energie laden kann. Nein, körperlich und geistig ausgelaugt, energielos, zeitweise hoffnungslos und verletzt.

Den Charakter, den ich vor einem Monat angefangen habe zu spielen, war der der neuen motivierten, ideenreichen Kollegin, die sich in ein Team einbringt, welches chaotisch ist und sich gerade erst bildet. Es geht ganz grob um ein Projekt mit Kindern in einem Viertel, in dem besonders viele arme Familien leben und mit denen Aktivitäten gestartet werden sollen.

Im Grunde genommen ist das eine Aufgabe, in der ich Zeit brauche, um mich einzuarbeiten, Kooperationspartner rauszusuchen und Ideen zu sammeln, um Aktivitäten zu starten. Ich habe auch Ideen und ich wollte es auch wirklich – doch es ging nicht. Jeden Tag spürte ich, wie ich innerlich extrem gestresst nach Hause gekommen bin. Ich spürte, dass was nicht wirklich glatt läuft und ich hatte diesen inneren Drang, etwas verändern zu wollen. Doch das ist manchmal gar nicht möglich/ oder nötig. Nur mich macht es kaputt. Manchmal brach‘ die Anstrengung in Form von Tränen aus mir heraus. Doch ich wollte nicht aufgeben.

Ich weiß, woher dieser enorme Stressanstieg kommt und habe hier ja auch schon über das eine oder andere gesprochen. Pepes frustrierende Situation ist nur ein Faktor, der von außen draufdrückt. Von innen spüre ich diese Anspannung, „leisten zu müssen“ (obwohl ich ja erst neu war), sich „beweisen zu müssen“. Gepaart mit dem großen Freiraum, den ich dort hatte, führte das einfach zu einer Überforderung, weil ich einfach wieder viel zu viel von mir verlangte. Und da komme ich zu den inneren Stressfaktoren: Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, ließ mich nicht zur Ruhe kommen.

„Ich bin müde davon, jemanden zu spielen, der ich gar nicht bin.“ Auf Instagram und auch hier spreche ich sehr offen mit euch und bin da so, wie ich bin. Ich habe schon gedacht, dass es wie eine Art zweites Ich gibt, welches sich in der Berufswelt nicht zeigen darf. Und dieser innere Kampf macht mich einfach sooo müde. Es ist so, als würde man jeden Tag gegen etwas ankämpfen, was einem Energie raubt.

Ich möchte mir aber den Stempel der „Krankheit“ Depression nicht draufdrücken lassen. Ich bin nämlich immer noch der Meinung, dass diese Symptome eine „normale“ Reaktion auf krankmachende Umstände sind. Doch wenn das System so riesig groß ist, inkl. Leistungsgesellschaft und Traumatisierungen in der Schulzeit usw., dann ist das Wort „Depression“ doch letztendlich auch nur ein Wort, welches einem erlaubt, für eine gewisse Zeit auszusteigen, oder?

Doch wer bin ich denn dann wirklich? Ich denke, das ist genau die Frage, die mich ein ganzes Leben lang begleitet. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich auf den Weg zu machen. Ich hoffe, unsere Gesellschaft lässt dies irgendwann auch mehr zu und wir sind weniger in diesen (finanziellen) Zwängen gefangen.

Schreib‘ mir sehr gerne bei Instagram (_anvie_), unter meinem neuen Post oder privat 🙂

Ein Leben auf der Flucht

Manchmal fällt mir ein Titel eines Textes sehr schnell ein. Es ist wie eine Art Eingebung, weil es das ausdrückt, wie ich mich in den letzten Wochen gefühlt habe: Auf der Flucht.

Flucht im dreifachen Sinn:

