Die 3. Unterdrückungsphase: Absoluter Tiefpunkt

Und mein absoluter Tiefpunkt traf sich mit dem absoluten Ende meines Studiums. Das hieß: Bachelorarbeit schreiben! Juhu.

Ich habe an anderer Stelle schon mal darüber geschrieben, dass ich meine Bachelorarbeit über das Thema „Das Flüchtlingsabkommen zwischen Australien und Kambodscha“ geschrieben habe. Während des Schreibens und Reflektierens bemerke ich, wie sehr Südostasien schon mal ein Thema war. Backpacking zusammen mit Pepe wird bald ein Thema sein! Ich hoffe darüber später auch Posts schreiben zu können (bin mir aber sehr sicher).

Doch jetzt zurück zur tiefen Depressionsphase Ende 2016. Ich kann jetzt nicht mehr genau beschreiben, wie sich die Situation zu dieser Zeit angefühlt hat. Ich versuche es aber, mit kognitiven Erinnerungen, da die Gefühle zum Glück nicht mehr so nachzufühlen sind. Folgende Adjektive treffen es am besten: unfassbar ausweglos und leer, teilweise höchst verzweifelt. Ich wusste manchmal nicht wohin mit mir, ich hätte mich „einfach wegwerfen“ können. Kurz: Ich war am absoluten Ende.

Was denkt ihr, was ich dann gemacht habe? Klar – bin wieder zu meiner Verhaltenstherapeutin zurück. Die hat mir jedoch empfohlen, mit dem Leistungsdenken weiter zu fahren. Nachdem ich meine Bachelorarbeit vollendete mit allerletzten Kräften, habe ich weiter gemacht Richtung Praktikasuche, sogar FSJ stand noch auf der Tagesordnung. Dachte aber als Studentin sollte man lieber ein Praktika suchen und sich da bewerben. Um halt in der Karriere voranzukommen [jetzt denke ich: was ein Quatsch!] . Joa, dann dachte ich, ich könnte wieder etwas in Richtung „Flüchtlinge“ machen. Folgendes Lob habe ich später meiner Therapeutin gegeben:

„Man kann mit dem Gedanken, man ist nichts wert in Vorstellungsgespräche gehen und sogar Zusagen bekommen. Man kann erfolgreich sein, ohne dass man denkt, dass man es sei. Auch wenn man denkt, man könne NICHTS, kann man etwas schaffen. Unfassbar dankbar dafür!

wörtliches Zitat aus meinen Aufzeichnungen, Anfang 2017

An sich ist es ja gut, sich nicht unterbuttern zu lassen und auch irgendwie weiter zu machen. Sich nicht ins Bett legen. Weiter machen. Klingt gut oder? Ist es aber rückblickend betrachtet nicht. Ich habe verzweifelt versucht, einen Praktikumsplatz zu finden, wusste aber nicht WO, WAS und WIE. Jedenfalls entschied ich mich dann für die Flüchtlingssozialarbeit. Das lag nahe, da ich mich mit Flüchtlingskindern (siehe KRASS E.V) super verstand. Merkt ihr? KINDER! Nicht „Flüchtlinge“.
Wir sind im Jahr 2016, Anfang November.

Ich habe tatsächlich sogar zwei Zusagen dann bekommen. Ist bei mir immer so gewesen: Vorher riesige Angst, nichts zu bekommen und werde dann überhäuft und darf sogar selbst entscheiden. Ich habe dann ein dreimonatiges Praktikum (sogar etwas bezahlt, ungefähr 400,-) bei einem bekannten kirchlichen Träger gemacht. Das war jedoch in Osnabrück. Das heißt, ich bin jeden verdammten Tag mit dem Auto von unserem Dorf ungefähr 1,5 Stunden nach Osnabrück gefahren. Bis ich endlich eine WG dort gefunden habe. Die Autofahrten waren so extrem. Ich habe davon noch Memos, wie ich heulend und verzweifelt in mein Handy spreche und dies aufnehme. Um meinen Frust und Kummer von der Seele zu reden. Natürlich hat das nicht geholfen. Es fiel mir natürlich verdammt schwer, das Praktikum in meiner tiefen Depression „durchzuziehen“. Hier eine Mitschrift von einer Memoaufnahme, November 2016:

„Ich mache jetzt grad das Praktikum und [Pause] ich ähm [Pause]..meine erste Aufgabe war eine Wohnung zu suchen für einen Geflüchteten aber dann habe ich diesen Geflüchteten da vor mir sitzen. Ich weiß nicht genau, wer das ist, wie alt er ist. Nichts. Und jetzt muss ich für ihn eine Wohnung suchen. Ähm. Und ich habe dann bei [Anbieter] und [Anbieter] geguckt. Und wenn ich davor sitze, dann fühle ich mich einfach überfordert mit dem Angebot und dann weiß ich nicht, wo ich da anrufen soll. Dann weiß ich nicht, was ich da sagen soll, für wen ich suche. Ich fühle mich dann einfach [Pause] wie blockiert. Und ich weiß nicht, warum ich das nicht einfach machen kann [meine Stimme wird verzweifelter]. Meine Aufgabe ist, äh, such da eine Wohnung raus und ruf die an. Das ist ja eigentlich nicht so schwierig, aber für mich ist das so schwierig. [fange an zu weinen]. Also. Ich weiß nicht. Ich weiß nicht, wie kann ich das schaffen, das zu akzeptieren, das ich mich so fühle, wie ich mich fühle und trotzdem die Aufgaben machen. [Pause] Ich hätte die Übung machen können, auf meinem Atem zu hören. Mich konzentrieren zu können. [Anmerkung heute (April 2019): Verhaltenstherapiemaßnahmen].Ich kann das irgendwie nicht. Dann bin ich da so drin. Ich weiß nicht [fange immer mehr an zu schluchzen]. Es ist fast so, als will ich’s gar nicht anders. Als will ich gar nicht, dass es anders wird. Also ich kann, ich kann [Pause]. Ich kann. Ich weiß nicht. Ich krieg‘ den Abstand nicht mehr dazu. Ich weiß‘ nicht, was ich sagen soll. [Pause] Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich weiß nicht, wer ich bin. „

Ich habe diese Szenen mit meiner Verhaltenstherapeutin besprochen und sie hat mir empfohlen, offen mit meiner Depression umzugehen. Es war wie ihr lesen konntet, absolut nicht möglich für mich, gewisse Aufgaben zu erledigen. Also habe ich ein klärendes Gespräch mit meiner Chefin gesucht. Und das war für viele schon sehr mutig, da offen drüber zu sprechen. Ein Kollege offenbarte mir, auch an Depressionen zu leiden, aber er würde das niemals offen legen und allen Kollegen sagen.Ich denke mir jetzt: Warum? Und warum ist das mutig? Ich darf doch auch offen über Krebserkrankungen sprechen oder?

Doch mit dieser Offenheit bin ich sehr, sehr gut gefahren und kann es jedem empfehlen. Wenn das jemand nicht versteht oder euch eine Firma sogar kündigen will: Dann scheiß drauf! Dann ist es nicht der richtige Platz!!

Am 01.12.2017 bin ich dann in eine WG gezogen, um nicht immer mit dem Auto fahren zu müssen. Auch zu Hause war man glaub ich sehr froh. Ich habe mich in der neuen Wg erstmal sehr zurück gezogen. Da meine Mitbewohner sehr nett waren, habe ich es ihnen mal gesagt, als alle zusammen am Tisch saßen. Sie haben es ganz gut aufgenommen, wollten mit mir aber auch nicht viel zu tun haben, bzw. jeder lebte halt so für sich.Typisch ZweckWG. Bis auf den Pharmastudenten: Mit dem hatte ich ganz gute Gespräche (Psychpharmaka hehe).

Da es wieder Frühling wurde, entstand bei mir wieder ein Aufschwung (vielleicht auch durch die Antidepressiva, kann ich grade noch nicht beurteilen). Das Praktikum fing sogar an, mir Spaß zu machen. Ich habe viele Kinder im Jugendmigrationsdienst begleitet und ansonsten auch vielen Geflüchteten irgendwie geholfen (z.B. zum Arzt begleiten). Das hat mir tatsächlich dann irgendwann wieder einen Selbstwert gegeben und ich bin die Schiene erstmal weiter gefahren und habe mich später beworben, um diese „Flüchtlinge“ zu unterrichten.

Dazu findet ihr hier mehr.

Das Bildungssystem und ich

Ken Robinson ist laut Wikipedia „international geachteter Berater in der Gesellschaftsentwicklung“. „Von 1989 bis 2001 war er Kunstprofessor an der University of Warwick.“ 2003 wurde er zum Sir geschlagen. Das sagt schon was aus oder? Jedenfalls hat mich Christian Stenner auf Instagram auf ihn aufmerksam gemacht, da ich auf seiner Linie sei. Und das ist auch in dieser Rede zu 100 Prozent der Fall und daher werde ich Zitate aus dieser Rede aufgreifen.

Um das Video mit deutschen Untertiteln zu sehen, klickt hier.

