Ein Leben auf der Flucht

Manchmal fällt mir ein Titel eines Textes sehr schnell ein. Es ist wie eine Art Eingebung, weil es das ausdrückt, wie ich mich in den letzten Wochen gefühlt habe: Auf der Flucht.

Flucht im dreifachen Sinn:

  1. Pepe durchläuft hier in Deutschland als „Flüchtling“ den Asylprozess. (Ich mag‘ dieses Wort immer noch nicht). Da ich ihn liebe und ich gewisse Ungerechtigkeiten nicht verstehen konnte, habe ich natürlich mitgelitten und einen gewissen Hass gegenüber dem deutschen System entwickelt. Gefühllos, robotormäßig und kalt habe ich vor allem die Behörden empfunden. Das System funktioniert bis heute (wirtschaftlich gesehen) super, aber das Menschliche bleibt doch an vielen Stellen gehörig auf der Strecke. Und falls die Frage aufkommt: Wir sind leider immer noch nicht verheiratet, da seine Scheidung nicht anerkannt wurde. „Privat“ hätten sie sich scheiden lassen, was unmöglich ist und natürlich auch gerichtlich durchgesetzt wurde, aber nun gut. Wir bleiben dran.
  2. Fluchtartig haben wir unsere erste gemeinsame Wohnung (nach 2 Wochen bin ich schon bei ihm eingezogen) verlassen. Wir fühlten uns im Umfeld Hannover nicht wohl und es zog mich immer schon nach Köln. Wie ihr vielleicht gelesen habt, ist es dann zufälligerweise Stolberg bei Aachen geworden. Im Nachhinein haben wir die Wohnung sehr überstürzt verlassen (die Hälfte der Kleidung haben wir da gelassen) und für den Übergang eine (überteuerte) Ferienwohnung in Stolberg gemietet. Wie ihr merkt, waren das sehr impulsive Entscheidungen. Ich rede hier nicht von richtig oder falsch.
  3. Auch mental fühlte ich mich rastlos, wie auf der Flucht. Ihr konntet hier nachlesen, dass der Stress und der Druck sehr hoch waren und ich sogar sehr destruktive Gedankengänge hatte. Das lag daran, dass wir noch von der Ausländerbehörde abhängig waren, die es uns so schwer gemacht hat, dass wir zusammen wohnen (z.B. wurde das Geld eingestellt, weil er nicht in der Unterkunft wohnte). Kurzes Update dazu: Er war nur ein paar Tage in der Flüchtlingsunterkunft und ist dann direkt wieder zurückgekommen. Geändert hätte es nämlich nichts und es war wirklich für ihn in der Unterkunft nicht zumutbar. Wenn ich davon spreche, dass ich auch mental „wie auf der Flucht“ war, dann meine ich damit Rastlosigkeit, Unruhe, Unzufriedenheit und Orientierungslosigkeit. Und das in nahezu allen Belangen, ob privat oder beruflich.

Ich denke, dass ich langsam verstehe, dass dies daran liegen könnte, dass ich wieder sehr nach außen gerichtet war. Vielleicht habt ihr meine Geschichte der Depression nachgelesen. Ich habe in letzter Zeit meine Aggressionen nach außen gerichtet anstatt nach innen wie in der Depression, was in eine Leere umschlug. Das heißt, dass ich im deutschen System immer unzufriedener wurde, ich dies auch mitteilte (siehe Instagram) und ich unglaublich viel Energie dadurch verlor.

Ich dachte, dass es in anderen Ländern (insbesondere Spanien) bestimmt besser ist. Ich mag nämlich die Mentalität und die spanische Kultur. Jedoch habe ich sie bisher nur als Urlauberin kennen gelernt und in das spanische System einzutreten wird früher oder später sicher auch mit Unzufriedenheit einhergehen. Ich spreche hier von der schlechten ökonomischen Lage (ich müsste viel mehr unterrichten für viel weniger Geld, da bleibt vermutlich wenig Zeit zum Genießen), der Lebensstandard ist natürlich viel geringer (wir müssten uns eine Wohnung teilen, was mit Luki super problematisch werden könnte und Pepe auch nicht der Typ dafür ist). Auch der Umgang mit Migranten und die Überforderung diesbezüglich wird man in Spanien noch deutlicher spüren (z.B. Probleme mit Schwarzverkauf an den Stränden von afrikanischen Leuten, die gar keine Chance zur Integration haben). Schreibt mir doch gerne bei Instagram, wenn ihr persönlich Erfahrungen dort gemacht habt.

Pepe und ich waren an einem Punkt, an dem wir überall hingegangen wären, um diesen ganzen Frust in Deutschland hinter uns zu lassen. Ich bin aber froh, dass wir dieses mal eine Entscheidung mit „mehr Kopf“ treffen. Wie ihr vermutlich wisst, bin ich eine Verfechterin von Bauchentscheidungen. Doch manchmal möchte sich der Bauch mit allen Mitteln aus einer Lage befreien, was vermutlich langfristig keine gute Lösung darstellt.

Es sieht momentan bei uns finanziell deutlich besser aus, aber nicht gut genug, um die Zeit in Spanien wirklich genießen zu können, ohne sich kaputt zu arbeiten.

Das heißt ja nicht, dass wir immer in Deutschland bleiben, aber wir werden die nächsten Entscheidungen mit deutlich mehr Abwägungen treffen.

Was bleibt ist, dass ich mich immer noch auf der Suche danach mache, was ich beruflich machen möchte. Ich bin aber momentan ziemlich froh, dass ich nicht direkt das Handtuch bzgl. des Unterrichtens geworfen habe. Ich leite derzeit nur 2 – 3 mal in der Woche einen Kurs, doch das reicht mir erstmal. So habe ich mehr Zeit, mich darauf zu konzentrieren, etwas anderes auszuprobieren. Wenn ich jeden Tag aufgrund des Unterrichtens gestresst wäre, hätte ich dafür einfach keine Kraft mehr.

Ich möchte nicht mehr fliehen, vor dem System und vielleicht auch vor mir. Ich möchte mir (mit 25) vor allem auch mal mehr Zeit geben und mir sagen, dass es nicht schlimm ist, wenn ich jetzt noch nicht weiß, wohin meine Reise (v.a. beruflich führt). Dafür möchte ich privat mir mehr bewusst machen, was ich bereits alles jetzt schon habe. Und dass es etwas Besonderes ist, jemanden zu lieben und die Liebe auch jeden Tag zurückgespiegelt zu bekommen. Es ist etwas Besonderes, als das was man ist wahrgenommen zu werden. Wenn ich mich ständig darauf fokussieren würde, was ich noch nicht habe und dass ich nicht wirklich glücklich in meinem Job bin, würden diese Dinge verloren gehen. Ich wäre vermutlich die ganze Zeit auf der Flucht und auf der Suche nach etwas.

Ich denke, dass da der Schlüssel liegt, doch das dies ein Weg ist, den man aktiv gehen muss, weil einem das Gehirn doch so gerne alles Negative aufzählen möchte. Man verfällt viel schneller in die Abwärtsspirale des Stresses anstatt innezuhalten und sich bewusst zu machen, was man jetzt schon alles hat und was man alles schon geschafft hat. Vermutlich liegt da auch der Schlüssel der Dankbarkeit und Zufriedenheit. Dafür muss man in keine andere Stadt und in kein anderes Land ziehen, um dies herauszufinden. Ich kann euch sagen, ich fühle es noch nicht wirklich, aber ich möchte mich auf diesen Weg machen 🙂

Schreibt mit sehr gerne bei Instagram – klick hier – was ihr dazu denkt.