  1. Pepe durchläuft hier in Deutschland als „Flüchtling“ den Asylprozess. (Ich mag‘ dieses Wort immer noch nicht). Da ich ihn liebe und ich gewisse Ungerechtigkeiten nicht verstehen konnte, habe ich natürlich mitgelitten und einen gewissen Hass gegenüber dem deutschen System entwickelt. Gefühllos, robotormäßig und kalt habe ich vor allem die Behörden empfunden. Das System funktioniert bis heute (wirtschaftlich gesehen) super, aber das Menschliche bleibt doch an vielen Stellen gehörig auf der Strecke. Und falls die Frage aufkommt: Wir sind leider immer noch nicht verheiratet, da seine Scheidung nicht anerkannt wurde. „Privat“ hätten sie sich scheiden lassen, was unmöglich ist und natürlich auch gerichtlich durchgesetzt wurde, aber nun gut. Wir bleiben dran.
  2. Fluchtartig haben wir unsere erste gemeinsame Wohnung (nach 2 Wochen bin ich schon bei ihm eingezogen) verlassen. Wir fühlten uns im Umfeld Hannover nicht wohl und es zog mich immer schon nach Köln. Wie ihr vielleicht gelesen habt, ist es dann zufälligerweise Stolberg bei Aachen geworden. Im Nachhinein haben wir die Wohnung sehr überstürzt verlassen (die Hälfte der Kleidung haben wir da gelassen) und für den Übergang eine (überteuerte) Ferienwohnung in Stolberg gemietet. Wie ihr merkt, waren das sehr impulsive Entscheidungen. Ich rede hier nicht von richtig oder falsch.
  3. Auch mental fühlte ich mich rastlos, wie auf der Flucht. Ihr konntet hier nachlesen, dass der Stress und der Druck sehr hoch waren und ich sogar sehr destruktive Gedankengänge hatte. Das lag daran, dass wir noch von der Ausländerbehörde abhängig waren, die es uns so schwer gemacht hat, dass wir zusammen wohnen (z.B. wurde das Geld eingestellt, weil er nicht in der Unterkunft wohnte). Kurzes Update dazu: Er war nur ein paar Tage in der Flüchtlingsunterkunft und ist dann direkt wieder zurückgekommen. Geändert hätte es nämlich nichts und es war wirklich für ihn in der Unterkunft nicht zumutbar. Wenn ich davon spreche, dass ich auch mental „wie auf der Flucht“ war, dann meine ich damit Rastlosigkeit, Unruhe, Unzufriedenheit und Orientierungslosigkeit. Und das in nahezu allen Belangen, ob privat oder beruflich.

Ich denke, dass ich langsam verstehe, dass dies daran liegen könnte, dass ich wieder sehr nach außen gerichtet war. Vielleicht habt ihr meine Geschichte der Depression nachgelesen. Ich habe in letzter Zeit meine Aggressionen nach außen gerichtet anstatt nach innen wie in der Depression, was in eine Leere umschlug. Das heißt, dass ich im deutschen System immer unzufriedener wurde, ich dies auch mitteilte (siehe Instagram) und ich unglaublich viel Energie dadurch verlor.

Ich dachte, dass es in anderen Ländern (insbesondere Spanien) bestimmt besser ist. Ich mag nämlich die Mentalität und die spanische Kultur. Jedoch habe ich sie bisher nur als Urlauberin kennen gelernt und in das spanische System einzutreten wird früher oder später sicher auch mit Unzufriedenheit einhergehen. Ich spreche hier von der schlechten ökonomischen Lage (ich müsste viel mehr unterrichten für viel weniger Geld, da bleibt vermutlich wenig Zeit zum Genießen), der Lebensstandard ist natürlich viel geringer (wir müssten uns eine Wohnung teilen, was mit Luki super problematisch werden könnte und Pepe auch nicht der Typ dafür ist). Auch der Umgang mit Migranten und die Überforderung diesbezüglich wird man in Spanien noch deutlicher spüren (z.B. Probleme mit Schwarzverkauf an den Stränden von afrikanischen Leuten, die gar keine Chance zur Integration haben). Schreibt mir doch gerne bei Instagram, wenn ihr persönlich Erfahrungen dort gemacht habt.

Pepe und ich waren an einem Punkt, an dem wir überall hingegangen wären, um diesen ganzen Frust in Deutschland hinter uns zu lassen. Ich bin aber froh, dass wir dieses mal eine Entscheidung mit „mehr Kopf“ treffen. Wie ihr vermutlich wisst, bin ich eine Verfechterin von Bauchentscheidungen. Doch manchmal möchte sich der Bauch mit allen Mitteln aus einer Lage befreien, was vermutlich langfristig keine gute Lösung darstellt.

Es sieht momentan bei uns finanziell deutlich besser aus, aber nicht gut genug, um die Zeit in Spanien wirklich genießen zu können, ohne sich kaputt zu arbeiten.

Das heißt ja nicht, dass wir immer in Deutschland bleiben, aber wir werden die nächsten Entscheidungen mit deutlich mehr Abwägungen treffen.