Doch erstmal zu mir: Wie ich bereits schon geschrieben habe, war ich immer ein „Einserkandidat“ in der Schule. Dieses Wort habe ich mir nicht ausgedacht, so werden diese Kinder genannt. Bei Tests und Klassenarbeiten hat natürlich Anne die einzige Eins, die an der Tafel steht. Das ist kein schönes Gefühl als Kind. Auch von Lehrern gelobt zu werden ist ein unangenehmes Gefühl. Denn es bestätigt den Fehler! Es bestätigt die Definierung über die Leistung. Meine depressiven Phasen haben mich letztendlich davor gerettet, genauso weiter zu machen. Noten und Bewertungen sind mir endlich (!) nicht mehr wichtig. Selbst auf dem Poetry Slam habe ich auf die Bewertung geschissen. Ich war hinterher natürlich interessiert, aber ich bin nicht mehr abhängig davon, dass mich jemand anderes bewertet. Mein ganzes Schulleben lang habe ich das gemacht, was die Lehrer erwarteten. Ich habe ihnen sprichwörtlich nach dem Mund geredet. Die Folge: Die besten Noten und ein 1,4 Abitur. Damit studierst du bestimmt Medizin oder? MOMENT MAL! Ich wusste, dass ich irgendwie aus dem System ausbrechen muss, um mich zu retten. Ich wusste, dass ich das nicht überlebe, in dem Ort zu bleiben, ohne mich umzubringen. Niemand sah MICH und meine Fähigkeiten, ich selbst auch nicht. Auch jetzt bin ich noch dabei zu entdecken, was ich eigentlich wirklich gut kann.

Ich kann jetzt schon viele Dinge sagen, unter anderem lerne ich Sprachen unglaublich schnell, ich habe nur leider keine Zeit, mich intensiver damit zu beschäftigen. Ich würde untergehen ohne Geld. Wir reden von einem Sozialstaat. Sie unterrichten uns im Politik Unterricht, dass wir eine Demokratie haben und einen Sozialstaat. Wenn ich jetzt selbst am eigenen Leib erfahre, wie der Umgang mit mir ist, wenn ich tatsächlich am Boden bin und Geld vom Staat brauche. Dann ist das Wort „sozial“ doch höchst lächerlich.

Jedenfalls zerstört die Erziehung insbesondere in den Schulen jede Kreativität. Wir sind so stark kopfbelastet, dass unsere Gerhirne Depressionen verursachen, die wir mit dem Kopf nicht mehr lösen können. Mein Bruder sagt immer: Du kannst das Problem nicht auf dem Weg lösen, wie sie entstanden sind und zwar mit dem KOPF!

Wir vergessen unsere emotionale Gehirnhälfte komplett. Selbst Musik und Kunstunterricht wird benotet. Oder Sport! Wie um Gottes Willen kann man denn bitte subjektive kreative Prozesse in Noten bewerten und somit jegliches Talent zerstören. Ich habe kein Gespür für Kunst. Als Kind nicht und heute nicht. Ich würde unglaublich gerne malen können. Meine Mama hat früher Bilder für mich im Kunstunterricht gemalt, damit die gute Note stimmt. Ich weiß,dass sie dies jetzt auch als einen Fehler ansieht. Ich möchte nur damit sagen, dass das Schulsystem jegliche Kreativität dadurch zerstört. Auch die Angst davor, etwas falsch zu machen habe ich immer noch und hatte ich sehr stark während meiner Praktikaerfahrungen und im Studium.

Ken Robinson berichtet darüber, dass Kinder bereit sind, Fehler zu riskieren. Dabei nennt er ein Krippenspiel, in dem die Kinder folgendes sagen:
Der erste Junge sagte: „Ich bringe dir Gold.“ Der zweite sagte: „Ich bringe dir Myrrhe.“ Der dritte sagte: „Frank hat das geschickt!“ 

Diese Beispiele zeigen, dass Kinder bereit sind, etwas zu riskieren. Wenn sie es nicht wissen, probieren sie es einfach. Nicht wahr? Sie haben keine Angst, etwas falsch zu machen. Ich will damit nicht sagen, dass etwas falsch zu machen bedeutet, kreativ zu sein. Wir wissen aber: Wer nicht bereit ist, einen Fehler zu machen, wird nie etwas wirklich Originelles schaffen — wenn man nicht bereit ist, Fehler zu machen. Wenn sie erst erwachsen sind, haben die meisten Kinder diese Fähigkeit verloren. Sie haben Angst, Fehler zu machen. In Firmen machen wir das genau so. Wir stigmatisieren Fehler. Wir haben heute nationale Bildungssysteme, in denen Fehler das Schlimmste sind, was man machen kann. Das Ergebnis ist, dass wir den Menschen ihre kreativen Fähigkeiten „weg-unterrichten“. 


Ken Robinson. Bring on the learning revolution. https://www.ted.com/talks/sir_ken_robinson_bring_on_the_revolution/transcript , abgerufen am: 10.04.2019

Ein weiters Zitat, was ich super finde:

Picasso hat mal gesagt: „Kinder werden als Künstler geboren.Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“


Ken Robinson. Bring on the learning revolution. https://www.ted.com/talks/sir_ken_robinson_bring_on_the_revolution/transcript , abgerufen am: 10.04.2019

Ken Robinson nennt ein weiteres tolles Beispiel, nämlich Shakespeare: Wie lästig muss es für ihn gewesen sein, im Englischunterricht zu sitzen? Er musste wahrscheinlich auch den Satz „Streng dich mehr an“ hören. Oder Abends im Bett von seinem Vater: „Leg den Stift weg und geh ins Bett!“

Ich habe bereits schon meine Empörung kundgetan, dass kreative Fächer sogar benotet werden. Ken Robinson geht einen Schritt weiter und erklärt, dass diese Fächer weit unter „verkopften“ Fächern wie Mathematik stehen. Wir vergessen unseren KÖRPER! Wir haben ein Gehirn und sind in der Lage wunderbare Dinge zu erschaffen, die unsere Kreativität weiter zerstören. Warum werden die Kinder von den Erfindern von Smartphones in Waldorfschulen unterrichtet? Die Eltern kommen kaum damit klar, was diese technische Entwicklung ausgelöst hat. Wir vergessen unseren Körper. Für mich sind Musik, Kunst, Sport und Theater die beruflichen Zweige, die am allerallertollsten sind, weil sie das emotionale Innere ansprechen und unseren Körper. Deshalb bewundere ich auch alle Leute, die etwas in diese Richtung machen und sich TRAUEN. Ich weiß, dass ich das gleiche tue. Für mich ist schreiben auch eine Art Kunst.

[…] etwas wird einem klar, wenn man in die USA kommt und auch woanders hin auf der Welt: Jedes Bildungssystem der Erde hat die gleiche Hierarchie von Fächern.Wirklich jedes. Egal, wohin man geht. Man könnte meinen, es sei anders, aber das ist es nicht:ganz oben Mathematik und Sprachen,dann Geisteswissenschaften, und ganz unten Kunst. Überall auf der Welt.Und in so ziemlich jedem System gibt es auch eine Hierarchie innerhalb der Künste. Kunst und Musik haben meistens einen höheren Status in Schulen als Theater und Tanz.Es gibt auf dem Planeten kein Bildungssystem,das Kinder täglich genauso im Tanzen unterrichtet wie in Mathematik. Warum? Warum nicht? Ich denke, dass das ziemlich wichtig ist. Mathematik ist wichtig, aber das gilt auch für Tanz. Kinder tanzen die ganze Zeit, wenn sie dürfen, wir alle tun das.Wir alle haben Körper, oder? Oder hab ich was verpasst?


Ken Robinson. Bring on the learning revolution. https://www.ted.com/talks/sir_ken_robinson_bring_on_the_revolution/transcript , abgerufen am: 10.04.2019

Seine Rede wurde auf 56 Sprachen veröffentlicht. Und diese hat er vor fast 10 Jahren gehalten. WANN HÖREN WIR ENDLICH HIN?

Die 3. Unterdrückungsphase: Die Anfänge

Nachdem ich aus meiner zweiten Depression rausgekommen bin, habe ich nur noch das getan, was mir Spaß gemacht hat und was mein Herz mir gesagt hat. Lest dazu hier nach.

Wie ihr lesen konntet, war ich ein fröhlicher und positiver Mensch und dann ist etwas in mir eingebrochen. Dies fing genau mit dem letzten Tag der „Düsselferien“ an, als wir Kinder mit Behinderungen betreut hatten und an einem Tag in einem Zoo waren. Aus meinen Aufzeichnungen weiß ich, dass ich es als extrem anstrengend empfunden hatte und total ausgelaugt war. Danach konnte ich nur noch weinen. Ich fühlte mich schließlich dauerhaft ausgelaugt, konnte nur noch weinen. Ich hatte keine Energie mehr und keine Lust, etwas zu machen. Dazu kam, dass meine Zeit in Düsseldorf so langsam ablief. Ich habe meine Miete nicht verlängert, da ich nach dem Bachelor weg wollte. Meine besten Freundinnen waren eh schon weg. Leider hatte ich keinen Plan, wie es weiter gehen sollte und das nagte schließlich an mir. Diese folgenden Aufzeichnungen stammen aus dem kleinen Büchlein, in dem meine positiven Ereignisse am Tag stehen.