Asylprozess, Selbsthass und Inneres Kind

Ich melde mich auch nach langer Zeit wieder…

Es ist in letzter Zeit so unfassbar viel Druck entstanden, der kaum auszuhalten war. Ich habe an vielen Stellen gekämpft, wie ihr vielleicht auf Instagram gesehen habt. Ich habe versucht, irgendwie meine berufliche Orientierung zu finden. Habe mich innerlich und manchmal äußerlich gegen diverse Behörden aufgelehnt. Und dennoch fühlt sich mein Weg nicht richtig an. Ich kann schon seit längerem nicht wirklich klar sehen. Und ich weiß, wie es ist, wenn sich etwas richtig anfühlt. Insbesondere wenn es um einen „Crazy New Start“ geht, von dem ich gefühlt weit entfernt bin. Das lässt mich verzweifeln.

Ich versuche auf der einen Seite persönlich meinen Weg zu finden und grenze mich teilweise von meiner Familie ab, um dies zu tun. Doch nicht nur das ist verdammt schmerzhaft. Sondern auf der anderen Seite liebe ich meinen Freund, der kein Deutscher ist, aus dem Iran kommt und Asyl beantragt hat und deshalb unfassbare Nachteile erfährt. Man glaubt ihm nämlich nicht und versucht alles, um ihn aus diesem Land zu vertreiben. Noch schlimmer ist es geworden, seitdem wir gesagt haben, dass wir heiraten wollen. Es wird so hart wie möglich gemacht, ein Zusammenleben hier in Deutschland ist kaum möglich. Er hat nämlich eine Wohnsitzauflage und müsste sich eigentlich in einer Flüchtlingsunterkunft aufhalten. Viele verstehen glaube ich nicht wirklich, warum das ein Problem ist. Doch dass wir uns für eine gewisse Zeit (räumlich) trennen, ist für uns unvorstellbar. Doch Liebe wird von den Gesetzen nicht anerkannt und solange wir nicht auch gesetzlich verheiratet sind, lässt mich dies zutiefst verzweifeln. Es wird so schwer gemacht, da er aufgrund seiner Duldung keine Arbeitserlaubnis bekommt. Auch das Geld wurde eingestellt. Doch er würde das Geld ja auch gar nicht brauchen, wenn sie ihn nur arbeiten ließen. Er und ich möchten ja nicht mal Geld vom Staat. Warum dies verweigert wird, kann mein Kopf einfach nicht verstehen.

Ich wollte nicht allzusehr über Probleme mit der Ausländerbehörde sprechen, da ich befürchtet habe, dass ich ihm Nachteile bescheren könnte. Doch ich bin an einem Punkt, an dem es kaum noch schlechter geht.

Ich schreibe diese Zeilen um 6 Uhr morgens an einem Montag Morgen (05.08.2019). Pepe wollte den Zug Richtung Niedersachsen nehmen, um zur Flüchtlingsunterkunft zu gehen. Wir warten schon so so lange, dass sich etwas verändert und dies tut es einfach nicht. Daher gibt es keine andere Möglichkeit. Es fühlt sich für mich so unglaublich falsch und ungerecht an, dass er dahin fahren muss. Und ich weiß nicht, wie die auf ihn reagieren, wenn er da ist. Für mich sind die deutschen Behörden unfassbar kalt in der Regelbefolgung und die Ausländerbehörde symbolisiert etwas Menschenverachtendes für mich. Meine Gefühle. Meine Erfahrungen. Die raus wollen, weil ich es nicht aushalte.

Genau an diesem Montagmorgen schaue ich jedoch vorher auf unseren Kontostand, weil er ohne Geld da nicht hinreisen kann und es wird mir Minus angezeigt, weil fälschlicherweise zu viel Geld von der Versicherung für unser Auto abgebucht wurde. Es tauchen schon seit Tagen Schuldgefühle bei mir auf, die sich langsam und sicher in einen Selbsthass verwandeln. Lange habe ich versucht die Aggressionen nach außen zu geben und habe mehrere Videos aufgenommen, die meine Frustration deutlich machen. Doch ich konnte mich nicht davor bewahren, dass sich meinen Ärger irgendwann gegen mich richtete. Es entwickelte sich Stück für Stück ein gewisser Selbsthass, der wieder auftauchte, als ich auf den Kontostand schaute. Es fühlte sich alles an, als wäre es mein Fehler.

An den Tagen zuvor bin ich schon zwei mal richtig zusammengebrochen, dies machte sich bemerkbar dadurch, dass ich nicht aufhören konnte zu weinen und die Verzweiflung aus mir herausbrach. Immer und immer wiederholte ich in meinem Kopf: „Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr.“ Mir war auch da bewusst, dass sich solche negativen Gedanken alles verschlimmern und die Gefühle noch negativer werden. Doch ich konnte es nicht mehr aufhalten und wollte es auch nicht.

Bis zu diesem Morgen, als ich wieder anfing zu weinen, weil (gefühlt) etwas wieder nicht funktionierte und Pepe nicht den Zug nehmen konnte. Verzweifelt dachte ich: Ich kann nicht noch einen Tag abwarten! Ich kann nicht mehr warten, bis sich etwas ändert. Doch was soll ich nur tun?!

An diesem Morgen lag ich dann weinend im Bett, starrte an die Decke und etwas tat sich in meinem Inneren. Ich fing an, für mich selbst die Person zu sein, die ich so sehr brauchte. Die mich in den Arm nahm. Dies tat ich, auf mentaler Art und Weise. Ich fing an, mich zu beruhigen und es fühlte sich so an, als würde ich einen Kontakt zu meinem Inneren Kind aufnehmen. Klingt esoterisch? Ist mir egal. Denn ich war in den letzten Tagen so traurig darüber, dass ich nicht wusste, an wen ich mich wenden könnte, der mich einfach wie ein Kind in den Arm nahm. Ich tat es für mich selbst und sprach innerlich zu mir: „Du hast nichts falsch gemacht. Es hat alles einen Grund, dass Pepe den Zug jetzt nicht nehmen konnte. Vertrau mir, dass du später alles verstehen wirst, was dir jetzt gerade passiert. Das,was du bis jetzt alles geschafft hast, ist unglaublich. Ich bin unfassbar stolz auf dich.“

Es tut tatsächlich so gut, wenn man die Person nicht mehr im Außen sucht, die für einen da ist, sondern wenn man es selbst ist. Und währenddessen hat Pepe auch schon eine andere Lösung gefunden und wird noch am selben Tag mit einer Mitfahrgelegenheit dorthin fahren.

…Fortsetzung folgt…

Network Marketing: Mehr Schein als Sein

In einem früheren Post (klick hier) habe ich etwas über meine Berufserfahrungen gesprochen und da habe ich schon etwas zum Thema „Network Marketing“ gesagt. Ich spreche hier über meine Erfahrungen mit einem Network Marketing Unternehmen in der Gesundheits,- Fitness,- und Ernährungsbranche.

Ich war auch gefesselt von diesem „Businesskonzept“ und ich erkläre euch kurz, warum ich dem Ganzen auch kurz verfallen war.

Es hat mich eine Frau auf Instagram mit einem Standardtext angesprochen, ob ich Teil ihres Teams sein möchte. Ich frage mich heute, warum ich darauf angesprungen bin. Aber sie hat mich zu einem guten Zeitpunkt erreicht, an dem ich beruflich sowieso etwas Neues ausprobieren wollte, daher war ich offen, inbesondere für solche neuen Wege. Erst war ich skeptisch, als ich die Nachricht gelesen habe, doch später siegte meine Neugier und ich habe mich mit ihr „vernetzt“. Folgende Nachricht schrieb sie mir:

„Hey 🙂 Wir kennen uns glaub ich noch nicht, aber finde dein Profil echt mega schön und deshalb dachte ich , ich frage dich einfach mal direkt zu meinem neuen Projekt: Wir sind gerade dabei ein massives Team aufzubauen und nutzen ein Online Gesundheits,- und Ernährungskonzept, womit wir anderen Leuten helfen, deren körperlichen Ziele zu erreichen. Kling das grundsätzlich interessant für dich?“

solche Nachrichten werden systematisch verschickt

Danach hat sie mir zwei Videos geschickt, in denen erklärt werden, welche Produkte verkauft werden. Es handele sich also um ein Online Coaching Konzept, in das Produkte eingebaut werden. Über die Provision würden man vergütet werden. Schnell wurden dann auch schon Handynummern ausgetauscht und wir trafen uns das erste mal via Video-Anruf. Visuell traf ich dann diese Frau und eine andere in meinem Alter, die mir voller Motivation erklärten, wie das Konzept genauer aussieht. Und ich muss sagen, dass ich zu dem Zeitpunkt bereit war, etwas Neues auszuprobieren und ich war sehr offen, insbesondere für diese Energie und Lebensfreude, die die beide ausstrahlten. Ich verstand mich auf Anhieb super mit den beiden und wir lachten und waren auf einer Wellenlänge. Genau auf dieser Ebene erreichen sie auch neue Leute: Es geht darum, dass man sich wohl fühlt und das Gefühl hat, nicht nur Geld auf einem anderen Weg zu verdienen, sondern dass man auch neue Freunde dazubekommt. Langsam entsteht so eine ganz große Community. Wenn ich neue Mitglieder anwerbe, bekomme ich Provision von dem, was der „unter mir“ verkauft. So funktioniert Network Marketing ganz schnell erklärt.

