Die 2. Depressionsphase: Teil 1

Willkommen zurück Freunde.

Wir bleiben im Jahr 2015. Es ist das vierte Semester. Aus meinen Aufzeichnungen zu diesem Jahr weiß ich, dass das Semester ganz gut lief. Ich habe meinen Stundenplan nicht mehr so voll gepackt. Habe nur noch das Nötigste gemacht (was mehr als genug war). Ich war mit einer Freundin (für mich immer noch sehr wichtig) in Heidelberg. Die Stadt war für mich so unglaublich schön. Süddeutschland ist doch echt anders, als hier im „Norden“. Meine C1- Französisch- Lehrerin hat mich ziemlich runter gemacht, habe aber ne coole Frau in dem Kurs kennen gelernt, deshalb war das halb so wild. Jetzt frage ich mich: warum um Gottes Willen C1- Französisch und nicht A1 Spanisch. Hinterher ist man immer weiser. Außerdem habe ich in dem Semester eine Kölnerin kennen gelernt. Da fing auch die Liebe zu Köln an. Es war aber so unfassbar weit weg von meinem Selbstverständnis, leider. Diese offene, humorvolle, liebevolle Art gefällt mir so unglaublich gut. Auch dem Dozent mal sagen, wenn was scheiße läuft. Unfassbar gut. Es ist wirklich unglaublich, wenn ich daran denke, dass wir zusammen an einem Lehrforschungsprojekt gearbeitet haben zum Thema „Connected Continent“ (Telekommunikation) WAAAS?! Wie haben wir das denn geschafft. Ein Satz aus meinem Aufzeichnungen: „Sie (die Kölnerin, jetzt Berlinerin) hat total viel Ärger am Hals aber ist trotzdem immer am Lachen“. Verzeiht mir mein Deutsch manchmal, aber scheiß drauf haha.

Dann ging es bergab: Und zwar aufgrund des im vorherigen Post beschriebenen Praktikums bei einer renommierten Personalberatung in Düsseldorf. Von Ende Juli 2015 bis Oktober 2015, drei fucking Monante, weil es mein fucking Pflichtpraktikum war. Letztendlich wurde ich krass für meine Art gemobbt. Ich wollte zu der Zeit alles wissen, war neugierig, super schnell und wollte alle Abteilungen einmal sehen. Tja- nur Kaffee kochen konnte ich leider nicht, das war mein Manko. Es kamen Sätze während des Feedbackgesprächs: „Was hattest du eigentlich für eine Erziehung?!“ (Ich habe da Schokolade aus dem Regal „geklaut“).

Dann fing nahtlos das fünfte Semester an: Oktober 2015. Meine Fächer waren derart willkürlich zusammen gelegt, dass ich eine Hausarbeit in dem Kurs „populäre Religion – Auf dem Weg in eine spirituelle Gesellschaft“ schreiben musste. Dies bedeutete ein Leistungspunkt im Fach Soziologie. Im Nachhinein super spannend. Aber doch nicht zu dieser Zeit. Es geht um ein unglaublich spannendes Thema: ACHTSAMKEIT. Ja in meinem Soziologie Studium habe ich mich mit Jon Kabat- Zinn und seiner „Mindfulness-based-stress-reduction“- Therapie befasst und absolut gar nicht gewusst, was ich da eigentlich schreibe. Jetzt weiß ich es. Beschäftigt euch auch mal damit, kann ich nur empfehlen. Folgendes Zitat stammt aus der Zeit:

„Ich fühle mich aber irgendwie überfordert, diese [Hausarbeit] zu schreiben, da ich nicht genau weiß, wie ich die schreiben soll. Ich glaube hier liegt das Problem!! Ich habe nie gelernt, eine Leistung zu erbringen, ohne zu wissen, wie die Dozentin dies haben möchte! In der Schule war ich gut, da ich genau wusste, wie die Lehrerin dies ausdrücken würde und habe dies geschrieben. Jetzt weiß ich nicht genau, wie es richtig geht und muss meine eigene Herangehensweise einfach befolgen, ohne zu wissen, ob es richtig ist! Selbst wenn sie dies nicht so haben möchte, habe ich es einfach nach meiner eigenen Logik gemacht.“

wörtliches Zitat aus Aufzeichnungen, Ende 2015

Für mich derzeit unfassbar zu entdecken, dass ich zu dieser Zeit wirklich nicht wusste, was meine eigene Art zu schreiben ist. Ich war restlos überfordert. Und es ging um Meditation, dem Anfängergeist, Achtsamkeit. Aber im Hinblick auf soziologische Ansätze der Spiritualität. Interessant, aber weeeeit weg von mir zu der Zeit.

Dann habe ich eine Arbeit im Bereich der Personalberatung angefangen und zwar als studentische Hilfskraft. Ich war so unglaublich überfordert, da ich für die selbstständige Personalberaterin, mit Sitz in Düsseldorf, eine Software installieren sollte, die ihr Recruiting protokolliert. Ich und Technik? Ähm. Ich war so unfassbar frustriert. Das Problem war, dass ich mich als eine Studentin vorstellte, die viele Erfahrungen bei der anderen Personalberatung gemacht hatte, die einen Namen hat. Das heißt, sie wusste gar nicht, wie dunkel es bereits zu der Zeit in mir aussah. Ich habe letztendlich ein Spiel gegen mich gespielt. Das Spiel des „sich- nach – außen – hin – positiv – darstellen, um Karriere zu machen“. Letztendlich hatte ich totale Bauchkrämpfe und unnormale Reaktionen meines Körpers. Eindeutige Signale oder? Ich habe lange dafür gebraucht, dass ich mir endlich Hilfe hole.