Was bleibt ist, dass ich mich immer noch auf der Suche danach mache, was ich beruflich machen möchte. Ich bin aber momentan ziemlich froh, dass ich nicht direkt das Handtuch bzgl. des Unterrichtens geworfen habe. Ich leite derzeit nur 2 – 3 mal in der Woche einen Kurs, doch das reicht mir erstmal. So habe ich mehr Zeit, mich darauf zu konzentrieren, etwas anderes auszuprobieren. Wenn ich jeden Tag aufgrund des Unterrichtens gestresst wäre, hätte ich dafür einfach keine Kraft mehr.

Ich möchte nicht mehr fliehen, vor dem System und vielleicht auch vor mir. Ich möchte mir (mit 25) vor allem auch mal mehr Zeit geben und mir sagen, dass es nicht schlimm ist, wenn ich jetzt noch nicht weiß, wohin meine Reise (v.a. beruflich führt). Dafür möchte ich privat mir mehr bewusst machen, was ich bereits alles jetzt schon habe. Und dass es etwas Besonderes ist, jemanden zu lieben und die Liebe auch jeden Tag zurückgespiegelt zu bekommen. Es ist etwas Besonderes, als das was man ist wahrgenommen zu werden. Wenn ich mich ständig darauf fokussieren würde, was ich noch nicht habe und dass ich nicht wirklich glücklich in meinem Job bin, würden diese Dinge verloren gehen. Ich wäre vermutlich die ganze Zeit auf der Flucht und auf der Suche nach etwas.

Ich denke, dass da der Schlüssel liegt, doch das dies ein Weg ist, den man aktiv gehen muss, weil einem das Gehirn doch so gerne alles Negative aufzählen möchte. Man verfällt viel schneller in die Abwärtsspirale des Stresses anstatt innezuhalten und sich bewusst zu machen, was man jetzt schon alles hat und was man alles schon geschafft hat. Vermutlich liegt da auch der Schlüssel der Dankbarkeit und Zufriedenheit. Dafür muss man in keine andere Stadt und in kein anderes Land ziehen, um dies herauszufinden. Ich kann euch sagen, ich fühle es noch nicht wirklich, aber ich möchte mich auf diesen Weg machen 🙂

Schreibt mit sehr gerne bei Instagram – klick hier – was ihr dazu denkt.

Asylprozess, Selbsthass und Inneres Kind

Ich melde mich auch nach langer Zeit wieder…

Es ist in letzter Zeit so unfassbar viel Druck entstanden, der kaum auszuhalten war. Ich habe an vielen Stellen gekämpft, wie ihr vielleicht auf Instagram gesehen habt. Ich habe versucht, irgendwie meine berufliche Orientierung zu finden. Habe mich innerlich und manchmal äußerlich gegen diverse Behörden aufgelehnt. Und dennoch fühlt sich mein Weg nicht richtig an. Ich kann schon seit längerem nicht wirklich klar sehen. Und ich weiß, wie es ist, wenn sich etwas richtig anfühlt. Insbesondere wenn es um einen „Crazy New Start“ geht, von dem ich gefühlt weit entfernt bin. Das lässt mich verzweifeln.

Ich versuche auf der einen Seite persönlich meinen Weg zu finden und grenze mich teilweise von meiner Familie ab, um dies zu tun. Doch nicht nur das ist verdammt schmerzhaft. Sondern auf der anderen Seite liebe ich meinen Freund, der kein Deutscher ist, aus dem Iran kommt und Asyl beantragt hat und deshalb unfassbare Nachteile erfährt. Man glaubt ihm nämlich nicht und versucht alles, um ihn aus diesem Land zu vertreiben. Noch schlimmer ist es geworden, seitdem wir gesagt haben, dass wir heiraten wollen. Es wird so hart wie möglich gemacht, ein Zusammenleben hier in Deutschland ist kaum möglich. Er hat nämlich eine Wohnsitzauflage und müsste sich eigentlich in einer Flüchtlingsunterkunft aufhalten. Viele verstehen glaube ich nicht wirklich, warum das ein Problem ist. Doch dass wir uns für eine gewisse Zeit (räumlich) trennen, ist für uns unvorstellbar. Doch Liebe wird von den Gesetzen nicht anerkannt und solange wir nicht auch gesetzlich verheiratet sind, lässt mich dies zutiefst verzweifeln. Es wird so schwer gemacht, da er aufgrund seiner Duldung keine Arbeitserlaubnis bekommt. Auch das Geld wurde eingestellt. Doch er würde das Geld ja auch gar nicht brauchen, wenn sie ihn nur arbeiten ließen. Er und ich möchten ja nicht mal Geld vom Staat. Warum dies verweigert wird, kann mein Kopf einfach nicht verstehen.