Per „Zoom-Call“ (so heißt der Videoanruf- Kanal, auf dem sich mehrere hundert Leute gleichzeitig sehen können) trifft man sich dann und es wird ausgetauscht, wie weit man ist. Gleichzeitig besteht eine Whatsapp- Gruppe, in der die Leute gefeiert werden, wenn sie Produkte verkauft haben.

So sieht ein „Zoomcall“ aus

Ich möchte jetzt gar nicht so sehr auf das Konzept eingehen und auch nicht auf die Vergütung. Doch wenn man sich mit Network Marketing beschäftigt ist eine große Kritik, dass nur wenige Leute großes Geld damit machen und alle anderen einem Ziel nacheifern und durch Emotionen am Ball gehalten werden.

Ich teile hier auf meinem Blog meine eigenen persönlichen Erfahrungen. Es kann gut sein, dass man auch ganz andere Erfahrungen mit Network Marketing macht. Jedenfalls war ich auch auf einer „Convention“, eine große Party, bei der verschiedene Leute auf die Bühne gehen und von ihren Erfolgsgeschichten mit den Produkten berichten. Dabei geht es in erster Linie darum, Emotionen zu übertragen. So zieht man Leute an. Und auch mich. Denn dann stand dort auch eine 60 Jährige Omi, die davon berichtete, dass sie aufgrund des Business jetzt ihren Mann nochmal am Strand heiraten will. Und es war wirklich sehr sehr berührend und auch der Grund, warum ich das so spannend fand.

Hier auf dem „roten Teppich“ auf der Convention in Pforzheim

Aufgeladen mit diesen Emotionen des Tatendrangs, ging jeder wieder nach Hause und postete fleißig weiter. Jeden Morgen einen Shake (Vanille, Schoko) gemixt mit Früchten. Später dann noch einen gesunden Energydrink und zwischendurch 30 Obst, Gemüse, Beeren-Kapsel, vollreif geerntet ohne Zucker. Wenn man das Sättigungsgefühl aufschieben möchte, biete sich der „Booster“ an, in dem Pulver ist Glucomannan enthalten, das sich im Magen ausbreitet und so ein Völlegefühl verursacht.

So sah mein Posting aus…

An dieser Stelle möchte ich nicht in Frage stellen, wie gesund die Produkte wirklich sind, da ich dies nicht einschätzen kann. Es geht mir jedoch darum, dass ich die Entwicklung so unglaublich krass finde, die in den sozialen Medien stattfindet. Nicht nur in diesem Network Marketing Bereich. Sondern allgemein diese Selbstdarstellung, die wenig mit der Realität gemeinsam hat, finde ich unglaublich. Auf diesem Weg jetzt Geld zu verdienen, finde ich persönlich fraglich. Ich war selbst auch ein Teil davon, deshalb beschäftigt mich das auch heute noch. Natürlich ist es anziehend, insbesondere so viele Freiheiten zu haben. Aber wenn ich mir die Roboter-ähnlichen Sätze der Leute in Instagram in ihren Stories anhöre, die sich immer wiederholen, dann finde ich das schon befremdlich.

Was ich so krass finde, ist natürlich auf der einen Seite, dass die Leute, die die Produkte verkaufen, diese auch ständig zu sich nehmen, um anderen dies vorzuleben und interessant zu machen (um es so zu verkaufen). Ich finde jedoch die Vermarktung teilweise verstörend. Hier spreche ich beispielhaft von einer jungen Frau, die ich schon länger auf Instagram beobachte und die fast ganz oben an der Spitze in diesem Network Marketing ist. Sie postet jeden Tag natürlich die Produkte aber auch ihren ganzen Lifestyle: Man sieht, wie sie jeden Tag u.a. ihre Gesäßmuskeln trainiert. Präsentiert ihren Bauch, wie er immer flacher wird und animiert dazu, immer dran zu bleiben. Sie redet schnell und eindringlich (habe sie auch auf der Convention gesehen), dass man ins TUN kommen muss. „POWERFRAU“ wird sie von anderen genannt und nennt sich selbst auch so. Sie liefert den Kundinnen, die ihre Produkte kaufen gleichzeitig eine Art Ratgeber für ihre Persönlichkeitsentwicklung in Richtung Selbstliebe à la „Mach‘ dein Ding!“ und „Scheiß‘ drauf, was die anderen sagen!“

Viele Punkte sind ja richtig, doch was hinter dieser ganzen Selbstverwirklichung und Selbstfindung steckt, ist doch letztendlich auch nur Kapitalismus. Grundlegende Lebensweisen, die sich mit Yoga und Meditation beschäftigen, sind ursprünglich das Gegenteil von der Idee der Leistungsgesellschaft und des Geldes.

Es gibt keine konkrete Produktplatzierung, da man so subtiler Leute erreicht, in dem man ihnen vorlebt, wie toll, ausgewogen und glücklich das eigene Leben ist. Jeder ist doch schließlich auf der Suche nach der eigenen Verwirklichung und ich finde, dass Unternehmen, die speziell nur Network Marketing nutzen, dies wissen und enorm erfolgreich anwenden. Leute kaufen diese Produkte nämlich aus einem ganzen Lifestyle heraus, weil sie Teil einer Community werden wollen, weil sie nicht mehr zu ihrem langweiligen Bürojob wollen. Sie wollen zeitliche Freiheit und selbst entscheiden, wann sie Urlaub machen und wann sie arbeiten. An aller erster Stelle steht die finanzielle Freiheit: Unglaublich, wie erfolgreiche Network Marketing Typen mit dicken Autos auf Instagram protzen und am Strand liegend mit ihrem Handy arbeiten.

Das ist doch ein Traum so vieler Menschen oder? Doch meine Frage ist, ob die Menschen sich nicht auch verkaufen? Na klar – man läuft dem Ziel der Unabhängigkeit entgegen, doch die Bosse in den Unternehmen verdienen doch das meiste Geld oder?

Weil das Unternehmen nämlich diese Menschen nutzt, die gegenseitig Netzwerke aufbauen. Ich kann verstehen, dass Geld sehr wichtig ist, da man sich damit seine eigene Freiheit erkaufen kann. Doch ein Blogpost wie „Ich bin grenzenlos“ klingt schon sehr stark nach einer enormen Erhöhung.

Im Grunde genommen sind wir ja alle auf der Suche danach, was uns erfüllt. Ich denke, dass sich die Welt so stark wandelt momentan, dass wir gar nicht mehr wissen, was mit uns eigentlich passiert. Und genau da kommen für mich solche Unternehmen ins Spiel, die dies ausnutzen und Menschen genau dort „abholen“ und alles das bieten, was wir uns wünschen.

Doch ich finde es ganz gut, wenn wir anfangen, so bestimmte Dinge zu hinterfragen und dass Likes und Followerzahlen letztendlich auch nichts über einen Menschen aussagen.

Diagnosen: Hilfe zur Heilung oder Hindernis?