Ich habe in letzter Zeit sehr viel gemacht und war wenig zu Hause. In der Uni hatte ich das Gefühl, dass „ich mein Leben in der Hand halte“. Zum Schluss kam mir mein Leben wie auf einer Beschleunigungsspur vor: Ich habe drei Wochen bei den Düsselferien gearbeitet, was Spaß gemacht hat. Zum Schluss war ich aber super ausgelaugt… Jetzt trudeln nach und nach immer mehr negative Gedanken und Sorgen ein: Was mache ich, wenn ich meine Bachelorarbeit abgegeben habe? Zuvor war ich zuversichtig, dass ich auf jeden Fall etwas finden werde, das mir Spaß macht. Jetzt lähmen mich Sorgen und Ängste. Soll ich wirklich nach Kambodscha gehen? Wohin soll ich überhaupt gehen? Jetzt schreibe ich meine Bachelorarbeit wieder mit dem „Leistungsgedanken“, was der Dozent hören will… Das kann ich momentan aber so nicht leisten! Es ist erschreckend, wie schnell ich mich von diesen Gefühlen und Umständen gefangen nehmen lasse!

Ich muss nicht alles so glauben, was Mama mir sagt und mir Vorwürfe machen, ich sei in der Phase egoistisch gewesen und sie wünsche sich die alte Anne zurück. Ich habe mich verändert und war mir mehr bewusst, was ich will und fühlte mich dabei frei. Ich habe bestimmte Gaben und Fähigkeiten, die ich auch im Job später einbringen kann: mit Menschen kommunizieren, diese zum Strahlen bringen wie bei KRASS e.V. Offen und liebevoll gegenüber anderen Menschen sein. Ich habe ein unglaubliches Sprachgefühl.

Ich bin immer noch der gleiche Mensch. Es kommt alles auf die Wahrnehmung meiner Gedanken an und wie sehr ich ihnen vertraue. Ich bin das Schachbrett und nicht die schwarzen Figuren.

Dies habe ich genau am 26.08.2016 geschrieben. Das waren die Anfänge meiner Depression. Meine Behandlung verlief ungfähr 6 Monate.

Wie ihr lesen könnt, wurde ich eingeholt von Ängsten und Sorgen. Dabei war ich vorher ein total lebensfroher Mensch. Ich habe vermutlich zu viele Dinge gleichzeitig gemacht und nicht genug auf mich geachtet. Obwohl ich es genossen habe, was ich getan habe, ist meine Energie daran zu Grund gegangen. Aber das heißt nicht, dass ich diese Phase als „hypomanisch“ bezeichnen würde. Die Symptome passen: übersteigerte Energie, viele Ideen gleichzeitig, großer Antrieb. Es tut mir Leid, liebe Psychologinnen und Psychologen. Aber ich sprudelte vor GLÜCK. Das dies als krankhaft angesehen wird, ist doch sehr bezeichnend oder??

Für meine Familie war ich letztendlich wieder die zurückgezogene Anne. Obwohl ich vorher eher zurückgedrängt bzw. innerlich abgelehnt wurde (die laute, impulsive Anne war unerträglich), stand meine Familie jetzt vor einem großen Fragezeichen. Jetzt war ich wieder die komplett andere Anne. Zurückgezogen, unsicher und leer.

Diese Phase fühlte sich noch auswegloser an als die davor! Mehr dazu hier.

10 Etappen in 3 Wochen

Meine letzten Einträge unter dieser Rubrik waren laut, bunt, fröhlich und optimistisch. Jetzt schreibe ich etwas nachdenklich, da so viel passiert ist, was mich bis an den Rand meiner Traurigkeit gebracht hat. Aber Dinge und Ereignisse haben mich auch unendlich glücklich gemacht und berührt. Ich beginne mit den tollen Ereignissen und arbeite mich bis zu den verändernden Etappen vor:

1) Köln

Natürlich steht Köln bei mir an erster Stelle. Hier mache ich immer die coolsten Erfahrungen. Wir wollten ja auch ursprünglich dahin ziehen (haben wir übrigens auch noch nicht ganz aufgegeben). Wir waren drei mal in Köln: Das erste Mal Pepe, Luki und ich alleine. Da haben wir nur etwas in der Stadt gegessen, auf einem Sonntag. Nicht so spektakulär. Das zweite mal haben wir dort einen sehr wichtigen Freund für mich getroffen. Er hat mir auch während meiner Wohnungssuche in Köln Unterschlupf gewährt. Hier ein paar Fotos:

Wir hatten sehr viele tolle Gespräche, insbesondere auch, weil unser Freund schon Erfahrungen im Iran gesammelt hat. Sein Vater hat mal in Teheran gearbeitet. Zu einer gaanz anderen Zeit. Außerdem hat er Erfahrungen aus den USA und Kanada, da er dort gelebt hat. Dies ist sehr bereichernd, da wir uns auch alle auf englisch unterhalten können.

1.1 POETRY SLAM IN KÖLN

Ja- ein sehr sehr bewegendes Ereignis in Köln war auch mein erster Auftritt auf einem Poetry Slam im Sonic Ballroom in Köln- Ehrenfeld. Ich möchte dazu noch einen gesonderten Blogeintrag machen, deshalb gebe ich hier erstmal nur ein paar Fotos für den Einblick. Wichtig für mich an dieser Stelle ist, dass so viele Freunde mich unterstützt haben. Auch meine Schwester und ihr Freund waren dabei. Diese Leute mit meinem Text über Depression zu berühren hat mir alles bedeutet. Achja: „Funfact“: Uni- Wissen: Niemals die Überschrift 1.1. machen, wenn kein 1.2. folgt. Ich scheiß‘ jetzt drauf 😀 Mein Blog – Meine Regeln

2) AACHEN

Aachen ist für uns auch eine tolle Stadt. Viele coole Kneipen – Studentenstadt halt. Da saßen wir auch mit ein paar Freunden und haben die Sonne genossen und es uns mit Bier/Waffeln gut gehen lassen. Schaut selbst:

Ein sehr, sehr cooler Trip war aber auch der Flohmarkt in Aachen, namens „Melan“. Es gibt da Unmengen an Menschen, Unmengen an Schrott und auch das eine oder andere Schätzchen. Ich finde diese Atmosphäre toll und liebe es, coole Dinge zu entdecken. Grundsätzlich Flohmärkte/Basare/Second Hand finde ich super.

3) Die Tiere von Stolberg

Ich verliebe mich mehr und mehr in die natürliche Welt der Tiere. Luki (unser Hund) hat mich sozusagen eingeladen. Zunächst haben Pepe und ich unsere Freundin aus Finnland auf dem „Gnadenhof Stolberg“ besucht. Dies ist ein Tierschutzverein Aachen. Es gibt dort Natur pur, in der die alten und kranken Tiere gepflegt werden. Für mich eher traurig zu sehen, was das Alter auch z. B. mit Pferden macht. Da stelle ich mich schon die Frage, ob das Leben dort noch lebenswert ist – auch bei Tieren. Mir ist bewusst, dass dies eine Grundsatzfrage ist. Mich erinnert dieses Gelände an die „wilden Hühner“, meine Lieblingsbücher als Kind. Kennt die jemand?

Ein anderer Trip ging am selben Tag zum Tierheim Aachen, dies heißt „zum Feldchen“. Die Straße heißt „Feldchen“, deutsch kann schon süß sein oder? Naja- wir wollten uns im Tierheim nochmal Hunde anschauen. Da wir immer noch gerne einen zweiten Hund für Luki möchten. Dieses Tierheim war der krasse Gegensatz zum Tierheim Hannover: Hannover chaotisch – niemand wusste etwas von den anderen. Tierheim Aachen komplett durchstrukturiert wie eine Hochsicherheitsanlage. Mir wurde direkt ein Zettel in die Hand gedrückt: Nicht Füttern! Nicht Anfassen! Nicht Fotografieren! Und ich dachte: Ok. Das kann man mir auch normal sagen. Aber ich verstehe die Vorsicht und ist auch gut so. Jedenfalls haben mich die Tiere dort auch etwas traurig gemacht. Viele wurden krank abgegeben und haben keine hohe Lebenserwartung. Andere sind bissig und werden vielleicht nie genommen… Ich habe das in dem Moment nicht so wahrgenommen, doch nach dem Tierheim und dem Gnadenhof war ich fix und fertig.