Liebe Frau Ausgedacht,
ich habe da noch ein paar Worte, die mir am Herzen liegen. Ich möchte mich gerne bei Ihnen für Ihre Gutherzigkeit und Offenheit bedanken. Ich glaube nicht, dass ich so schnell noch einmal so eine verständnisvolle Chefin finden werde. Daher habe ich auch oft an meiner Entscheidung gezweifelt, ob ich diese nicht doch bereue. Der Grund, warum ich gekündigt habe, liegt nicht daran, dass wir einige Startschwierigkeiten hatten. Ich denke, wenn ich dafür bereit gewesen wäre, hätte ich mich tiefer in diese Sache hineingekniet und es weiter versucht.

Ich habe jedoch gemerkt, dass ich erstmal wissen muss, was mich eigentlich wirklich interessiert [Kommentar jetzt: Gott sein Dank]. Denn momentan bin ich sehr unglücklich mit meinem Studium, ich war eigentlich noch nie wirklich damit zufrieden. Es macht für mich auch erstmal keinen Sinn, in andere Personalberatungen reinzuschnuppern, da ich wahrscheinlich etwas ganz anderes ausprobieren möchte. Momentan habe ich die Idee, mich ehrenamtlich zu engagieren. Vielleicht ist der soziale Bereich ja auch etwas für mich. Falls das nicht so ist, werde ich ja immer noch meinen Bachelor hoffentlich in der Tasche haben, da ich vorhabe, trotz aller Schwierigkeiten mein Studium fertig zu machen.

Ich wollte Ihnen dies nur kurz mitteilen, wie es so innerlich in mir in der letzten Zeit aussah, da Sie es nicht verdient haben, dass ich ohne Erklärung oder Verabschiedung so abrupt gehe.

Ich bin mir sicher, dass Sie auch ohne mich – bzw. wahrscheinlich grade ohne mich – weiterhin sehr erfolgreich sind. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute!

Liebe Grüße
Anne

Das habe ich mehre Wochen nach meiner Kündigung geschrieben. Ich bin ohne eine Erklärung abzugeben, gegangen. Den Brief habe ich leider nie abgeschickt.

Diese Zeilen zeigen euch, dass ich super unsicher in meiner Berufswahl war. Sehr gefangen in falschen Überzeugungen, dass die Jobsuche erstmal das Wichtigste ist. Ich habe mich sehr missachtet und dementsprechend bin ich tiefer in die „Depression gerutscht“. Letztendlich ist die Depression die Rettung deiner selbst. Doch dafür habe ich lange gebraucht. Mehr dazu hier.

Liebe Grüße und habt einen schönen Tag!

Anne

Stolberg- Wo mein Herz mich hinführte

Also dieses Bild da oben beschreibt es eigentlich am Besten, wie ich mich fühle. Befreit und der Weg wird sichtbarer. Wie ich schon im letzten Blogeintrag beschrieben habe, entpuppte sich die Wohnungssuche Stück für Stück als Flopp. Als ich aber dann vor geschlossener Tür in Köln vor einem Apartment stand, wusste ich gefühlsmäßig aber schon, dass ich sowieso in Stolberg zu Hause bin.

Und das kam so: Ich saß in Ehrenfeld in dieser familiären Pizzeria und überlegte, was mache ich jetzt? Ich war -nachdem ich auch noch meine kurz vorher im Copy Shop ausgedruckte Bewerbung im Café daneben abgegeben hatte – und von A nach B gerannt bin, ziemlich „auf gut deutsch“ im Arsch. Ich wollte nur noch ins Bett, hatte aber leider keins. Da kam meine Rettung aus Instagram, weil ich da vorher Hilferufe gestartet hatte. Dies habe ich bereits in meinem letzten Blogeintrag geschrieben. Und dann war ich bei Ilham in Stolberg und wurde super herzlich aufgefangen. Dies gibt es selten und ich werde das nie vergessen. Jedenfalls haben wir am nächsten Tag eine kleine private Rundtour durch die Stolberger Altstadt gemacht. Und ab da war ich verliebt: Es ist so wunderschön. Doch seht einfach selbst in den Fotos 🙂

Mission Impossible: Anne in Köln auf Wohnungssuche

Hallo Freunde,

die mich auf Instagram verfolgen, werden gemerkt haben, dass ich turbulente Tage hinter mir habe. Doch fangen wir von vorne an:

Es ist 18.30 am Sonntag, den 10.03.2019: Ich befinde mich am Düsseldorfer Hauptbahnhof und es herrscht Ausnahmezustand: Aufgrund des Unwetters sind alle Züge ausgefallen und ich wollte unbedingt nach Köln! Ich sehe, wie eine 100m lange Schlange vor dem Infopoint wartet, um die gleiche Auskunft wie alle zu erfahren. Ich stelle mich nicht da an und frage die nächsten Leute, die neben mir stehen: „Habt ihr gehört, ob die Züge noch wieder fahren?“. Antwort war: „Scheinbar ab 20:00 wieder“. Hm, da kann ich auch an Ufos glauben, die um 20 Uhr auf der Erde landen werden. Jedenfalls habe ich dann gefragt, ob sie auch nach Köln wollen. Klingt naiv? Ich fordere gerne mein Schicksal oder Karma heraus. Jedenfalls zeigen sie mir einen jungen Mann, der nach Köln mit seinem privaten PKW fahren würde. Rupsdiwups saßen wir schon zu viert in seinem Auto. Er hat gutes Geld gemacht (25 Euro von jedem) und wir kamen sicher noch nach Köln.