Die mir (_anvie_) schon etwas länger auf Instagram folgen, wissen, dass ich die Vergabe von Diagnosen bei psychischen Erkrankungen sehr kritisch sehe.

Wenn ich mich zurückerinnere hat mir am Anfang die Diagnose „Depression“ von meiner Vertrauensdozentin in der Uni geholfen und auch etwas Erleichterung verschafft. Denn meine Probleme hatten einen Namen und noch besser: Diese große innere Qual war zu behandeln und ein ganz neues Leben war vorstellbar. Für mich weit, weit weg. Doch laut meiner Vertrauensdozentin machbar.

Doch als ich danach hörte, wie lang der Weg sein würde, wie viele Therapiestunden ich aufbringen müsste und wie schwierig es sein würde, einen Therapeuten zu finden, wurde meine Erleichterung natürlich stark gedämpft. Ich ging heimlich und mit Schamgefühl zu einer ersten Therapeutin, die in der Psychiatrie Sprechstunden anbot. Ich habe mich nicht getraut, mit meiner Mitbewohnerin darüber zu sprechen, habe versucht, zu verheimlichen, was mich innerlich zerriss. Schnell haftete ein riesig großes Wort an mir, was anfing, mich zu definieren. DEPRESSION. Ich habe unter „meine Geschichte“ schon die verschiedenen Etappen meiner Therapien beschrieben und komme zu dem Schluss: Die Diagnose ist eine Beschreibung ärztlicherseits, die mir bescheinigt, dass ich ein Grund habe, so zu fühlen, wie ich mich fühle. Mehr noch: dass es so viele Gründe gibt, die dringend aufgearbeitet werden müssen. Und dass ich das Recht habe, mich deshalb krankschreiben zu lassen.

Für mich ist eine „Depression“ keine Erkrankung, die mich überfallen hat. Nein, für mich gibt es riesige Unterschiede zwischen einem Virus und einer Depression. Die Diagnose ordnet mich ein als etwas Krankhaftes, etwas, was mich von der Gesellschaft ausschließt. Weil ich damit nicht funktioniere und erst recht nicht arbeiten kann. Doch die Diagnose der Depression beschreibt nur, sie erklärt nichts. Sie erklärt nicht, wie tief die Traurigkeit sitzt und wie sehr ich gegen mich selbst gearbeitet habe, sodass mein Gehirn dann gesagt hat: „Nein Anne! Stop! Ich mach‘ so nicht weiter. Wenn du nicht auf die Reaktionen meines Körpers hörst, dann greife ich zu radikalen Schritten! Dann schalte ich mich aus und leiste rein gar nichts mehr.“

Warum ich Diagnosen jetzt als so gefährlich ansehe? Weil ich sehe, wie schnell wir uns mit ihnen identifizieren. Dann sind wir depressiv, manisch oder dann haben wir ADHS. Dann kämpfen wir auch noch darum, dass man dies doch bitte akzeptieren solle. Doch wir gelangen dadurch nicht an den Kern des Problems.

Gefährlich wird es dann, wenn falsche Diagnosen verteilt werden, mit denen man sich fälschlicherweise identifiziert. Dies passiert, weil nur an der Oberfläche gekratzt wurde. Bei mir stand die Diagnose „hypomanisch“ im Raum: das ist eine Unterstufe der Manie. Und warum? Weil ich zwischen zwei depressiven Phasen glücklich war, Energie hatte und mich einfach in meinem Leben endlich wohlfühlte, weil ich das tat, was ich wollte.

Gefährlich ist es dann, weil ich mich selbst in Frage stelle: Wie und was bin ich denn jetzt? War ich zu der Zeit falsch? Habe ich zu viel gemacht, war ich krankhaft? Erst jetzt viel später kann ich sagen, dass ich einfach glücklich war . Und weil die Energie nur so übersprudelte, habe ich halt zu viel gemacht und war zwangsläufig erschöpft danach.

Doch immer, wenn ich später glücklich war und tat, was ich wollte, sendete mir mein Gehirn Warnsignale: „Oh, oh, Anne pass‘ auf!“ Dies hinderte mich somit daran, mich wirklich frei entfalten zu können, da ich immer dachte, dass ich mich stoppen müsste. Es hat sehr sehr lange gedauert, mir selbst zu sagen, dass ich genau richtig bin und das ich jedes Recht habe, mich jetzt so glücklich und kraftvoll zu fühlen, wie ich mich fühle.

Lange wurde das Bild noch von meinen Familienangehörigen aufrechterhalten, nämlich dass diese Anne krankhaft sein könnte. Weil ich in meiner Familie nämlich nie meine Meinung sagte und nie impulsiv und energiegeladen reagierte. Es war eine vielleicht unterbewusste Ablehnung der „wahren Anne“: Weil sie diese nicht kannten. Doch genau diese befindet sich auf dem Weg der Selbstliebe.

Wenn das Bild des Krankhaften so stark von außen aufrechterhalten wird, von engsten Freunden und der Familie auf der einen und der diagnostischen Seite der Ärzte auf der anderen Seite: Dann ist es verdammt schwierig, sich aus diesen Fängen zu beschreiben.

Für mich helfen Diagnosen wie gesagt, weil es mir eine Berechtigung erteilte, mich um mich selbst zu kümmern und nicht zur Arbeit zu gehen. Doch die wirklichen inneren Konflikte, die zu solch einer Diagnose führten, musste ich tatsächlich ganz alleine lösen. Denn alle Psychologen kratzen an der Oberfläche (z.B. mittels Verhaltenstherapie), was natürlich nicht unnütz ist.

Jedoch kaum jemand dringt zum wahren Kern vor: Was ist, wenn ich die als depressiv diagnostizierte Person nicht als krankhaft und „defekt im System“ ansehe. Sondern mir ganz genau die Umstände anschaue, in der diese Person ist. Nicht nur die, in der sie heute ist, sondern auch die Umstände während der Kindheit? Durfte die Person ihre Gefühle ausleben? Wie sieht die Beziehung zur Mutter aus? Gibt es da vielleicht Traumatisierungen in der Familiengeschichte, die nie aufgearbeitet wurden?

Wie würde es aussehen, wenn wir die „Depression“ von einer anderen Seite betrachten würden: Wenn wir von einem falschen, also krankhaft leistungsorientierten und normopathischen (Hallo Hans-Joachim-Maaz) System ausgehen. Wenn die Person nicht als „fehlerhaft“ angesehen wird, sondern das komplette System, was diese Person mit ihrem Freiheits,- und Glückstreben unterdrückt und begräbt?

Ich bin sehr auf Instagram aktiv und schaue mir sehr viele Profile an, die sich mit der Aufarbeitung ihrer mentalen Gesundheit beschäftigen. „Mentalhealth“, „nostigma“ sind da gängige „Hashtags“. Oft springt mir da deren Selbsthass entgegen und ich denke: Wie konnte es so weit kommen, dass wir uns selbst in diesem krankhaften System anfangen zu hassen, anstatt diese Aggressionen nach außen zu errichten? Wie konnte es so weit kommen, dass wir alle verstummen und so viele Dinge mit uns machen lassen, anstatt für uns selbst einzutreten und zu uns zu stehen.

Wir sind niemandem etwas schuldig, nur uns selbst. Wir müssen uns nicht mit Leuten abgeben, die uns nicht gut tun. Selbst, wenn dies immer nahestehende Personen waren. Wenn wir anfangen uns selbst zu lieben, brauchen wir keine Diagnose mehr, hinter der wir uns verstecken, weil sie uns in dem bestätigt, dass etwas falsch läuft.

Wenn du auch eine Diagnose einer psychischen Erkrankung bekommen hast: Dann kann ich dir nur sagen, dass dies nicht mehr als ein Ticket ist für eine Reise zu dir selbst, die sich auf jeden Fall lohnt! Die du aber nur innerlich antreten kannst, wenn du es wirklich willst.