4) Unsere Behörden

Ihr merkt es schon, ab jetzt wird es unangenehm. Es folgen auch keine Fotos zu diesem Unterpunkt, sondern knallharte Realität – schwarz auf weiß. Ich muss mich momentan mit folgenden Behörden auseinandersetzen: Ausländerbehörde, Arbeitsagentur,- Jobcenter, Stadtverwaltung (Anmelden), Ordnungsamt (Parkproblem) und demnächst die Zulassungsstelle für unser Auto. Ja, da muss man erstmal schlucken, wenn man weiß, wie sehr dies belasten kann. Ich weiß, dass in anderen Ländern diese ganzen Behördengänge viel schlimmer ablaufen und bei uns alles top geregelt ist (Hallo Vici Viaja aus Spanien). Ja es gibt für alles und jeden eine Richtlinie, eine Verordnung, ein Gesetz. Ich möchte hier nicht verallgemeinern (auch wenn ich dazu neige. Es gibt total tolle Leute im Behördentum, Hallo Bro!). Ich habe da einen entscheidenden Makel gefunden, wenn man in einer Notsituation steckt. Die Menschlichkeit und das Empfinden oder Nachspüren, ob jemand in einer Notsituation steckt ist NULL da. Ich weiß, dass das grundsätzlich wenig vorhanden ist. Wenn aber neben dem Jobcenter eine psychische Beratungsstelle ist, finde ich das mehr als fraglich, wie dort mit Menschen in Notsituationen umgegangen wird. Niemand findet es schön, ALG 1 oder 2 zu beantragen. Wobei ALG 1 für mich ein wesentliches Recht ist, da man ja dafür auch arbeitet, um dies später bei Arbeitslosigkeit ausgezahlt zu bekommen. Meiner Meinung nach sollte es keinen Unterschied geben, ob man selbst kündigt, oder sich kündigen lässt/gekündigt wird. Für mich war meine Kündigung der allerallerwichtigste Schritt in meine Freiheit und für meine (im Lebenslauf stehende) berufliche Neuorientierung. Ne, so habe ich das nicht formuliert.

Kurz vor dem Poetry Slam

5) Probearbeiten

Die mir auf Instagram folgen, wissen, dass ich ziemlich am Boden war nach meinen Probearbeiten hier. Ihr müsst wissen, dass ich eigentlich Medien, Politik und Soziologie studiert habe. Ich habe auch die BAMF- Zusatzqualifizierung, um Integrationskurse leiten zu können. Darüber mache ich auch nochmal einen Blogartikel. Jedenfalls bin ich Deutsch als Zweitsprachen Dozentin auf dem Papier.

Ich wollte aber immer gerne nochmal ausprobieren, in einem Café zu arbeiten. Ich liebe es nämlich, Leute ins Gespräch zu bringen, Ihnen etwas Gutes zu tun. Tja – das System macht mir da aber einen Strich durch die Rechnung. Es ist so, dass ich erst in einer Bäckerei/Café hier einen Probetag hatte. Es hat mir sogar später Spaß gemacht – Ich war am Anfang sau nervös. Dies liegt auch an meinen Erfahrungen, die ich vorher gesammelt habe. Wie ihr unter der Rubrik „Meine Geschichte“ lesen könnt, habe ich schon mal in einem Restaurant in der Düsseldorfer Altstadt gearbeitet. Und super schlechte Erfahrungen gemacht, da ich sehr sehr unsicher und schüchtern war. Auch davor habe ich mal als „Spülkraft“ in einem Restaurant gearbeitet. Doch zurück zu heute: Die Chefin war am Probetag leider nicht da: Und das ist echt dumm gewesen! Eine aus der „Crew“, wahrscheinlich gute Freunden, durfte nämlich dann entscheiden, wie es gelaufen ist. Sie mochte meine Art nicht – und zack war ich raus. Obwohl die Chefin mich nicht einmal gesehen hat.

Dann versuchte ich es noch einmal hier in einem anderen Restaurant. Ich möchte jetzt gar nicht so viele schlechte Kommentare dazu verlieren. Auf Instagram habe ich meine Empörung schon kund getan. Das schlimmste war die Überwachung durch die Kameras. Ich weiß, dass das in Gastronomie oft normal ist, ABER nicht mit mir. Der türkische Boss hat dann seine Mitarbeiter angerufen, wenn sie aufs Handy geschaut haben. Ich bin auch da total motiviert gestartet und wollte unbedingt lernen, wie man richtig und professionell kellnert. Aber das zeigt dir einfach keiner, ich glaube man muss einfach selbst loslegen und einfach machen. Ich war da leider sehr zurückhaltend und habe dennoch mein bestes versucht. Irgendwann wurde aber der innere Stress so groß, da die anderen Kellner meiner Meinung nach unverschämtes Verhalten an den Tag legen. Mir kamen sogar die Tränen, die ich nicht verhindern konnte. Ich glaube, so muss es sich anfühlen „getriggert“ zu werden, vollkommen in seiner Emotion zu sein und da gar nicht raus zu kommen. Wenn diese jetzt vom Boss auch noch als ungebildete „Soldaten“ bezeichnet werden, kann ich da schon von moderner Sklaverei sprechen. Teilt mir doch gerne eure Erfahrungen zu dem Thema auf Instagram (_anvie_).

6) Meine Familie

Bitte hört euch mal den Podcast von „Goldene Marie“ an, da ich dort ein Interview habe und über meine Erfahrungen mit Depressionen spreche und auch über das Verhältnis zu meiner Familie. Ich habe da bereits schon gesagt, dass ich Abstand brauche, da wir gerade in unterschiedlichen Stadien sind, die momentan nicht zueinander passen. Es ist nicht einfach, auch mal Abstand einzufordern. Doch wenn man das Gefühl hat, dass einen Dinge runterziehen und davon abhalten, das zu tun, was man machen möchte, dann sollte man irgendwann Konsequenzen ziehen. Ich denke, gerade durch psychische Krisen wird einiges in der Familie aufgewühlt. Wenn diese nicht entstehen, wabert immer etwas unter der Oberfläche und niemand traut sich daran. Ich bin in einer Situation, in der ich vieles in Frage stelle. Gut wäre gewesen, dies in der Pubertätzeit zu tun. Meiner Meinung nach ist dann die beste Zeit, um zu rebellieren, andere Wege als die Eltern einzuschlagen. Das habe ich nie getan. Ich war immer lieb und brav. Auch in der Pubertät. Das heißt, dass ich jetzt mit 24 vieles für mich aufgedeckt habe, das bedeutet aber nicht, dass ich damit meine Familienmitglieder konfrontieren kann. Denn: Sie sind auf ihrer Art und Weise glücklich damit. Es tut manchmal weh, aber das muss ich glaube ich akzeptieren. Selbst wenn jemand nicht glücklich ist, man kann niemanden dazu bewegen, etwas zu verändern. Das muss IMMER aus einem selbst heraus passieren. Das einzige, was man tun kann, ist DA zu sein. DA zu sein, um ZUZUHÖREN. Aber Ratschläge und Tipps zu geben, sind oft nicht geeignet und verschlimmern vielleicht sogar die Beziehung, da einem Empörung, vielleicht sogar Wut entgegen springen kann.

7) Partnerschaft

Es ist ein unglaubliches Glück, wenn man seine Liebe des Lebens gefunden hat. Dies habe ich. Ich hätte niemals gedacht, dass ich mit 24 heiraten würde. Ich habe nicht ein einziges mal daran gezweifelt, dies zu tun. Liebe bedeutet für mich: bedingungsloses Akzeptieren des anderen, füreinander da sein, einander vertrauen, miteinander Spaß haben und: Den anderen darin zu unterstützen, was ihn glücklich macht. Auch, wenn man dies selbst nicht tun würde. Zu sehen, dass der andere glücklich ist, macht einem selbst glücklich. Bei uns ist das so, dass wir vom Charakter sehr ähnlich sind und auch die gleichen Interessen haben. Im Groben sind das Sonne, Reisen, mit Freunden Spaß haben und das eine oder andere, was ich hier nicht schreibe haha. Aber wir können auch unglaublich gut diskutieren und ich habe das Gefühl, dass ich an unseren Gesprächen reife und sie mich weiterbringen. Beste Bros zu sein und gleichzeitig Liebende. Für mich gibt es nichts Besseres.

In den letzten Wochen zerrt jedoch die Situation auch manchmal an uns als Paar. Wenn der eine schlecht drauf ist, schwappt das auf den anderen über. Und dann addiert sich der Schmerz bei jedem einzelnen nochmal. Daher ist es so wichtig für uns, dass wir uns nicht gegenseitig verrückt machen. Sondern eher einander aufbauen und unterstützen als gemeinsam in diese „Negativspirale“ zu fallen.

8) Freunde

Zunächst einmal ist das so, dass ich gemerkt habe, wer meine beste Freundin ist.

NHI. das geht an DICH!! Du warst da, hast mir zugehört, als ich im Tief war. Als ich Höhen hatte. Ich bin dir sehr dankbar und weiß, dass ich das gleiche dir zurückgeben kann. Du bist ein total toller Mensch mit einem so großen Herz, das ich beschützen will 🙂

Leider sind wir gerade räumlich begrenzt. Du bist aber immer in meinem Herzen!