In Köln am Hauptbahnhof war natürlich das gleiche Chaos, wobei die Kölner etwas schlauer waren und sich eine lange Taxischlange gebildet hat, anstatt eine vor dem Infopoint. Da ich ursprünglich eigentlich woanders schlafen wollte, saß ich jetzt in Köln am HBF und hatte noch keinen Schlafplatz. Auch mein Handyempfang war super zum Kotzen.

Ich fragte in dem Café, in dem ich saß nach einem guten Hostel, doch wirklich hilfreich war die Antwort nicht. Deshalb machte ich mich einfach auf den Weg und fragte in einem bekannten Hostel nach – doch überall alles ausgebucht. Natürlich weil mehrere Leute hier aufgrund des Unwetters gestrandet sind. Letztendlich wandelte ich in der ausgestorbenen Kölner Innenstadt umher und fand ein Hostel, etwas versteckt in der Nähe des Doms. 40 Euro, Einzelzimmer. Läuft. Ich hatte eine erholsame Nacht im Warmen und musste nicht auf der Straße schlafen und dies war das Wichtigste.

Am nächsten Tag frühstückte ich erst gemütlich in einer Bäckerei und machte mich dann schnell auf in meinen Lieblingsstadtteil: Köln Ehrenfeld. Ich war unterwegs mit meinen Luftballons, die ich von der Hochzeit dabei hatte. Ich saugte die Atmosphäre auf und erinnerte mich daran, dass ich dort in meiner Studentenzeit in Düsseldorf eine Freundin besuchte, die aus Köln kommt. Ich spüre hier Freiheit. Natürlich gibt es auch hier Probleme, aber gönnt mir bitte dieses Gefühl, dass ich dort hatte.

Ich habe mich tatsächlich 95 Prozent von meinem Herzen leiten lassen. Damit bin ich nicht auf die Schnauze gefallen. Wichtige Lektion für mich. Ich war in Ehrenfeld in einer wunderbaren familiären italienischen Pizzeria, danach entdeckte ich ein Jobangebot in der Nähe in einem Café, wo ich mich direkt bewarb. Jedenfalls habe ich ziemlich viel gemacht gefühlt und war dann dementsprechend ausgelaugt. Ich wollte eigentlich nur noch ins Bett. Leider hatte ich wieder keinen Schlafplatz. Ich glaube tatsächlich jetzt an Karma, da sich jemand auf Instagram bei mir meldete, die meine Story und Posts verfolgt hat. (Da hatte ich mehrmals um Hilfe gebeten). DANKE ILHAM! Sie lud mich tatsächlich bei sich zu Hause ein, wo sie mit ihrer Schwester und ihrer Mama wohnt. Ja es gibt sie: Nächstenliebe und dafür muss man nicht mal an die Bibel oder den Koran glauben. Jedenfalls landete ich dann südlich von Köln in der wunderschönen Stadt STOLBERG. Daraus soll sich noch einiges ergeben. Dies lest ihr in meinem nächsten Blogpost.

Achja: Wohnungssuche in Köln? Ich hätte eine gehabt, ja – aber das war so nebensächlich, da sie abgesagt wurde, erst nachdem ich vor dem Haus stand und dort anrufte. Tja, wenn es 10000 Bewerber gibt, dann juckt der einzelne nicht. Ich war kurz entsetzt und dann dachte ich: Es soll eh Stolberg werden!

Ich wünsche euch einen wunderschönen Tag!!

Die 1. Depressionsphase: Weitermachen!

Ich habe bereits hier etwas über diese Depressionsphase geschrieben und dass sie sehr von dem Leistungsdruck bestimmt war. Die erste Depressionsphase verlief im Wintersemester 2014/2015. Doch bevor es so weit war, bin ich sehr „unter die Räder“ gekommen, ohne es zu merken. Dazu führten mehre Faktoren:

  1. Ich habe seit meinem ersten Semester in einem Restaurant in der Düsseldorfer Altstadt gearbeitet als „Servicekraft“, da ich aber so schüchtern und unsicher im Umgang mit Kunden und dem Tablett war, wurde ich von mehreren Kolleginnen gemobbt, da ich auch nicht sehr schnell an der Theke war. Es war immer unglaublich viel in dem Restaurant los und dementsprechend sollte halt auch das Arbeitstempo sein. Doch mit meiner Unsicherheit? Puh! Ich würde mal behaupten, dass ich jetzt natürlich ganz anders mit der Situation umgehen würde, doch zu der Zeit bin ich auch einmal weinend aus dem Restaurant gerannt, da der innere und äußere Druck zu groß wurde.
  2. Ich habe meinen ersten Freund an Silvester 2013 kennen gelernt. Später stellte sich heraus, dass er an einer tiefen Depression litt. Alice Miller beschreibt in einem Buch, dass sich depressiv Veranlagte, die sich (noch) nicht behandeln lassen, oft jemanden suchen, der depressiv ist, um die eigene Depression nach außen zu tragen. So konnte ich mich um ihn kümmern anstatt um mich selbst. Da er aber so viele Probleme hatte zu der Zeit und ich ihn nicht „retten“ konnte, hat mich diese Situation zum Schluss fast umgebracht. Folgendes Zitat stammt aus meinen Unterlagen zur „Selbstfindung“:

„Er hatte viele Probleme, nahm Tabletten gegen seine Depression… aber war eigentlich immer noch depressiv, nannte mich „Engel“… Ich hatte aber ständig das Gefühl, dass ich ihm helfen muss, wenn er traurig ist. Jedoch konnte ich das nicht. Es wurde schlimmer, als er zu seinem Vater gezogen ist, mit dem er sich gar nicht verstanden hat… Da waren wir in einer regelrechten Ohnmacht. Das war meine erste Beziehung und ich hatte eigentlich nie wirklich dieses Gefühl des „Verliebt-seins“ oder auf Wolke 7- Schweben. Generell habe ich mir oft den Frust geholt, da ich mit seinem Verhalten oft nicht einverstanden war (er ist nie pünktlich aufgestanden, hat den ganzen Tag nur gezockt… das passte eigentlich nicht zu meinem üblichen Plan vom Leben.. dennoch war es immer eine Art Rückzug aus dem Alltagsleben, da er dem sozusagen ja trotzte und ich mit ihm)

Die Beziehung dauerte von Silvester 2013 bis Silvester 2014

3. Auch die Frustration im Studium stieg mehr und mehr. Ein Grund war dafür der innere Antrieb, meinen Stundenplan so voll wie möglich zu packen. Ich wollte keine „Langeweile“ und „ständig was zu tun haben“. Für mich frustrierende Fächer des Studiums waren: Öffentliches Recht, Analyseverfahren (1 und 2), ein Datenverarbeitungsprogramm namens SPSS, ein schrecklicher EDV – Kurs und zusätzlich ging ich auch noch in einer Finanzgruppe einer Studentenorganisation an meine Grenzen.Nachträglich frage ich mich natürlich, wie es dazu kommen konnte. Du fragst dich wahrscheinlich auch, warum hast du damit nicht einfach aufgehört? Insbesondere freiwilliges Engagement in einer Finanzgruppe lässt sich doch schnell aufgeben? Freunde, ich war so stark in meinem Leistungsdenken drin, dass ich das Aufgeben als ein Aufgeben meiner Leistungsmöglichkeit, ja als ein Versagen empfunden hätte.

4. Meine Oma hat einen Gehirntumor bekommen und konnte sich nach und nach immer weniger an alles erinnern, dieser hat sie regelrecht von innen aufgefressen, was sehr erschreckend war. Es tut mir etwas Leid, dass ich das veröffentliche, aber mein Freund war zu der Zeit keine Unterstützung (aufgrund eigener Probleme) aber ich denke auch jetzt noch daran, dass wir zu spät in die Leichenhalle gegangen sind, weil er unbedingt noch rauchen musste. Du kannst dir vorstellen, dass mein innerer Leidensdruck zu diesem Zeitpunkt enorm groß war.

Diese Gründe und wahrscheinlich noch mehr wie innere Veranlagung, nicht aufgearbeitete Familiengeschichte und meine Rolle in der Familie und in der Schulzeit, führten dazu, dass ich bis ans Ende gegangen bin. Das heißt, ich konnte einfach nicht mehr. Ich war noch nicht einmal in der Lage, meinem Freund zu sagen, dass ich Schluss machen möchte. Er konnte mir ansehen, wie tief ich bereits gefallen war und nahm mir sogar meine Entscheidung ab, obwohl er Angst vor dem Alleinsein hatte. Dies war dann Silvester 2014. Ich wusste, ein neues Jahr mit ihm halte ich nicht aus. Deshalb fühlte es sich nicht an wie eine bewusste Entscheidung, sondern eher wie eine Niederlage. Ich war am Boden zerstört und fühlte mich soooooo einsam, dass es sich wie das Ende der Welt anfühlte.

Es war das Jahr 2015: Es war höchste Zeit, dass ich mich endlich um mich selbst kümmere oder? Tja, leider war das Gegenteil der Fall: In den darauffolgenden Monaten habe ich eigentlich nur für die Tests und Klausuren der Uni gelernt. Ich hatte unglaubliche Angst, dass ich den Anforderungen des Studiums nicht gewachsen war: die Praktikumssuche saß wie ein Teufel in meinem Nacken. Ich wusste ja schließlich nicht wo und wie. Mein innere Stress stieg so stark an, dass ich letztendlich körperliche Beschwerden wie Bauchschmerzen, Flecken und Schwindel bekam. Ich wusste nicht, was mit mir los ist. Dies wirkt, wenn ich diese Zeilen schreibe selbst für mich erschreckend. Ich berichtete bereits von einer Klausur, die ich nach einem Nervenzusammenbruch geschrieben habe. Ich bekomme fast Tränen in den Augen, da ich merke, wie wenig ich auf mich selbst achtete und selbst nach so einem Zusammenbruch eine Klausur schrieb, die ich mit 1,3 abschloss. Wenn ich keinen Test oder keine Klausur zu schreiben hatte, war ich zu Hause bei meinen Eltern. Alles drehte sich darum, dass ich lernen musste und Angst hatte, keinen Praktikumsplatz zu bekommen. An alle, die studieren: Lasst euch um Gottes Willen Zeit dazu, selbst wenn ihr in der vorgeschriebenen Zeit kein Praktikum machen könnt, dann macht es einfach später! Bitte stresst euch nicht so, wie ich es getan habe. Zu dieser Zeit half es mir am meisten mit jemandem über das Internet zu schreiben. Ja tatsächlich über Tinder. (Märchen aus dem 21. Jh?!)