Zwischen Unterricht, Bäckerei und Social Media

Arbeitswelt – Ein Update

Ich habe im letzten Post ja schon geschrieben, dass ich mich wieder in die Arbeitswelt „integrieren“ möchte. Dies liegt nicht daran, dass ich nicht weiß, was ich sonst mit meiner Zeit anfangen soll. Ideen habe ich genug. Der einzige Grund, der mir jetzt einen Sinn in meiner Arbeit verleiht ist tatsächlich: Geld! Und dass ich weiß, was ich mit meinem Verlobten damit anfangen möchte. Früher wusste ich einfach nicht, was ich mir Schönes gönnen möchte und habe deshalb so gar keinen Sinn in meiner Arbeit gesehen. Nicht für das Geld und es machte keinen Spaß – also pure Sinnlosigkeit und Gründe für die Depression.

Doch wenn ich Geld jetzt nicht so unbedingt brauchen würde, hätte ich viel mehr Zeit für kreative Ideen und könnte mich ganz dem Schreiben/ der Kunst/ der Musik und des Lesens widmen. Deshalb finde ich die Idee des Grundeinkommens so spannend. Überlegt euch mal: Was könntet ihr alles tun, wenn ihr finanziell abgesichert seid? Wenn ihr nicht dazu gezwungen wärt, einer Arbeit nachzugehen, die nicht eurer inneren Bestrebung entspricht. Wenn wir anfangen würden, uns mehr zu lieben, bzw. darauf zu achten, was wir wirklich wollen, würde glaube ich niemand diese ausbeuterischen Jobs machen. Und das ist ja keinesfalls vom System gewünscht. Die unterbezahlte Arbeit in den Pflegeberufen ist ein Beispiel. Aber ich merke auch in der Gastronomie und jetzt in der Bäckerei, wie gestresst die Leute sind. Ich glaube, wenn ich jeden Tag so gestresst wäre, würde ich so stark gegen mein inneres Ich arbeiten, dass ich diese Arbeit niemals so jahrelang ausführen könnte, wie viele Leute, die ich bis jetzt in diesen Jobs kennen gelernt habe.

Ich habe im letzten Post geschrieben, dass ich mich integrieren „muss“. Und ja – dies ist natürlich nicht ganz freiwillig. Ich versuche wirklich, mich einzufinden und in meinen zwei Vertretungsstunden im Deutschunterricht hat das auch schon sehr gut geklappt. Aber das kann auch daran liegen, dass der Stundenlohn fast viermal höher ist als in der Bäckerei. In der Bäckerei bin ich natürlich ungelernt und bekomme den Mindestsatz. Im Gegensatz zum Bamf- Kurs: Die 2500,- Euro Investierung in die BAMF- Zertifizierung für Deutsch als Zweitsprache zahlt sich dann letztendlich doch aus.

Ich habe gesagt, dass ich „versuche“ mich in die Arbeitswelt zu integrieren. Damit spreche ich an, dass meine innere Stimme mir etwas anderes sagen will. Dass ich ein unwohles Gefühl in der Bäckerei habe, wenn der Stress da so krass zu spüren ist. Und wenn die Kollegin mir sagt, dass dieser „ganze Dokumentescheiß in der Spätschicht sie so abfuckt“, erhöht das natürlich nicht gerade meine Motivation. Ein weiterer Dämpfer sind natürlich die Arbeitszeiten. Wobei ich jetzt erst einmal abends für 2,25 Stunden pro Tag für den „Dokumentenscheiß“ eingearbeitet werde. Da liegt auch das Problem, was mich stört: Das von außen vorgegeben wird, wann ich wo zu sein habe. Das ist in der Arbeitswelt natürlich normal, aber dann arbeite ich lieber morgens und bin dann für den Tag fertig, anstatt den ganzen Tag mit den Gedanken schon bei den zwei Stunden in der Bäckerei zu sein. Natürlich kann man an diesem Punkt auch mit seiner Gedankenwelt arbeiten und sich mehr auf das „Hier und Jetzt“ konzentrieren. Aber ich hoffe, ihr könnt es trotzdem nachvollziehen.

Es waren gestern nur 2,25 Stunden in der Bäckerei, aber ich war unglaublich platt am Ende. Weil alles neu war und die Kollegin keine Nerven hatte, mir alles in Ruhe zu erklären. Dies ist auch vollkommen verständlich: Sie wollte schließlich nach 6 Stunden um 21:15 pünktlich Feierabend machen, da sie am nächsten Morgen auch schon wieder Frühschicht hatte (fängt um halb 6 an). Da muss man sich natürlich nicht wundern, wenn die Laune am Tiefpunkt ist. Jedoch für mich als Neueinsteigerin natürlich belastend.

Aufgrund dieser Probleme in der Arbeitswelt, die meiner Meinung nach nicht mehr modern sind, ist die neue Bewegung namens „Smartphone Millionär“ auch so erfolgreich. Hier spreche ich Network Marketing Unternehmen an, die Leute anwerben, in dem sie genau das versprechen, was sich jeder ausgebeutete Arbeitnehmer in der heutigen Zeit wünscht: Orts,- und Zeitunabhängigkeit: Du kannst überall arbeiten, da du mit deinem Handy arbeitest! Sie werben mit Videos, wo Leute zusammen am Strand Yoga machen und sich in der Sonne räkeln, während sie arbeiten. Du entscheidest, auch wann du arbeitest, wann du Pausen machst und wann du mal für paar Tage wegfliegst. Niemand sagt dir, was du zu tun und zu lassen hast. Du bist also dein eigener Chef und hast nicht mal finanzielle Risiken. Sie werben damit „dass du nur gewinnen kannst“.

Das trifft doch genau das, was sich viele Arbeitnehmer wünschen oder? Ich sehe aber die Entwicklung in diese Richtung auch kritisch. Die verschiedenen Gründe dafür benenne ich in einem neuen Blogeintrag. Klickt hier, wenn ihr mehr über meine eigenen Erfahrungen mit Network Marketing in den sozialen Medien erfahren wollt.

Turbulente Erfahrungen in der Arbeitswelt

Arbeit finden war der zweite große Punkt auf meiner To Do – Liste. Ich habe über 10 Punkte weggestrichen, die mich unglaublich gestresst haben und zwei Sachen sind geblieben: Neben der Arbeitssuche war die Wohnungssuche eine große Herausforderung. Doch Pepe und ich haben es gemeistert und eine wunderschöne Dachgeschosswohnung mit Panoramafenstern und einen naturbelassenen Garten gefunden und fühlen uns schon wie zu Hause. Immer noch in Stolberg bei Aachen. Der dritte Umzug in 8 Monaten.

Ich habe auch Arbeit gefunden, was eine enorme Anstrengung war und ich habe in letzter Zeit diesbezüglich viel dazu gelernt. Darüber werde ich euch hier berichten.

Zunächst habe ich gelernt: Geld ist und bleibt so existenziell wichtig hier. Abhängigkeit vom Staat ist eine Tortur und es wird einem so schwer wie möglich gemacht, mit dem Geld leben zu können.

Zweitens: Ich suche mir meinen Job jetzt auch danach aus, was meinem „Status“ entspricht: Das heißt, ich habe einen Bachelor, Berufserfahrungen und das nötige BAMF- Zertifikat zum Unterrichten.

Doch ich wollte bisher einen anderen Weg gehen und zwar als ungelernte Kraft in der Gastronomie arbeiten. Es war eher eine Illusion zu glauben, dass ich in der Gastronomie glücklich werden könnte: Ich dachte nämlich, ich passe als offene, kommunikative und etwas verrückte junge Frau da ganz gut rein. Tja- ich hatte den Stress meines Lebens. In den letzten drei Monaten absolvierte ich vier Probearbeiten. Zwei davon waren eine Katastrophe (Restaurant und Café-Bäckerei, da war die Sympathie vielleicht einfach null vorhanden zwischen mir und den „Entscheidern“. Aber es hört für mich auf, wenn der Boss mit Kameras beobachtet und wenn respektloses Verhalten an der Tagesordnung steht). Die eine Probearbeit habe ich abgebrochen, die andere wurde abgebrochen :D.