9) Meine Entwicklung – bis jetzt

Haha, das ist natürlich nicht so runter zu schreiben. Ich schreibe vieles hier sehr schnell, weil es mir eben direkt einfällt. Zu meiner Entwicklung kann ich bis jetzt folgendes sagen: Ich fühle mich innerlich, als hätte ich sehr viele schwere Lasten abgelegt, ich fühle mich freier. Ich mache das, was mir gefällt. Ich entdecke mich mehr und mehr und man kommt glaube ich niemals an einen Endpunkt. Ich bin sehr viel selbstbewusster, da ich mich mehr kenne und mehr liebe. Ich achte nicht mehr so sehr darauf, was andere denken könnten. Ich analysiere gerne meine Umgebung und merke dabei, wie schmerzlich Entwicklungen sein können. Kurz: Ich habe die Augen geöffnet. Für Liebe, aber auch für Hass und Dinge, die schief laufen. Da spreche ich insbesondere Entwicklungen in der Psychotherapie/Psychiatrie an. Was ich aber noch nicht mache und woran ich arbeiten möchte: Meinem Körper gezielt Gutes zu tun. Das heißt, ich möchte etwas abnehmen, aber nicht, um anderen dies zu zeigen, oder mich zu beweisen. Nö, weil ich meinen Körper liebe. Auch dazu gehört die Ernährung und mit der möchte ich mich noch intensiver auseinander setzen. Was zu meiner Entwicklung dazu gehört, ist auch spontan Dinge zu tun, die glücklich machen. Pepe hat z.B. mein Pony spontan geschnitten und ich bin mega zufrieden.

Das war genau am 01.04.2019. Da habe ich meinen Poetry Slam Text öffentlich vorgetragen. Eigentlich habe ich den gar nicht für den Poetry Slam geschrieben. Sondern für mich. Als Verarbeitung. Ich kann sagen: Das macht glücklich! Tu es für dich. Und sei nicht abhängig von Bewertungen 🙂

10) Berufliche Orientierung: Die Erfahrungsexperten in Berlin

Ich bin auch einen Schritt weiter gekommen, in dem was ich machen möchte. Ich werde derzeit wieder eine Stelle als Dozentin annehmen, aber dieses mal suche ich mir den Arbeitnehmer genauer aus. VHS wäre halt super. Ich muss sagen, ich würde das tatsächlich primär machen, um besseres Geld zu verdienen und mich nicht verhetzen zu lassen (aka Café/Restaurant Kellnerin).

Ich habe für mich eine Fortbildung entdeckt. Ich möchte eine Ausbildung als Kursleiterin für das Resilienztraining RAMSES 1 und 2. machen:

Mit dem von uns entwickelten Resilienz-Trainingsprogramm RAMSES kann die Resilienz, d.h. die seelische Widerstandsfähigkeit von Erwachsenen gestärkt werden.

-> RAMSES steht für „Resilienz durch Achtsamkeit und Mitgefühl und Schaffung emotionaler Stabilität“.

Wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass die Ausprägung bestimmter psychologischer und psychosozialer Schutzfaktoren für die Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung eine wichtige Funktion haben. Diese Faktoren kann man trainieren. Beim Resilienz-Training geht es demnach um die Aktivierung bzw. Optimierung sogenannter Resilienzfaktoren/-eigenschaften.

Die Erfahrungsexperten:
https://www.die-erfahrungsexperten.de/ausbildung/#1538998999741-7e3ba174-279f , abgerufen am: 07.04.19

Nochmal zusammengefasst geht es darin, Widerstandskraft zu entwickelt und innere Ressourcen in Krisen zu nutzen. Dabei spielen Achtsamkeit (z.B. Meditationen) und auch Selbstmitgefühl eine entscheidende Rolle.

Dadurch, dass ich Sozialwissenschaften studiert habe, können die Teilnehmer/innen solche Trainings sogar von der Krankenkasse bezahlen lassen. Hurra. Die Fortbildung ist erst im Juni: Ab dann könnt ihr euch gerne bei mir melden:)

Wie ihr seht, Freunde: Es ist sehr viel passiert! Und es wird noch mehr passieren! Also bleibt dran und begleitet mich weiter auf meinem Weg. Ich würde mich sehr sehr freuen, wenn ihr mir eine Nachricht auf Instagram schreiben würdet. _Anvie_ 🙂 Klickt hier.

STOLBERG – die Kupferstadt, die kein Kupfer hatte

Freunde. Ich melde mich wieder. Dieses mal direkt aus Stolberg, da wir jetzt hier hingezogen sind. Ich kann euch schon mal sagen: Es war eine Entscheidung aus dem Herzen heraus und daher 100 Prozent richtig. Natürlich dachten wir zwischendurch auch mal nicht so, denn jeder Anfang wird natürlich nicht leicht. Doch spulen wir noch einmal zurück, genau eine Woche vorher haben wir die Entscheidung gefasst, spontan früher nach Ronnenberg zu ziehen. Vorher haben wir uns noch von Pepes Cousine und ihrer Familie verabschiedet, mir denen wir eng im Kontakt stehen.

Ich habe alle total ins Herz geschlossen und würde Liana (siehe Bild) am liebsten aufwachsen sehen.

Doch kurz darauf ging auch schon der Umzug los. Wir gaben uns am Anfang eine Stunde, um alle Sachen zusammen zu packen, die wir für den Start brauchten. Ja – zwei Optimisten am Start. Leider entwickelte sich daraus ein riiiiesiger Stress. Ich hatte einen sehr starken inneren Drang, endlich nach Stolberg zu ziehen. Jedoch wurde der gestoppt: Wir hatten uns leider ausgeschlossen und konnten nicht in unsere Wohnung. Wir hatten vorher schon mal über 300,- gezahlt für den Schlüsseldienst. Dementsprechend standen wir unter Strom und hatten überlegt, doch später zu fahren. Ich habe mir das aber so sehr in den Kopf gesetzt (sagt man das so? oder ist das eine Plattdeutsch – Übersetzung), dass wir es doch an dem Abend noch geschafft haben. Und es hat sich gelohnt!!! Pepe ist am nächsten Tag nochmal zurück gefahren, um für Ordnung zu sorgen (da wir die Wohnung zu fluchtartig hinterließen) und ich hatte hier Zeit, mich in unserer neuen Wohnung einzufinden. Und ich LIEBE es hier.

Also nicht nur unsere Wohnung mit Balkon ist bombastisch – wir haben auch noch super tolle und hilfsbereite Nachbarn. UND: Sie sind nicht deutsch, sondern sprechen russisch. So saßen wir dann bei unserer Nachbarin – vor russischem Gebäck – und unterhielten uns über alle möglichen interessanten Themen auf deutsch, englisch, russisch und ich warf noch ein paar persische Wörter rein. Kurz: ICH LIEBE ES. Ich liebe dieses internationale Beisammensein. Dieses Offensein für andere, weil man eben auch andere braucht. Einfach ein paar Leute auf einem Haufen, die sich nach Freunden sehnten.

Aber natürlich gibt es auch Probleme – viele Läden sind leer, die Stimmung ist bei vielen Stolbergern nicht gut. ABER: Ich finde es besser, lieber offen zuzugeben, scheiße drauf zu sein, anstatt vorzugeben, alles sei in Ordnung. Also damit kann ich arbeiten. Und fühle mich sooo viel wohler als in der Gegend um Hannover. Nichts gegen andere Leute oder gegen andere Städte, aber dies ist mein Blog. Also meine derzeitigen Gedanken und Gefühle gebe ich preis (das kann ja bei jedem anders sein).

Also Pepe und ich sind sehr sehr glücklich hier und ich werde immer sicherer, dass wir in der Stadt etwas bewirken können. Wir planen GROßES :). Darüber später mehr.

Liebe Grüße Leute. Schreibt mir auf Instagram 🙂

Anne

Die 2. Depressionsphase: Teil 2

Wie ihr aus meinem letzten Blogeintrag herauslesen konntet, haben viele äußere Umstände dazu geführt, dass ich mich innerlich extrem gestresst habe. Ich rede hier vor allem von meinem Studium und meinen beruflichen Entscheidungen. Insbesondere war ich ein Meister darin, souverän und ruhig nach außen zu wirken. So habe ich ja auch meine Stelle als studentische Hilfskraft bei der Personalberaterin bekommen. Dabei war mein vorheriges Praktikum eine Katastrophe. Sich aufgrund dieser Grundlage zu bewerben, empfinde ich heute höchst problematisch.

Auch meine Hausarbeit hat mich sehr überfordert, wie ihr schon lesen konntet. Das liegt daran, dass ich selbst nicht genau wusste, warum ich das alles machen muss. Es ist ja schließlich mein Leben und warum hatte ich immer das Gefühl, dass es fremdgesteuert war? Nur leider hat mir die Fremdsteuerung dann keine Hinweise gegeben, was ich denn genau zu tun habe. Da spreche ich wieder meine Hausarbeit an. Ich erinnere mich, wie ich an meinem Schreibtisch saß, eigentlich nicht mehr konnte und den Berg an Literatur vor mir. Eigentlich waren es drei Bücher von Jon Kabat Zinn. Aber eines hatte 300 Seiten. Und diese musste ich mit einem anderen Autor vergleichen, der über Spiritualität schrieb. Versteht ihr diese „Zwickmühle“, über etwas schreiben zu müssen, was einem selbst persönlich betrifft, man aber keinen Zugang zu sich selbst hat?