Ich wollte nicht allzusehr über Probleme mit der Ausländerbehörde sprechen, da ich befürchtet habe, dass ich ihm Nachteile bescheren könnte. Doch ich bin an einem Punkt, an dem es kaum noch schlechter geht.

Ich schreibe diese Zeilen um 6 Uhr morgens an einem Montag Morgen (05.08.2019). Pepe wollte den Zug Richtung Niedersachsen nehmen, um zur Flüchtlingsunterkunft zu gehen. Wir warten schon so so lange, dass sich etwas verändert und dies tut es einfach nicht. Daher gibt es keine andere Möglichkeit. Es fühlt sich für mich so unglaublich falsch und ungerecht an, dass er dahin fahren muss. Und ich weiß nicht, wie die auf ihn reagieren, wenn er da ist. Für mich sind die deutschen Behörden unfassbar kalt in der Regelbefolgung und die Ausländerbehörde symbolisiert etwas Menschenverachtendes für mich. Meine Gefühle. Meine Erfahrungen. Die raus wollen, weil ich es nicht aushalte.

Genau an diesem Montagmorgen schaue ich jedoch vorher auf unseren Kontostand, weil er ohne Geld da nicht hinreisen kann und es wird mir Minus angezeigt, weil fälschlicherweise zu viel Geld von der Versicherung für unser Auto abgebucht wurde. Es tauchen schon seit Tagen Schuldgefühle bei mir auf, die sich langsam und sicher in einen Selbsthass verwandeln. Lange habe ich versucht die Aggressionen nach außen zu geben und habe mehrere Videos aufgenommen, die meine Frustration deutlich machen. Doch ich konnte mich nicht davor bewahren, dass sich meinen Ärger irgendwann gegen mich richtete. Es entwickelte sich Stück für Stück ein gewisser Selbsthass, der wieder auftauchte, als ich auf den Kontostand schaute. Es fühlte sich alles an, als wäre es mein Fehler.

An den Tagen zuvor bin ich schon zwei mal richtig zusammengebrochen, dies machte sich bemerkbar dadurch, dass ich nicht aufhören konnte zu weinen und die Verzweiflung aus mir herausbrach. Immer und immer wiederholte ich in meinem Kopf: „Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr.“ Mir war auch da bewusst, dass sich solche negativen Gedanken alles verschlimmern und die Gefühle noch negativer werden. Doch ich konnte es nicht mehr aufhalten und wollte es auch nicht.

Bis zu diesem Morgen, als ich wieder anfing zu weinen, weil (gefühlt) etwas wieder nicht funktionierte und Pepe nicht den Zug nehmen konnte. Verzweifelt dachte ich: Ich kann nicht noch einen Tag abwarten! Ich kann nicht mehr warten, bis sich etwas ändert. Doch was soll ich nur tun?!

An diesem Morgen lag ich dann weinend im Bett, starrte an die Decke und etwas tat sich in meinem Inneren. Ich fing an, für mich selbst die Person zu sein, die ich so sehr brauchte. Die mich in den Arm nahm. Dies tat ich, auf mentaler Art und Weise. Ich fing an, mich zu beruhigen und es fühlte sich so an, als würde ich einen Kontakt zu meinem Inneren Kind aufnehmen. Klingt esoterisch? Ist mir egal. Denn ich war in den letzten Tagen so traurig darüber, dass ich nicht wusste, an wen ich mich wenden könnte, der mich einfach wie ein Kind in den Arm nahm. Ich tat es für mich selbst und sprach innerlich zu mir: „Du hast nichts falsch gemacht. Es hat alles einen Grund, dass Pepe den Zug jetzt nicht nehmen konnte. Vertrau mir, dass du später alles verstehen wirst, was dir jetzt gerade passiert. Das,was du bis jetzt alles geschafft hast, ist unglaublich. Ich bin unfassbar stolz auf dich.“

Es tut tatsächlich so gut, wenn man die Person nicht mehr im Außen sucht, die für einen da ist, sondern wenn man es selbst ist. Und währenddessen hat Pepe auch schon eine andere Lösung gefunden und wird noch am selben Tag mit einer Mitfahrgelegenheit dorthin fahren.

…Fortsetzung folgt…