Eine weitere Erfahrung hatte ich in einem Eiscafé: Sechs Stunden Nonstop arbeiten, während der Big Boss mir die ganze Zeit dabei zusah und ich mein Bestes gab und mich derart unter Druck setzte. Doch ich habe durchgehalten mit Erfolg. Sie hätten mich tatsächlich auch genommen. Dies war nach den vielen Niederlagen so eine Art persönlicher Triumph.

Meine letzte Erfahrung machte ich dann in einer Bäckerei. Und dies war immer noch stressig, da alles so neu war aber bei weitem nicht so wie in einem Restaurant. An dieser Stelle: Hut ab an alle Kellnerinnen und Kellner. Ich kann’s nicht.

In der Bäckerei werde ich jetzt auch anfangen und zwar nur mit 15-20 Stunden pro Woche. Der Verkauf hat mir nämlich immer schon viel Spaß gemacht. Und nicht ständig zu allen Tischen rennen zu müssen ist doch durchaus angenehmer. Dennoch ist mir klar: Ich kriege nur den Mindestlohn und reich werde ich mit dem Job ganz sicher nicht. Daher taucht manchmal der Gedanke auf: Anne, bist du blöd? Du kannst doch als Dozentin viel mehr Geld machen. Ich habe diese Erfahrungen aber machen wollen, weil ich sonst nie herausgefunden hätte, ob nicht ein anderer Job besser zu mir passt. Und natürlich kann man jetzt kritisieren, dass ich mich ständig in der gleichen Branche aufhalte, ich habe halt nicht locker gelassen. Und deshalb habe ich es immer und immer wieder probiert. Und kann jetzt sagen: Bäckerei ist eine gute Option für’s erste.

Und zwar aus folgenden Gründen: Ich kann darüber meine Sozial,- und Rentenversicherung laufen lassen. Ich war nur mal wenige Monate selbständig im Dozentenbereich und habe dort gemerkt, wie groß die Abgaben sind (z.B. über 300,- Euro nur für die Krankenkasse). Deshalb ist mir das sehr wichtig geworden, so abgesichert zu sein und zahle natürlich auch etwas in die Rentenversicherung ein.

Gleichzeitig habe ich eine Stelle als Dozentin an einer VHS für einen Deutsch- B2- Kurs bekommen und dies ist tatsächlich gutes Geld, welches ich dann noch „on top“ bekomme. Ich brauche allerdings am besten noch eine zweite Dozentenstelle. Im Sinne meines „Status“, was ich eingangs schon beschrieben habe.

Diese Lösung finde ich derzeit eigentlich ganz gut. Irgendwie „muss“ man sich ja schließlich in der Arbeitswelt integrieren. Dieses Wort „müssen“ wollte ich eigentlich aus meinem Repertoire streichen, nach dem Motto: „Ich muss erstmal gar nichts“. Dies kommt daher, dass ich viel zu lange fremdgesteuert war und nicht dem gefolgt bin, was ich selbst möchte. Wenn ich jetzt das Gefühl habe, ich werde unter Druck gesetzt, weil ich etwas machen „muss“, zieht das so unglaublich stark an meiner Energie.

Inspiriert haben mich die Leute, die sich sagen: „ich kann und will mich hier in dieser Arbeitswelt nicht integrieren. Ich habe es mehrmals versucht und es geht nicht.“ Diese Leute erkennen nämlich an, wie krank unsere Leistungsgesellschaft ist und spielen dieses Spiel nicht mit. Für mich mit fast 25 Jahren kommt das natürlich nicht in Frage, ich stehe ja schließlich grad erst am Anfang meiner Suche nach meiner Berufung. Da kann ich schlecht sagen: „Nö Leute, gebt mir Invalidenrente und ich bin raus!“ Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich dem Spiel hier irgendwie anzupassen und doch meine Art zu bewahren. Als Lehrerin im Sinne des Quereinstiegs ist das ja vielleicht auch ganz gut?

Und wie es ist, vom Staat abhängig zu sein, habe ich jetzt 6 Monate erfahren und es reicht mir tatsächlich. Alleine schon Arbeitslosengeld (ALG) zu beantragen war die bisher größte Tortur. Ein Riesenunterschied besteht tatsächlich zwischen ALG1 und ALG2. ALG1 ist 60 Prozent vom Nettolohn, wenn man für eine bestimmte Zeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt war. Dafür ist die Arbeitsagentur zuständig. Es ist daher noch etwas höher angesehen als ALG 2. (Man hat ja schließlich vorher dafür etwas geleistet). Um das Sozialgeld AlG 2 zu beantragen, wird man zum Opfer des Jobcenters. Tut mir Leid, wenn ich dies so ausdrücke. Ich möchte keine Menschen damit beleidigt, die dort Geld bekommen. Es ist nur mein Empfinden gewesen. Um wirklich 10000 Anträge für dieses Geld zu beantragen fehlt doch oft die Energie und insbesondere, wenn man arbeitslos ist, hat man eh schon eine extrem belastende psychische Situation. Aber wie will ich da einfühlsame Menschen auf der Seite des Jobcenters erwarten, wenn das Hauptziel ist, Leute so schnell wie möglich wieder an die Arbeit zu bringen? Doch wenn ich als 24 Jährige eine Auszeit brauche um mich zu orientieren, wie genau soll das gehen? Mir ist schon bewusst, dass ich sehr idealistisch denke, finde das aber angebracht 😉

Und dann wählt man tatsächlich schnell wieder den Weg in die Arbeit und das ist schließlich das, was das System auch will. Ich versuche deshalb, mich hier auch zu integrieren und bin mir dabei bewusst: Arbeit bedeutet letztendlich, dass ich meine Zeit verkaufe und dadurch Geld bekomme, um mir das leisten zu können, was ich will. Wenn ich nicht arbeite, wird man vom System so lange unterdrückt, bis man seinen Weg endlich geht. Und ja – das tue ich. Und ich bin mir bewusst, dass meine derzeitigen Jobs erst der Anfang sind und bewahre meine größeren Träume, die ihr Stück für Stück mitverfolgen dürft. 🙂

Und noch eins ist mir bewusst geworden: Nirgendwo ist es perfekt und ich kenne derzeit keinen Arbeitsort, an dem ich mich 100 Prozent wohlfühle und ich mich mit meiner Persönlichkeit voll einbringen kann. Irgendwie ist man doch nie wirklich man selbst oder? Man spielt in der Arbeitswelt doch immer eine Rolle, die man einnimmt, um Geld zu bekommen. Wenn die eigene Persönlichkeit wirklich 100 Prozent zum Tragen kommt, hat man seinen Traumjob gefunden oder? Schreibt mir gerne, wenn es sowas tatsächlich gibt 🙂

Von der Idee zum Papier

So Freunde. Hier kommt ein wichtiges Update.

Wie ihr hier („Die Erschöpfung) und hier („Die langsame Erholung“) lesen konntet, habe ich ein krasses Tief sowohl körperlich als auch psychisch erlebt. Doch jetzt sind mehrere Dinge passiert, die einen neuen CRAZY NEW START bewirken können bzw. schon tun.

Tshirt und Tasse mit meinem Logo

Ein T- Shirt und zwei Tassen mit meinem Logo – designed von Micheline Benfer von goodgirrrl – sind angekommen. Eine Tasse wurde auf Instagram von mir live verliehen. Und zwar unter den Leuten, die mit mir ihren CRAZY NEW START in ihrem Leben teilen 🙂 Und Glückwunsch geht an Christian Stenner. Hier findet ihr ihn auf Instagram.