Ich erinnere mich gut, dass mein Bruder, der auch in Düsseldorf wohnte, mich genau in diesem Augenblick, als ich vor meinem Schreibtisch saß, besucht hat. Er hat mich verstanden und mich gefragt, warum ich denn von MÜSSEN spreche. Er hat mich gefragt, was passieren würde, wenn ich dies nicht tue. Wenn ich diese Hausarbeit nicht schreibe. Tja – Gute Frage. Ich hatte zu der Zeit keine Antwort. Jetzt hätte ich sie: es würde NICHTS passieren. Lediglich, dass ich mich endlich nur um mein inneres Wesen kümmere, als mich von außen fremdsteuern zu lassen.

So kam es dann, dass ich mich weniger und weniger gespürt habe. Ich fuhr wieder nach Hause. Da ich nicht in der Lage war, mir selber einen Therapeuten zu suchen, hatte ich zum Glück familiäre Unterstützung. Ich „geriet“ schließlich an eine ärztliche Psychotherapeutin (spezialisiert in Verhaltenstherapie), die mich erstmal aus diesem riesigen Loch, in das ich gefallen war, rausholen wollte. Und zwar mit Antidepressiva. Erst bekam ich Citalopram, mit einer niedrigen Dosis angefangen und sich langsam steigernd. Es ging gar nicht um therapeutische Gespräche. Ich durfte meine Depression beschreiben und antworte mit etwas, das sie hören wollte: Schwarzes Monster?! Naja, die Medikamente halfen mir tatsächlich. Auch wenn ich immer skeptisch war, wenn die Dosis erhöht wurde. Diese Zweifel sind die GANZE ZEIT während meinen therapeutischen Behandlungen geblieben. Darüber werde ich später noch mehr erzählen. Auch über meine Probleme, den Therapeuten zu vertrauen, werde ich später noch etwas sagen.

Jedenfalls hat sie mich ganz gut aus meinem Loch geholt. Die Symptome wurden behandelt. Doch leider nicht die Ursachen. Es gab sehr gute Ansätze der Verhaltenstherapie. Insbesondere Ansätze wie „Gedanken beobachten“: Stelle dir vor, du wärst das Schachbrett, auf dem die schwarzen und weißen Figuren gegeneinander kämpfen. Die weißen Figuren sind die positiven Gedanken und Gefühle, die schwarzen die negativen. Du hast beides, jedoch nehme nicht nur die eine oder andere Seite an. Du BIST das Schachbrett und NICHT die Figuren. Insbesondere Abstand zu seinen depressiven Symptomen zu gewinnen, empfand ich später als hilfreich. Eben NICHT mit den Symptomen zu verschmelzen, nicht mit dem Kopf gegen die Wand. Sondern das Blatt der Symptome auf dem Schoß. Meine Therapeutin hat mir immer ein Blatt direkt vor’s Gesicht gehalten. Dies sollte symbolisieren, dass ich tief drin steckte und mehr Abstand gewinnen müsste. Das Blatt auf den Schoß legen.

Wie ihr im nächsten Blogeintrag sehen könnt, werde ich von meinem ersten CRAZY NEW START berichten. Klingt verrückt, ist es auch, denn viele Therapeuten vermuteten eine bipolare Störung. Denn: Ich habe nur noch das gemacht, was mir Spaß gemacht hat. Ohne (!) irgendjemandem zu schaden. Und auch mir selbst habe ich nie geschadet. Dies finde ich extrem wichtig, um eine rückblickende Diagnose zu stellen. Ja, ich stelle sie mir jetzt selbst, bzw. lasse mich nicht stigmatisieren. Da kommt auch der Verein „KRASS e.V.“ ins Spiel. Schaut‘ immer mal nach unter den „Biggest Crazy New Starts“. Dies findest du hier.

#Staytuned

Liebe Grüße

Anne

Die 2. Depressionsphase: Teil 1

Willkommen zurück Freunde.

Wir bleiben im Jahr 2015. Es ist das vierte Semester. Aus meinen Aufzeichnungen zu diesem Jahr weiß ich, dass das Semester ganz gut lief. Ich habe meinen Stundenplan nicht mehr so voll gepackt. Habe nur noch das Nötigste gemacht (was mehr als genug war). Ich war mit einer Freundin (für mich immer noch sehr wichtig) in Heidelberg. Die Stadt war für mich so unglaublich schön. Süddeutschland ist doch echt anders, als hier im „Norden“. Meine C1- Französisch- Lehrerin hat mich ziemlich runter gemacht, habe aber ne coole Frau in dem Kurs kennen gelernt, deshalb war das halb so wild. Jetzt frage ich mich: warum um Gottes Willen C1- Französisch und nicht A1 Spanisch. Hinterher ist man immer weiser. Außerdem habe ich in dem Semester eine Kölnerin kennen gelernt. Da fing auch die Liebe zu Köln an. Es war aber so unfassbar weit weg von meinem Selbstverständnis, leider. Diese offene, humorvolle, liebevolle Art gefällt mir so unglaublich gut. Auch dem Dozent mal sagen, wenn was scheiße läuft. Unfassbar gut. Es ist wirklich unglaublich, wenn ich daran denke, dass wir zusammen an einem Lehrforschungsprojekt gearbeitet haben zum Thema „Connected Continent“ (Telekommunikation) WAAAS?! Wie haben wir das denn geschafft. Ein Satz aus meinem Aufzeichnungen: „Sie (die Kölnerin, jetzt Berlinerin) hat total viel Ärger am Hals aber ist trotzdem immer am Lachen“. Verzeiht mir mein Deutsch manchmal, aber scheiß drauf haha.

Dann ging es bergab: Und zwar aufgrund des im vorherigen Post beschriebenen Praktikums bei einer renommierten Personalberatung in Düsseldorf. Von Ende Juli 2015 bis Oktober 2015, drei fucking Monante, weil es mein fucking Pflichtpraktikum war. Letztendlich wurde ich krass für meine Art gemobbt. Ich wollte zu der Zeit alles wissen, war neugierig, super schnell und wollte alle Abteilungen einmal sehen. Tja- nur Kaffee kochen konnte ich leider nicht, das war mein Manko. Es kamen Sätze während des Feedbackgesprächs: „Was hattest du eigentlich für eine Erziehung?!“ (Ich habe da Schokolade aus dem Regal „geklaut“).

Dann fing nahtlos das fünfte Semester an: Oktober 2015. Meine Fächer waren derart willkürlich zusammen gelegt, dass ich eine Hausarbeit in dem Kurs „populäre Religion – Auf dem Weg in eine spirituelle Gesellschaft“ schreiben musste. Dies bedeutete ein Leistungspunkt im Fach Soziologie. Im Nachhinein super spannend. Aber doch nicht zu dieser Zeit. Es geht um ein unglaublich spannendes Thema: ACHTSAMKEIT. Ja in meinem Soziologie Studium habe ich mich mit Jon Kabat- Zinn und seiner „Mindfulness-based-stress-reduction“- Therapie befasst und absolut gar nicht gewusst, was ich da eigentlich schreibe. Jetzt weiß ich es. Beschäftigt euch auch mal damit, kann ich nur empfehlen. Folgendes Zitat stammt aus der Zeit:

„Ich fühle mich aber irgendwie überfordert, diese [Hausarbeit] zu schreiben, da ich nicht genau weiß, wie ich die schreiben soll. Ich glaube hier liegt das Problem!! Ich habe nie gelernt, eine Leistung zu erbringen, ohne zu wissen, wie die Dozentin dies haben möchte! In der Schule war ich gut, da ich genau wusste, wie die Lehrerin dies ausdrücken würde und habe dies geschrieben. Jetzt weiß ich nicht genau, wie es richtig geht und muss meine eigene Herangehensweise einfach befolgen, ohne zu wissen, ob es richtig ist! Selbst wenn sie dies nicht so haben möchte, habe ich es einfach nach meiner eigenen Logik gemacht.“

wörtliches Zitat aus Aufzeichnungen, Ende 2015

Für mich derzeit unfassbar zu entdecken, dass ich zu dieser Zeit wirklich nicht wusste, was meine eigene Art zu schreiben ist. Ich war restlos überfordert. Und es ging um Meditation, dem Anfängergeist, Achtsamkeit. Aber im Hinblick auf soziologische Ansätze der Spiritualität. Interessant, aber weeeeit weg von mir zu der Zeit.

Dann habe ich eine Arbeit im Bereich der Personalberatung angefangen und zwar als studentische Hilfskraft. Ich war so unglaublich überfordert, da ich für die selbstständige Personalberaterin, mit Sitz in Düsseldorf, eine Software installieren sollte, die ihr Recruiting protokolliert. Ich und Technik? Ähm. Ich war so unfassbar frustriert. Das Problem war, dass ich mich als eine Studentin vorstellte, die viele Erfahrungen bei der anderen Personalberatung gemacht hatte, die einen Namen hat. Das heißt, sie wusste gar nicht, wie dunkel es bereits zu der Zeit in mir aussah. Ich habe letztendlich ein Spiel gegen mich gespielt. Das Spiel des „sich- nach – außen – hin – positiv – darstellen, um Karriere zu machen“. Letztendlich hatte ich totale Bauchkrämpfe und unnormale Reaktionen meines Körpers. Eindeutige Signale oder? Ich habe lange dafür gebraucht, dass ich mir endlich Hilfe hole.