Genau aus diesem Grund möchte ich auch eine Ansprechpartnerin im Internet sein. Aber bitte nicht über Tinder, sondern Instagram bitte ;). Ich habe zu diesem Zeitpunkt mit dem Freund nicht über meine Probleme gesprochen, aber er war eine so tolle Ablenkung und er war meine Verbindung zur Außenwelt. Ich erinnere mich, wie ich im Bett lag, und mit ihm schrieb und ich verzweifelt dachte, bitte höre nicht auf, mir zu schreiben.

Als ich wieder nach Düsseldorf gefahren bin, habe ich versucht, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ich habe dort das erste Mal mit meiner Vertrauensdozentin gesprochen, die mir ans Herz legte, dass ich mir einen Therapieplatz suchen sollte.

Es wurde Frühling und ich suchte (leider) nicht nach einem Therapieplatz. Stattdessen bekam ich ein Praktikumsplatz bei einer renommierten Personalfirma in Düsseldorf. Ich habe keine Erleichterung gespürt, obwohl man dies erwarten könnte bei all dem Druck, der zumindest in Teilen hätte abfallen können. Nein, ich hatte mich zurecht gemacht, trag sogar hohe Schuhe und machte dadurch einen „guten“ Eindruck. Aufgrund meiner Zurückhaltung war ich dann die perfekte Praktikantin für mein Team. Später sollte sich herausstellen, dass dieses dreimonatige Praktikum ein Grund für die zweite depressive Phase war.

Zu dem Zeitpunkt wurde jedoch Sommer, ich „bekam mein Leben wieder in den Griff“, Volleyball machte mir Spaß, auch weil wir Erfolg hatten und die Relegation gewannen. Hallo Leistungszwang, der befriedigt wurde.

Lest hier weiter.

Unsere Hochzeitsvorbereitungen… Romantisch ist was anderes

Guten Tag liebe Freunde der heiratswilligen Verrückten,

heute waren wir das dritte Mal beim Standesamt, um unsere Dokumente für den Antrag unserer Heirat beim Gericht abzugeben. Da lest ihr es: Klingt romantisch, nicht wahr? Da Pepe aus dem Iran kommt, brauchen wir unter anderem die Geburtsurkunde (Shenasnameh) und die Scheidungsurkunde. Diese haben wir von einer iranischen Behörde (auf Englisch) legalisieren und von einem deutschen, vereidigten Übersetzer hier beglaubigen lassen. Die liebe Dame des Standesamtes schaut uns wieder einmal kritisch an und sagt, dass wir dies von der deutschen Botschaft im Iran hätten legalisieren lassen müssen. Daher könne sie für nichts garantieren. Da habe ich sie gefragt: Und was ist, wenn wir niemandem im Iran haben, der das für uns machen kann? Die Antwort kam prompt: Dann lassen Sie sich doch in Dänemark trauen oder heiraten nicht.

Könnt ihr euch mein Gesicht vorstellen? Also jedenfalls empfinde ich es als enorme Prozedur, obwohl es doch eigentlich ein romantischer Akt der Liebe ist oder?

Apropros romantisch: Das Bild links zeigt das schnuckelig kleine Standesamt in Ronnenberg, 7km entfernt von Hannover.

Unsere Art zu heiraten ist ganz und gar nicht mainstream 😀

Und warum? Weil wir dies momentan lediglich als behördliche Angelegenheit empfinden, um rechtliche Vorteile zu haben und zusammen reisen zu können. Vorsicht Kitsch: In unseren Herzen sind wir schon an unserem ersten Date verheiratet. 🙂 Dies ist momentan behördlicher Kram. Die Feier wird aber noch stattfinden – aber später – wenn wir in Köln wohnen und mehr Kohle haben (#facepalm). Achja- und warum wir nicht mainstream sind und ziemlich gegen den Strom schwimmen, ist auch so, da ich auf keinem Fall in einem weißen Kleid heiraten werde und er auch nicht in einem Anzug. Kann das hier jemand nachvollziehen, oder seid ihr da eher schockiert? Es passt einfach gar nicht zu uns. Auch die Trauung an sich wird wahrscheinlich nur mit Luki (dem besten Hund, der eine Schleife tragen wird) stattfinden.

Ich werde euch auf dem Laufenden halten. Hier erstmal ein paar Fotos von uns zwei Verrückten 🙂

Keine Freude ohne Traurigkeit…

Kein Hoch ohne Tief… Kein Leben Ohne Tod…Kein Lachen ohne Weinen…

Ich könnte lange so weiter machen.

Freude und Traurigkeit

Diese Fotos zeigen eigentlich sehr gut, wie mein Leben ist: Ich habe Hochs und Tiefs, bin manchmal total glücklich und manchmal todunglücklich. Hört sich etwas nach bipolar an oder? Ja, das wurde mir auch schon ansatzweise diagnostiziert. Ich wehre mich jedoch dagegen, da für mich erst etwas krankhaft ist, wenn es mich selbst schadet. Und das tut es nicht, da ich alle Gefühle leben möchte. Heute habe ich zum Beispiel nach verschiedenen Albträumen nicht gewusst, was mit mir los ist. Ich war wie in einem Loch die ganze Zeit, unfähig zu denken oder mich zu bewegen. Und gleichzeitig spürte ich eine enorme Anspannung in mir, die mich dazu aufforderte, mich zu bewegen oder etwas zu tun. Total unangenehmes Gefühl. Es ist jedoch nicht ansatzweise mit der depressiven Situation zu vergleichen. Das beruhigt mich innerlich etwas.