2.) Wohnungssuche

Es sieht ganz danach aus, dass wir eine wunderschöne Dachgeschosswohnung bekommen können und zwar in der Nähe des Parks, in dem ich immer mit Luki unterwegs bin. 🙂

3. ) Buchidee

Zu allerletzt und das ist das Spannendste überhaupt, fange ich momentan intensiv damit an, mein Buch zu schreiben. Diese Idee hatte ich schon sehr lange und vielleicht ist das sogar ein Kindheitstraum von mir. Da ist das Stichwort. Während des Schreibens befasse ich mich intensiver mit meiner eigenen Kindheitsgeschichte und mit den Gründen für meine Depression. Dies ist sehr heilsam für mich und kann durchaus auch inspirierend für viele andere sein. Letztendlich stecken wir ja alle in der Leistungsgesellschaft. Und ich decke so einige Dinge auf, die mir während meiner Kindheits-,und Schulphase nicht gut getan haben. Es geht mir niemals darum, bei irgendjemandem eine Schuld zu sehen. Letztendlich sind wir meiner Meinung nach alle dazu aufgefordert uns mit uns und unserer Kindheitsgeschichte auseinander zu setzen.

Ich erfahre so wirkliche innerliche Heilung. Das muss nicht bei jedem so sein. Ich erlebe jedoch oft, dass bei der Bearbeitung von Depressionen und anderen psychischen Krankheiten oft an der Oberfläche gekratzt wird. Die innerlichen, ursprünglichen Ursachen sind natürlich viel tiefer und dadurch auch so wichtig. Aber viele trauen sich da nicht dran. Für die innere Heilung sehe ich für mich aber keinen anderen Weg. Und ihr dürft mich sehr gerne begleiten 🙂

Auf Instagram merke ich bereits schon, dass ich mit meinen Gedanken, die ich schriflich verfasse, vieles auslöse. Und zwar in Menschen, von denen ich es niemals gedacht hätte, dass sie sich mir einmal öffnen würden. Ich denke, dass ich schon auf dem richtigen Weg bin. Und hoffe natürlich, dass diese schwere Phase, die Pepe und ich jetzt durchstehen, später umso mehr Glück beschert. Ich glaube daran.

Dieses Bild, was noch nicht ganz fertig ist, habe ich gemacht, weil ich mir so verdeutlicht habe, in welcher Zwickmühle ich war. Und zwar rechts das innere Kind mit allem Positiven, wie ein Kind von Natur aus ist. Doch ich folgte eher dem Weg des Leistungsprinzips links. Ein Beispiel: Ich wurde belohnt für gute Noten. Außerdem war eine wichtige Erkenntnis für mich, dass ich von außen gesteuert wurde. Also das Leistungsprinzip wird von außen stabilisiert. Ich bin in eine innerliche Schieflage geraten, die aber von außen nicht zu erkennen war. Dies zeigte eigentlich auch mein Körper, da ich insbesondere in der Schule stark litt. (z.B. extrem schwitzige Hände und Achseln, ich wollte niemandem die Hand geben). Dieses kleine Wort eigentlich benutze ich, da niemand (und ich selbst auch nicht) deuten konnte. Jetzt ist es klar ein Zeichen von starkem, innerlichen Stress, da das wahre Ich unterdrückt wurde.

Ich war sozusagen in einem Gefängnis gefangen – hin und her zerrissen zwischen Leistungsorientierung und dem innerlichen Bedürfnis nach Kreativität, Wildsein und Fehler machen dürfen.

Fortsetzung folgt. Jetzt wird erstmal die Tasse verliehen 🙂

Die langsame Erholung

Hello Freunde. Hier noch ein Update zu meinem heutigen Krisentag.

Wie ich es hier geschrieben hatte, wollte ich Instagram weniger nutzen und das habe ich heute bis auf kurze Momente auch gemacht. Meine Tasse mit meinem eigenen Logo „CRAZY NEW START“ ist heute Abend angekommen. Das musste ich einfach kurz posten.

Doch zurück zu meinem Tag und was ich getan habe, um meiner Erschöpfung „entgegenzuwirken“. Zunächst einmal geht es wohl darum, mit dem Körper „mitzuwirken“, das heißt, das wahrzunehmen, was ist. Die Situation jetzt zu akzeptieren, da sie nun mal da ist und wichtige Signale setzt. Ich habe mir vieles von der Seele geschrieben und werde auch vieles noch so aufarbeiten, um dies endlich irgendwann loslassen zu können.

Doch konkret an dem Tag habe ich noch Folgendes gemacht: Ich war wieder gesprächsbereit,um meinemPartner meine Gefühle zu verdeutlichen und es hat mir sehr gut getan, mit ihm zu reden. Doch die innerliche Arbeit, um dafür bereit zu sein, habe ich vorher geleistet. Und das kann einem keiner abnehmen, kein Partner/keine Partnerin, noch die größte Liebe dieser Welt. Mit der Innenwelt ist und bleibt man alleine.

Gleichzeitig hat sich auch was hinsichtlich Wohnungssuche getan. Es scheint so, als dass wir eine super schöne Dachgeschosswohnung direkt neben dem Park bekommen können, wo ich immer mit Luki bin und von dem ich immer Bilder auf Instagram poste. Doch solange wir nichts unterschrieben haben, bleibt meine existenzielle Angst etwas bestehen. Ich berichte euch, wie es damit weiter geht.

Was ich mir auch noch Gutes getan habe war Folgendes: Ich bin ins Schwimmbad gefahren. Habe meinen ganzen Körper im Wasser gespürt. Es war jetzt nicht unglaublich befreiend oder so aber es hat doch im Nachhinein gut getan, um meinen Körper zu entspannen. Es war ein Freitag-Spaß-Badetag an dem Tag und ich dachte erst: Och nöö, nur kreischende Kinder. Doch dann habe ich mit zwei süßen Kids Volleyball im Wasser gespielt. Ich habe mich etwas zu den ungefähr 10 Rabauken gesellt und da hat mich ein super aufgeweckter Junge gefragt, ob ich mitspielen möchte. Schnell fragte er mich nach meinem Namen 🙂 Kurz darauf wollte er die ganze Zeit mit mir alleine spielen. Ich liebe diese Offenheit und Ehrlichkeit von Kindern einfach. Mein inneres Kind hat sich natürlich sehr gefreut. 😉

Da ist mir klar geworden, dass ich beruflich vielleicht doch anstreben könnte, mich mit Kindern zu beschäftigen. Doch das kommt später. Erstmal muss das mit der Wohnung endgültig geklärt sein 🙂

Habt einen schönen Abend, Morgen, Nachmittag oder wann immer ihr das hier lest! 🙂

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Erschöpfung

Hallo Ich. Hallo Freunde.

Ich muss sagen, dass bei mir schon etwas länger die Alarmglocken angehen. Ich war im Krankenhaus vor ein paar Tagen, da ich starke Bauchkrämpfe hatte. Ich fühlte mich aber nicht nur körperlich schlecht, sondern auch psychisch komplett ausgelaugt. Und als das zusammentraf, folgte der komplette Absturz.

Mir war klar, dass ich was ändern musste. Ich habe schon hier beschrieben, dass ich durch den Schmerz gegangen bin, um zu erkennen, für was ich alles gekämpft habe in letzter Zeit.

Ich möchte hiermit auch Versöhnung mit den ganzen Therpeut/innen schließen. Ich habe mich gegenüber vieles aufgelehnt und gemerkt, dass meine Energie dabei flöten gegangen ist. Jetzt merke ich, wie wichtig es ist, auf seinen Energiehaushalt zu achten. Eine Verhaltenstherapeutin von mir hat mit mir mal eine Tankstelle aufgemalt und ich habe da schon gemerkt, wie viel Energie immer abgezapft, aber nicht aufgetankt wurde. Ich habe über 10 Energiefresser versucht aus meinem Kopf zu löschen. Geblieben sind 2 und zwar die Existenziellsten: Arbeit finden und Wohnung finden! Und Wohnung innerhalb von einer Woche, da wir rausgeschmissen wurden (anderes Thema und Energieverschwendung, sich darüber aufzuregen).