Liebe Frau Ausgedacht,
ich habe da noch ein paar Worte, die mir am Herzen liegen. Ich möchte mich gerne bei Ihnen für Ihre Gutherzigkeit und Offenheit bedanken. Ich glaube nicht, dass ich so schnell noch einmal so eine verständnisvolle Chefin finden werde. Daher habe ich auch oft an meiner Entscheidung gezweifelt, ob ich diese nicht doch bereue. Der Grund, warum ich gekündigt habe, liegt nicht daran, dass wir einige Startschwierigkeiten hatten. Ich denke, wenn ich dafür bereit gewesen wäre, hätte ich mich tiefer in diese Sache hineingekniet und es weiter versucht.

Ich habe jedoch gemerkt, dass ich erstmal wissen muss, was mich eigentlich wirklich interessiert [Kommentar jetzt: Gott sein Dank]. Denn momentan bin ich sehr unglücklich mit meinem Studium, ich war eigentlich noch nie wirklich damit zufrieden. Es macht für mich auch erstmal keinen Sinn, in andere Personalberatungen reinzuschnuppern, da ich wahrscheinlich etwas ganz anderes ausprobieren möchte. Momentan habe ich die Idee, mich ehrenamtlich zu engagieren. Vielleicht ist der soziale Bereich ja auch etwas für mich. Falls das nicht so ist, werde ich ja immer noch meinen Bachelor hoffentlich in der Tasche haben, da ich vorhabe, trotz aller Schwierigkeiten mein Studium fertig zu machen.

Ich wollte Ihnen dies nur kurz mitteilen, wie es so innerlich in mir in der letzten Zeit aussah, da Sie es nicht verdient haben, dass ich ohne Erklärung oder Verabschiedung so abrupt gehe.

Ich bin mir sicher, dass Sie auch ohne mich – bzw. wahrscheinlich grade ohne mich – weiterhin sehr erfolgreich sind. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute!

Liebe Grüße
Anne

Das habe ich mehre Wochen nach meiner Kündigung geschrieben. Ich bin ohne eine Erklärung abzugeben, gegangen. Den Brief habe ich leider nie abgeschickt.

Diese Zeilen zeigen euch, dass ich super unsicher in meiner Berufswahl war. Sehr gefangen in falschen Überzeugungen, dass die Jobsuche erstmal das Wichtigste ist. Ich habe mich sehr missachtet und dementsprechend bin ich tiefer in die „Depression gerutscht“. Letztendlich ist die Depression die Rettung deiner selbst. Doch dafür habe ich lange gebraucht. Mehr dazu hier.

Liebe Grüße und habt einen schönen Tag!

Anne

Stolberg- Wo mein Herz mich hinführte

Also dieses Bild da oben beschreibt es eigentlich am Besten, wie ich mich fühle. Befreit und der Weg wird sichtbarer. Wie ich schon im letzten Blogeintrag beschrieben habe, entpuppte sich die Wohnungssuche Stück für Stück als Flopp. Als ich aber dann vor geschlossener Tür in Köln vor einem Apartment stand, wusste ich gefühlsmäßig aber schon, dass ich sowieso in Stolberg zu Hause bin.

Und das kam so: Ich saß in Ehrenfeld in dieser familiären Pizzeria und überlegte, was mache ich jetzt? Ich war -nachdem ich auch noch meine kurz vorher im Copy Shop ausgedruckte Bewerbung im Café daneben abgegeben hatte – und von A nach B gerannt bin, ziemlich „auf gut deutsch“ im Arsch. Ich wollte nur noch ins Bett, hatte aber leider keins. Da kam meine Rettung aus Instagram, weil ich da vorher Hilferufe gestartet hatte. Dies habe ich bereits in meinem letzten Blogeintrag geschrieben. Und dann war ich bei Ilham in Stolberg und wurde super herzlich aufgefangen. Dies gibt es selten und ich werde das nie vergessen. Jedenfalls haben wir am nächsten Tag eine kleine private Rundtour durch die Stolberger Altstadt gemacht. Und ab da war ich verliebt: Es ist so wunderschön. Doch seht einfach selbst in den Fotos 🙂

Mission Impossible: Anne in Köln auf Wohnungssuche

Hallo Freunde,

die mich auf Instagram verfolgen, werden gemerkt haben, dass ich turbulente Tage hinter mir habe. Doch fangen wir von vorne an:

Es ist 18.30 am Sonntag, den 10.03.2019: Ich befinde mich am Düsseldorfer Hauptbahnhof und es herrscht Ausnahmezustand: Aufgrund des Unwetters sind alle Züge ausgefallen und ich wollte unbedingt nach Köln! Ich sehe, wie eine 100m lange Schlange vor dem Infopoint wartet, um die gleiche Auskunft wie alle zu erfahren. Ich stelle mich nicht da an und frage die nächsten Leute, die neben mir stehen: „Habt ihr gehört, ob die Züge noch wieder fahren?“. Antwort war: „Scheinbar ab 20:00 wieder“. Hm, da kann ich auch an Ufos glauben, die um 20 Uhr auf der Erde landen werden. Jedenfalls habe ich dann gefragt, ob sie auch nach Köln wollen. Klingt naiv? Ich fordere gerne mein Schicksal oder Karma heraus. Jedenfalls zeigen sie mir einen jungen Mann, der nach Köln mit seinem privaten PKW fahren würde. Rupsdiwups saßen wir schon zu viert in seinem Auto. Er hat gutes Geld gemacht (25 Euro von jedem) und wir kamen sicher noch nach Köln.

In Köln am Hauptbahnhof war natürlich das gleiche Chaos, wobei die Kölner etwas schlauer waren und sich eine lange Taxischlange gebildet hat, anstatt eine vor dem Infopoint. Da ich ursprünglich eigentlich woanders schlafen wollte, saß ich jetzt in Köln am HBF und hatte noch keinen Schlafplatz. Auch mein Handyempfang war super zum Kotzen.

Ich fragte in dem Café, in dem ich saß nach einem guten Hostel, doch wirklich hilfreich war die Antwort nicht. Deshalb machte ich mich einfach auf den Weg und fragte in einem bekannten Hostel nach – doch überall alles ausgebucht. Natürlich weil mehrere Leute hier aufgrund des Unwetters gestrandet sind. Letztendlich wandelte ich in der ausgestorbenen Kölner Innenstadt umher und fand ein Hostel, etwas versteckt in der Nähe des Doms. 40 Euro, Einzelzimmer. Läuft. Ich hatte eine erholsame Nacht im Warmen und musste nicht auf der Straße schlafen und dies war das Wichtigste.

Am nächsten Tag frühstückte ich erst gemütlich in einer Bäckerei und machte mich dann schnell auf in meinen Lieblingsstadtteil: Köln Ehrenfeld. Ich war unterwegs mit meinen Luftballons, die ich von der Hochzeit dabei hatte. Ich saugte die Atmosphäre auf und erinnerte mich daran, dass ich dort in meiner Studentenzeit in Düsseldorf eine Freundin besuchte, die aus Köln kommt. Ich spüre hier Freiheit. Natürlich gibt es auch hier Probleme, aber gönnt mir bitte dieses Gefühl, dass ich dort hatte.

Ich habe mich tatsächlich 95 Prozent von meinem Herzen leiten lassen. Damit bin ich nicht auf die Schnauze gefallen. Wichtige Lektion für mich. Ich war in Ehrenfeld in einer wunderbaren familiären italienischen Pizzeria, danach entdeckte ich ein Jobangebot in der Nähe in einem Café, wo ich mich direkt bewarb. Jedenfalls habe ich ziemlich viel gemacht gefühlt und war dann dementsprechend ausgelaugt. Ich wollte eigentlich nur noch ins Bett. Leider hatte ich wieder keinen Schlafplatz. Ich glaube tatsächlich jetzt an Karma, da sich jemand auf Instagram bei mir meldete, die meine Story und Posts verfolgt hat. (Da hatte ich mehrmals um Hilfe gebeten). DANKE ILHAM! Sie lud mich tatsächlich bei sich zu Hause ein, wo sie mit ihrer Schwester und ihrer Mama wohnt. Ja es gibt sie: Nächstenliebe und dafür muss man nicht mal an die Bibel oder den Koran glauben. Jedenfalls landete ich dann südlich von Köln in der wunderschönen Stadt STOLBERG. Daraus soll sich noch einiges ergeben. Dies lest ihr in meinem nächsten Blogpost.

Achja: Wohnungssuche in Köln? Ich hätte eine gehabt, ja – aber das war so nebensächlich, da sie abgesagt wurde, erst nachdem ich vor dem Haus stand und dort anrufte. Tja, wenn es 10000 Bewerber gibt, dann juckt der einzelne nicht. Ich war kurz entsetzt und dann dachte ich: Es soll eh Stolberg werden!