Zum Glück geht es mir wieder besser: Mein Verlobter hat mich zum Lachen gebracht,er hat mir einen Tee gemacht, ich habe mir ein Eis gegönnt und etwas Klavier gespielt. Ich bin unglaublich dankbar, dass er die Situation so akzeptiert, wie sie ist und sie nicht aufgrund seines Unverständnis „abtut“. Das ist für mich unglaublich wichtig und deshalb bin ich auch so froh, dass wir uns gefunden haben. Zusammen durchstehen wir auch diese schwierige Zeit, da wir regelrecht zwischen den Stühlen stehen. Wir wollen nicht mehr hier in Hannover sein, haben jedoch noch keine Wohnung in Köln gefunden. Doch gemeinsam bleiben wir optimistisch und suchen weiter! Wir geben nicht auf für unsere Träume.

Ich wünsche euch einen entspannten Sonntag und wenn es euch so geht wie mir: Sucht euch etwas, das euch gut tut 🙂

Liebe Grüße, Anne

KRASS e.V.: Der Ursprung der CRAZY NEW STARTS

Der Verein für Kunst und Kultur für Kinder und Jugendliche.
https://krass-ev.de/de/

Bei diesem Verein habe ich Anfang 2016 ein Praktikum gemacht. Es kam mir absolut nicht wie „Arbeit“ vor. Mein Herz ist aufgegangen. Aus diesem Grund habe ich mich auch danach ehrenamtlich weiter engagiert. Was mir in Erinnerung bleibt, sind die vielen Kinder, die nichts für Ihre Situation können. Sie müssen gefördert, unterstützt und gestärkt werden in ihrem Dasein. Jedes Einzelne ist wichtig für unsere Welt. Kinder sind unsere Zukunft. Ich liebe es, sie zum Lachen zu bringen und dass sie sich öffnen.

In dieser Zeit, im Sommersemester 2016, hatte ich meinen ersten ursprünglichen CRAZY NEW START. Zu dieser Zeit habe ich angefangen, positive Dinge am Tag in einem kleinen Heft festzuhalten. Dieses ist total bunt und farbenfroh geworden. Das Heft habe ich von außen mit von den Kindern gemalte Bilder geklebt.

Mal ein paar kurze Auszüge: Ich habe die Sonne am Rhein genossen und bin dann zum Flüchtlingscamp in Benrath (Düsseldorf) gegangen. Wir haben draußen in der Sonne gemalt und gebastelt. Ein asiatisches Baby saß auf meinem Schoß und ihre Schwester hat mir einen selbst gebastelten Ring geschenkt. Ich habe einige Kinder „Huckepack“ genommen und gemeinsam sind wir durch das Camp „gehoppelt“. Dies war ein großer Spaß für alle. Abends waren meine Mitbewohnerin Ramona und ich spontan auf einer Psychologie Fachschaftsparty und wir sind zusammen mit einem Fahrrad wieder zurück gedüst.

Ich habe in Köln und Hamburg Freunde besucht und die Zeit genossen. Ich habe Sport gemacht, eine Pflanze gekauft, meine Akne behandeln lassen. Gedatet. Die Vorlesungen besucht, die mir gefielen (Migration Governance), habe mich viel beteiligt, war interessiert. Ich habe auch mal die eine oder andere Vorlesung frühzeitig verlassen, wenn sie für mich unerträglich war. Kurz: Ich habe mich rundum um mein Wohlbefinden gekümmert und das getan, was mir Spaß macht. Zudem habe ich mich auch für psychologische Themen und interessiert und das Buch „Morgen bin ich ein Löwe“ von Arnhild Lauveng verschlungen. Sie kritisiert dort den Umgang in der Psychiatrie mit ihr als Schizophrenie – Patientin. Ich muss das Buch unbedingt nochmal lesen. Nebenbei habe ich mich auch noch intensiver in der Organisation KRASS e.V. engagiert. Ich war Teil der Fundraising Gruppe und später leitete ich sogar kurz die Kambodscha- Gruppe. Da hatte der Verein mal eine Schule und es ging darum, den Kontakt aufzubauen. Dieses Thema Kambodscha verfolgte ich auch mit meiner Bachelorarbeit später, da ich über das Flüchtlingsabkommen zwischen Australien und Kambodscha schrieb. Irgendwann will ich auf jeden Fall dorthin. Man macht doch eigentlich nie was „umsonst“ oder? Jedenfalls habe ich später auch noch bei den „Düsselferien“ gearbeitet und behinderte Kinder betreut für zwei Wochen. Dies hat mich allerdings an den Rand meiner Kräfte gebracht. Mehr dazu hier!

Meine „GANG
Wir saßen alle zusammen in einem Kreis und haben Begrüßungslieder gesungen. Das war toll und hat eine Gemeinschaft geschaffen.
Nochmal die GANG
Mit dem Kunstbus waren wir auf verschiedenen Spielplätzen unterwegs.
Sie haben unglaublich viele schöne Fotos gemalt.

Die unglaubliche Welt der Matrikelnummern und Creditpoints

Hallo Freunde,

bevor ich über meine anfänglichen depressiven Symptome schreibe, erkläre ich noch einmal kurz, in welcher Welt ich wie gefangen war.