Jetzt bin ich wieder an einem Punkt, wo mein Energielevel den roten Bereich erreicht. Das Handy würde anzeigen: „Ihr Telefon wird in 30 Sekunden runtergefahren!“ Ich würde mal behaupten, es liegt bei dramatischen 5 von 100 Prozent. Tendenz sinkend. Doch vorher hatte ich mehr Energie (so 40 Prozent): Nach meiner Krankheitsphase mit meinem Magen habe ich wieder Aufwind gespürt und meine neue Energiewelle direkt ausgenutzt: Bin nach Köln gefahren, um mir da einen Job zu suchen. Ist ja schließlich eins von zwei Dingen auf meiner Liste! Da ist mir klar geworden, dass mein Energielevel nach einem Albtraum im Hotel wieder drastisch gesunken ist. Ich wollte ursprünglich in Köln Ehrenfeld durch Cafés tingeln, um einen Job zu finden. Ich saß dann schließlich in einem, habe mich verdammt einsam gefühlt, da alle ein Gespräch führten. Ich sehnte mich danach, aufgefangen zu werden und meine innerliche aufkeimende Traurigkeit durch Tränen loszuwerden. Eine Frau meines Alters wurde in dem Café gerade eingearbeitet und etwas umhergescheucht. Da wurde mir klar: Puh Anne! Wärst du an ihrer Stelle, würdest du direkt anfangen zu heulen. Zu viel Druck. Zu viel Anspannung und Stress, den ich bereits schon genug habe.

Ein wunderbares Gespräch mit Yvonne hat mich aufgefangen fürs erste. Hier kommt ihr zu ihrem Blog. Der heißt: „Dare to be mad“. Dort ist mir all das klar geworden, nämlich dass ich nicht bereit bin zu arbeiten! Und mich erstmal um mich selbst kümmern muss. Wieder einmal. Wieder eine neue Lernerfahrung.

Die Erfahrung war schmerzlich und mein Energielevel ist mehr und mehr gesunken, bis mir schließlich das Gehen schwerfiel. Auch das Sprechen, als Pepe mich vom Hauptbahnhof Stolberg abholte. Da war ich – ausgelaugt, energie,- und wortlos. Und allerallerhöchste Alarmstufe hinsichtlich Depression. Genau an diesem Punkt so weiter zu machen, wäre absolut schädlich und mein Gehirn würde mehr und mehr in depressive Symptome verfallen. Davon bin ich überzeugt.

Also was mach ich jetzt? An erster Stelle saß ich gerade in die Leere starrend auf unserem Balkon in der Sonne. Nach 10 Minunten spürte ich, wie Luki (unser Hund) mein Bein ableckte und sich das merkwürdig aber irgendwie erfrischend anfühlte. Automatisch fing ich an zu Lächeln. Doch das reicht natürlich nicht. Ich schreibe diese Worte. Am Anfang tippten meine Hände diese Worte noch müde in die Tastatur. Doch allmählich geht es schneller und fließender.

Dann habe ich für mich entschieden, diesen Artikel nicht auf Instagram zu bewerben, da ich ihn tatsächlich an erster Stelle für mich schreibe, um meine Gedankenlasten los zu werden. Auch Instagram ist ein Thema: Ich werde versuchen, dort weniger online zu sein, mir weniger Probleme durchzulesen und mich auch fürs erste weniger zu involvieren. Ja, auch Instagram gehört tatsächlich zu meinen Energiefressern, obwohl ich den Austausch mit den vielen tollen inspirierenden Leuten wunderbar finde und mich dort auch sicher nicht zurückziehen werde. Mit diesen Worten bin ich in Gedanken bei dir, Lia! Du bist ein so toller Mensch und hörst mir zu, obwohl wir uns noch nicht persönlich gesehen haben. Die Verbindung ist jedoch da 🙂

Ja- Handy aus. Schreiben und Lesen. Und Sonne. Das ist das, was ich jetzt brauche.

Lest hier, wie es weiterging.

Wenn das Leben zum Kotzen ist

… und das im wahrsten Sinne des Wortes… Die mir auf Instagram folgen, wissen, dass ich jetzt seit 3 Tagen krank bin. Ich habe dauerhaft ein Übelkeitsgefühl und am ersten Tag musste ich mich mehrmals übergeben. Und wenn mein Magen sich zusammenkrampft und ich das Bewusstsein über meinen Körper und meine Psyche verliere, dann ist es soweit. Dann denke ich darüber nach, für was ich in letzter Zeit alles gekämpft habe. Wo ich meine Energie gelassen habe. Was mit mir und meinem Körper passiert ist.

Ich kann nicht gleichzeitig an mehreren Fronten kämpfen. Ich habe über 10 Dinge aufgeschrieben, die mir Kraft gekostet haben. Doch wenn ich mich gegen systematische Abläufe unserer Gesellschaft aufrege und eine Wut in meinem Bauch entsteht, die nicht mehr zu kontrollieren ist, dann passiert nur eines:

Ich verliere Energie, bin ausgelaugt, am Boden und übergebe mich. Ich muss kotzen, weil mich so viele Dinge aufregen und ich unfair finde. Zwei große Fronten sind da einmal die Ausländerbehörde, die unfair systematisch Flüchtlinge und auch meinen Verlobten abschieben will. Auf der anderen Seite steht da noch mein großes Fragezeichen der beruflichen Orientierung Ich habe auf Instagram bereits schon gesagt, dass ich als Dozentin bei einer VHS arbeiten werde. Doch selbst das ist noch in der Schwebe, den Honorarvertrag habe ich noch nicht unterschrieben. Zusätzlich brauche ich unbedingt einen sozialversicherungspflichtigen Job, das ist mir durch die kurze Zeit als Selbstständige (als Dozentin) klar geworden.

Ich war auch im Krankenhaus, doch da konnte natürlich niemand was in meinem Magen feststellen. Blutdruck okay, Magen fühlt sich weich an. Was bleibt ist die Psyche, um die sich keiner kümmert. Ich bin selbst auch überzeugt, dass die Magenkrämpfe aus den Kämpfen entstanden sind. Aufgrund des Kampfes gegen das System, den ich als einzige nicht gewinnen kann. Der mir nur Energie raubt.

Doch was bleibt jetzt? Zunächst ist da das Selbstmitleid, weil es mir auch körperlich schlecht geht. Ich entschuldige mich bei meinem Körper, da ich wieder mal nicht genug auf mich selbst aufgepasst habe. Ich habe mein Grenzen nicht gekannt und mich wieder mal nicht geschützt. Selbstmitleid wird hier oft verpönt. Doch es ist für mich der richtige Weg: Ich tue mir selbst Leid. Nur so kann ich aus dem Schmerz lernen, da ich ihn wahrnehme und durch ihn durchgehe.

Jetzt bin ich zum Glück einen Schritt weiter: Durch Inspirationen von Coaches im Internet ist mir klar geworden: Ich kann im außen nicht das Glück suchen. Durch bestimmte Glaubenssätze erschafft jeder seine eigene Realität. Nach dem Gesetz der Gleichheit zieht man immer das an, was in seine eigenen Überzeugungsmuster passt. Sehr negativ habe ich über das deutsche System geklagt. Dementsprechend negativ ist mir auch alles aufgefallen. Ob es nicht auch objektiv wahr ist, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass ich mich mehr meinem Inneren zuwenden möchte. Ich möchte dankbar dafür sein, was ich bereits jetzt schon habe. Dass ich in einer glücklichen Beziehung bin und wir einen tollen Hund haben.

Mit dem Blick ins Innere, werden äußere Umstände nicht mehr so dramatisch. Eckhard Neuhoff beschreibt das in seinem Buch „Vom Grenzgänger zum freien Menschen“ sehr gut: Gegen etwas zu kämpfen kostet unglaublich viel Kraft. Gegebenes sollte manchmal akzeptiert werden, um für das einzustehen, was möglich ist.

Dementsprechend versuche ich jetzt, nicht an allen möglichen Fronten zu kämpfen sondern nur da, wo ich meine Energie auch einsetzen kann. Das Glück im Inneren zu finden, ist glaube ich der Schlüssel. Dann ist es egal, ob ich in Heidelberg, Barcelona, Stolberg oder Los Angeles wohne.