Ich wünsche euch einen wunderschönen Tag!!

Die 1. Depressionsphase: Weitermachen!

Ich habe bereits hier etwas über diese Depressionsphase geschrieben und dass sie sehr von dem Leistungsdruck bestimmt war. Die erste Depressionsphase verlief im Wintersemester 2014/2015. Doch bevor es so weit war, bin ich sehr „unter die Räder“ gekommen, ohne es zu merken. Dazu führten mehre Faktoren:

  1. Ich habe seit meinem ersten Semester in einem Restaurant in der Düsseldorfer Altstadt gearbeitet als „Servicekraft“, da ich aber so schüchtern und unsicher im Umgang mit Kunden und dem Tablett war, wurde ich von mehreren Kolleginnen gemobbt, da ich auch nicht sehr schnell an der Theke war. Es war immer unglaublich viel in dem Restaurant los und dementsprechend sollte halt auch das Arbeitstempo sein. Doch mit meiner Unsicherheit? Puh! Ich würde mal behaupten, dass ich jetzt natürlich ganz anders mit der Situation umgehen würde, doch zu der Zeit bin ich auch einmal weinend aus dem Restaurant gerannt, da der innere und äußere Druck zu groß wurde.
  2. Ich habe meinen ersten Freund an Silvester 2013 kennen gelernt. Später stellte sich heraus, dass er an einer tiefen Depression litt. Alice Miller beschreibt in einem Buch, dass sich depressiv Veranlagte, die sich (noch) nicht behandeln lassen, oft jemanden suchen, der depressiv ist, um die eigene Depression nach außen zu tragen. So konnte ich mich um ihn kümmern anstatt um mich selbst. Da er aber so viele Probleme hatte zu der Zeit und ich ihn nicht „retten“ konnte, hat mich diese Situation zum Schluss fast umgebracht. Folgendes Zitat stammt aus meinen Unterlagen zur „Selbstfindung“:

„Er hatte viele Probleme, nahm Tabletten gegen seine Depression… aber war eigentlich immer noch depressiv, nannte mich „Engel“… Ich hatte aber ständig das Gefühl, dass ich ihm helfen muss, wenn er traurig ist. Jedoch konnte ich das nicht. Es wurde schlimmer, als er zu seinem Vater gezogen ist, mit dem er sich gar nicht verstanden hat… Da waren wir in einer regelrechten Ohnmacht. Das war meine erste Beziehung und ich hatte eigentlich nie wirklich dieses Gefühl des „Verliebt-seins“ oder auf Wolke 7- Schweben. Generell habe ich mir oft den Frust geholt, da ich mit seinem Verhalten oft nicht einverstanden war (er ist nie pünktlich aufgestanden, hat den ganzen Tag nur gezockt… das passte eigentlich nicht zu meinem üblichen Plan vom Leben.. dennoch war es immer eine Art Rückzug aus dem Alltagsleben, da er dem sozusagen ja trotzte und ich mit ihm)

Die Beziehung dauerte von Silvester 2013 bis Silvester 2014

3. Auch die Frustration im Studium stieg mehr und mehr. Ein Grund war dafür der innere Antrieb, meinen Stundenplan so voll wie möglich zu packen. Ich wollte keine „Langeweile“ und „ständig was zu tun haben“. Für mich frustrierende Fächer des Studiums waren: Öffentliches Recht, Analyseverfahren (1 und 2), ein Datenverarbeitungsprogramm namens SPSS, ein schrecklicher EDV – Kurs und zusätzlich ging ich auch noch in einer Finanzgruppe einer Studentenorganisation an meine Grenzen.Nachträglich frage ich mich natürlich, wie es dazu kommen konnte. Du fragst dich wahrscheinlich auch, warum hast du damit nicht einfach aufgehört? Insbesondere freiwilliges Engagement in einer Finanzgruppe lässt sich doch schnell aufgeben? Freunde, ich war so stark in meinem Leistungsdenken drin, dass ich das Aufgeben als ein Aufgeben meiner Leistungsmöglichkeit, ja als ein Versagen empfunden hätte.

4. Meine Oma hat einen Gehirntumor bekommen und konnte sich nach und nach immer weniger an alles erinnern, dieser hat sie regelrecht von innen aufgefressen, was sehr erschreckend war. Es tut mir etwas Leid, dass ich das veröffentliche, aber mein Freund war zu der Zeit keine Unterstützung (aufgrund eigener Probleme) aber ich denke auch jetzt noch daran, dass wir zu spät in die Leichenhalle gegangen sind, weil er unbedingt noch rauchen musste. Du kannst dir vorstellen, dass mein innerer Leidensdruck zu diesem Zeitpunkt enorm groß war.

Diese Gründe und wahrscheinlich noch mehr wie innere Veranlagung, nicht aufgearbeitete Familiengeschichte und meine Rolle in der Familie und in der Schulzeit, führten dazu, dass ich bis ans Ende gegangen bin. Das heißt, ich konnte einfach nicht mehr. Ich war noch nicht einmal in der Lage, meinem Freund zu sagen, dass ich Schluss machen möchte. Er konnte mir ansehen, wie tief ich bereits gefallen war und nahm mir sogar meine Entscheidung ab, obwohl er Angst vor dem Alleinsein hatte. Dies war dann Silvester 2014. Ich wusste, ein neues Jahr mit ihm halte ich nicht aus. Deshalb fühlte es sich nicht an wie eine bewusste Entscheidung, sondern eher wie eine Niederlage. Ich war am Boden zerstört und fühlte mich soooooo einsam, dass es sich wie das Ende der Welt anfühlte.

Es war das Jahr 2015: Es war höchste Zeit, dass ich mich endlich um mich selbst kümmere oder? Tja, leider war das Gegenteil der Fall: In den darauffolgenden Monaten habe ich eigentlich nur für die Tests und Klausuren der Uni gelernt. Ich hatte unglaubliche Angst, dass ich den Anforderungen des Studiums nicht gewachsen war: die Praktikumssuche saß wie ein Teufel in meinem Nacken. Ich wusste ja schließlich nicht wo und wie. Mein innere Stress stieg so stark an, dass ich letztendlich körperliche Beschwerden wie Bauchschmerzen, Flecken und Schwindel bekam. Ich wusste nicht, was mit mir los ist. Dies wirkt, wenn ich diese Zeilen schreibe selbst für mich erschreckend. Ich berichtete bereits von einer Klausur, die ich nach einem Nervenzusammenbruch geschrieben habe. Ich bekomme fast Tränen in den Augen, da ich merke, wie wenig ich auf mich selbst achtete und selbst nach so einem Zusammenbruch eine Klausur schrieb, die ich mit 1,3 abschloss. Wenn ich keinen Test oder keine Klausur zu schreiben hatte, war ich zu Hause bei meinen Eltern. Alles drehte sich darum, dass ich lernen musste und Angst hatte, keinen Praktikumsplatz zu bekommen. An alle, die studieren: Lasst euch um Gottes Willen Zeit dazu, selbst wenn ihr in der vorgeschriebenen Zeit kein Praktikum machen könnt, dann macht es einfach später! Bitte stresst euch nicht so, wie ich es getan habe. Zu dieser Zeit half es mir am meisten mit jemandem über das Internet zu schreiben. Ja tatsächlich über Tinder. (Märchen aus dem 21. Jh?!)

Genau aus diesem Grund möchte ich auch eine Ansprechpartnerin im Internet sein. Aber bitte nicht über Tinder, sondern Instagram bitte ;). Ich habe zu diesem Zeitpunkt mit dem Freund nicht über meine Probleme gesprochen, aber er war eine so tolle Ablenkung und er war meine Verbindung zur Außenwelt. Ich erinnere mich, wie ich im Bett lag, und mit ihm schrieb und ich verzweifelt dachte, bitte höre nicht auf, mir zu schreiben.

Als ich wieder nach Düsseldorf gefahren bin, habe ich versucht, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ich habe dort das erste Mal mit meiner Vertrauensdozentin gesprochen, die mir ans Herz legte, dass ich mir einen Therapieplatz suchen sollte.

Es wurde Frühling und ich suchte (leider) nicht nach einem Therapieplatz. Stattdessen bekam ich ein Praktikumsplatz bei einer renommierten Personalfirma in Düsseldorf. Ich habe keine Erleichterung gespürt, obwohl man dies erwarten könnte bei all dem Druck, der zumindest in Teilen hätte abfallen können. Nein, ich hatte mich zurecht gemacht, trag sogar hohe Schuhe und machte dadurch einen „guten“ Eindruck. Aufgrund meiner Zurückhaltung war ich dann die perfekte Praktikantin für mein Team. Später sollte sich herausstellen, dass dieses dreimonatige Praktikum ein Grund für die zweite depressive Phase war.

Zu dem Zeitpunkt wurde jedoch Sommer, ich „bekam mein Leben wieder in den Griff“, Volleyball machte mir Spaß, auch weil wir Erfolg hatten und die Relegation gewannen. Hallo Leistungszwang, der befriedigt wurde.

Lest hier weiter.