Erst einmal bekommt jeder Studierende eine Matrikelnummer, mit der man im System registriert ist. Nicht Anne schrieb die Klausur, sondern die Matrikelnr. 2175276. Ja, ich kenne sie noch auswendig, da wir sie immer schreiben mussten. Auch in E-Mails gibt man immer brav seine Matrikelnr. an, auch wenn diese im unglaublich großen Mailverkehr der Uni untergeht (Ich spreche insbesondere von unserem Praktikumsbüro, eine sinnvolle Einrichtung, wenn man bedenkt, welche Unterstützung sie geben könnte). Jedenfalls war ich wie alle anderen nur eine [ganz kleine] Nummer. Wenn man psychisch nicht stabil ist und sonst immer von der Anerkennung der Lehrer lebte, kann dies durchaus ein großer Grund (unter vielen) sein, der zur Depression führte.

Bei mir fing alles im Wintersemester 2014 an: Ich hatte nicht nur einen Freund, der stark in seiner Depression verloren war, sondern auch im Studium war ich höchst unzufrieden. Dies lag daran, dass ich nicht wusste, was ich eigentlich wollte. Deshalb packte ich meinen Stundenplan so voll wie es ging (ich studierte ja schließlich „nur“ Sozialwissenschaften). Mein einziges Ziel war, die Anforderungen zu erfüllen und alle Creditpoints zu sammeln, die vorgesehen waren. Deshalb wählte ich „Öffentliches Recht“ , da dies viele Creditpoints brachte. Jurastudierende können mir bestätigen, dass dies das langweiligste Fach im ganzen Jurastudium ist und ich hatte das als Nebenfach… Ich war bei einer Studentenorganisation namens AIESEC in der Finanzgruppe (ich- Finanzgruppe? Ist schon lustig im Nachhinein. Da bin ich natürlich stark an meine Grenzen gekommen und war unglaublich überfordert. Von Statistik (Analyseverfahren) muss ich glaube ich erst gar nicht anfangen. Du kannst dir vorstellen, dass meine innere Frustration nach und nach gefährlich anstieg.

Es ging mir schlechter und schlechter. Dazu starb meine Oma an einem Gehirntumor, was für mich bis jetzt die schrecklichste Art zu sterben ist. Ich machte mit meinem Freund an Silvester Schluss, weil ich einfach nicht mehr konnte (für den Zeitpunkt wurde ich von ein paar Leuten etwas gehated).

Zu dieser Zeit war ich sehr viel zu Hause, aber da ich so sehr in dem System gefangen war, verbrachte ich meine Zeit nicht damit, mich um mich selbst zu kümmern. Im Gegenteil: Ich lernte für Tests und versuchte verzweifelt, eine Praktikumsstelle zu bekommen, denn es wurde Zeit (Im Nachhinein ein Quatsch, sich derartigen Druck zu machen). Nur WO und WAS um Gotteswillen?! Mein Stresspegel war in einer Klausur die ich zur Vorlesung „Friedens,-und Konfliktforschung“ schrieb, am höchsten. Ich glaube, dass dies ein Nervenzusammenbruch kurz vorher war, mir war schwindelig und ich dachte wirklich, ich kippe um und NIEMAND interessierte sich dafür. Das Schockierende war, ich konnte mein Gehirn so sehr auf Leistung weiter trimmen, dass ich die Klausur schrieb. Da ich dafür alles auswendig gelernt hatte, sprang sogar eine 1,3 dabei heraus. Ist schon sehr krank oder?

Jedenfalls habe ich (Gott sei Dank) alle möglichen körperlichen Beschwerden entwickelt: Ich hatte enorme Bauchschmerzen vor allem nachts, die nicht verschwanden. Ich hatte Schwindel und dachte manchmal, ich muss umkippen. Dazu kamen merkwürdige Flecken. Meine Eltern und ich untersuchten erstmal alles, um körperliche Krankheiten auszuschließen. Natürlich wurde nichts gefunden.

Bis ich dann letztendlich doch eine Psychologin aufsuchte, verging eine lange Zeit, die mich mehr und mehr in die Depression trieb…

Mehr dazu hier 🙂

Die Antwort auf mein Gespräch mit einem Karriereberater

Vorab: Wir konnten im Studium in einem Projekt vom Praktikumsbüro mehrere Angebote des „Praktikumskurses“ in Anspruch nehmen, um uns beruflich zu orientieren, insbesondere wie es nach dem Bachelor weiter gehen kann. Dabei haben wir unsere Praktikaerfahrungen in Kleingruppen ausgetauscht. Wir konnten aber auch eine Veranstaltung von Absolventen besuchen, die das gleiche oder ähnliches studiert haben und ihre beruflichen Weg darlegten. Ein Angebot, das ich freiwillig nutzte war ein Gespräch mit einem Karriereberater Ende 2015, der sonst in der freien Wirtschaft tätig ist. Es hat mich sehr aufgewühlt, verletzt und innerlich sehr stark zum Nachdenken gebracht. Er hat gemerkt, dass ich absolut keine Ahnung hatte, was ich eigentlich beruflich machen möchte und sprach dabei von einem „Nebel“ der mich umgeben würde und den ich erstmal loswerden müsste. Meine Aufgabe von ihm war es, einen Traumtag aufzuschreiben (siehe unten)

Lieber Herr Juchem,

ich schreibe Ihnen jetzt erst, da ich jetzt langsam das Gefühl habe, dass „mein Nebel“ nach und nach verschwindet. Bevor ich Ihnen aber von meinem Traum des Lebens erzähle, möchte ich Ihnen kurz erläutern, wie ich mich nach dem Gespräch gefühlt habe. Ich denke, ich war nicht die einzige, die mit dem Wunsch in das Gespräch gegangen ist, Antworten darauf zu bekommen, wie es weiter gehen soll. Ich spreche jetzt aber lieber mal nur von mir: Ich stehe kurz vor dem Bachelor und habe keine Ahnung, was ich danach machen soll. Die einzige Frage, die sich mir erstmal stellt: Arbeiten oder Master? Genau darum drehen sich auch die Hauptfragen des Praktikumskurses.

Dass Sie darauf keine Antwort geben wollten, hat mich sehr verunsichert und ins Schwanken gebracht, wie Sie es gemerkt haben. Das Resultat: Ich habe mich schrecklich mies gefühlt: Was willst du in deinem Leben, was kannst du? Genau in diese Wunden haben Sie während des Gesprächs gestochen. Die Fragen, die bei mir hängen geblieben sind: „Was war das letzte Buch, was Sie spannend gefunden haben? Was war der beste Film?“ Ich blieb stumm. Sie meinten, so hätten Sie immer weiter fragen können und dies ist auch richtig. Nach dem Gespräch habe ich Sie primär einfach für arrogant gehalten und mich gefragt, für wen Sie sich halten, als hätten Sie den genauen Plan vom Leben. Auch die Aussage, bei mir wäre es im Gegensatz zu Ihrem 20-jährigen Ich mit „Burn Out“-Syndromen eher ein „Bore Out“, grenzt schon sehr an Unverschämtheit. Noch schlimmer ist aber, Sie hatten Recht!

Letztendlich stimmt es nämlich, dass ich mich erstmal fragen muss, was mich wirklich interessiert, anstatt rational zu überlegen, was der nächste Schritt in meinem Leben sein soll: Nämlich weitere Berufserfahrungen in Personalberatungen sammeln. [Dies war ein Irrtum]. Während meines Praktikums dachte ich, ich könnte mir ein Plan von meinem Leben machen. Doch dass dies nicht so einfach ist, haben Sie mir deutlich gezeigt.

Die Beschreibung meines Traumtages klang so:
Mein Traumtag
Ich mache mich eines Tages früh morgens auf den Weg nach Malaga, um alles hinter mich zu lassen und einfach wegzufliegen. Ich entfliehe dem tristen, grauen Wetter in Deutschland und fliege der Sonne entgegen. Ich spüre direkt die warme Luftbrise, als ich aus dem Flugzeug steige. Meine Freundin wartet schon am Flughafen auf mich, läuft mir entgegen und umarmt mich überschwänglich. Zusammen fahren wir nach Cadiz und sie zeigt mir ihre WG. Lustige Leute wohnen da, mit denen ich mich direkt gut verstehe. Wir erkunden zusammen die Gegend und ich genieße den Strand und die wunderschöne Natur. Wir gehen shoppen und machen ganz viele Erinnerungsfotos. Schließlich wird es Abend und wir gehen zusammen essen, sitzen draußen und beobachten den Sonnenuntergang. Abends gehen wir in einen coolen Club, um zu feiern und ich genieße die neue Freiheit und den Spaß fern jeglicher Alltagssorgen. Endlich gelingt es mir, den Augenblick wirklich so zu leben, wie er ist, nicht mit den Gedanken in der Zukunft. Ich lebe im Hier und Jetzt und genieße es.
Und die Beschreibung meines Traumtages hat sich auch so ähnlich erfüllt.. Dieses Bild ist in Malaga entstanden, als ich mit meiner Freundin durch Spanien getourt bin (während meiner Depression) ungefähr eine Woche: Cadiz, Malaga und Sevilla (Februar 2016)

Wie ES anfing..

Ich benutze hier das Wort „es“, da ich am Anfang überhaupt nicht definieren konnte, was eigentlich mit mir los ist. Ich wusste, dass etwas nicht stimmte, aber ich konnte es nicht richtig einordnen.

Ich habe 2013 mein Abitur gemacht und mit 1,4 abgeschlossen. Ich wusste jedoch überhaupt nicht, was ich eigentlich mag und wo meine Talente liegen. Ich war gut darin, dem „System“ zu folgen und dadurch gute Noten zu haben. Es ist so wie „dem Lehrer nach dem Mund reden“. Rückblickend betrachtet, wäre eine 4 in Chemie oder Physik, dafür eine 2 in Französisch vielleicht besser gewesen, damit ich für mich besser differenzieren kann, worin ich gut bin. Viele hätten von mir erwartet, Medizin zu studieren, jedoch ist mir schnell klar geworden, als ich bei dem TMS (Test für medizinische Studiengänge) mit Pauken und Trompeten durchgefallen bin, dass ich mich damit nicht beschäftigen möchte.

Was dann letztendlich meine Aufmerksamkeit erregt hat, war das Fach Sozialwissenschaften. Ich habe mich schließlich für die Uni in Düsseldorf entschieden, um „einfach mal etwas anzufangen, mit dem Hintertürchen offen, dass ich dann immer noch schauen kann, ob es mir gefällt“… Das Hintertürchen habe ich dann leider nicht mehr gefunden… Ich hatte keine Ahnung, was man damit machen kann, ich wollte einfach nur studieren. Rückblickend hätte ich mich mit meinem jetzigen Kenntnisstand für mehr Praxis entschieden, aber hinterher ist man ja immer schlauer. 😉

Jedenfalls machte ich die ersten Semester so mit, wie ich es aus der Schule gewöhnt war: alle Texte lesen, sich beteiligen, für Klausuren lernen und möglichst gute Noten schreiben. Und dann war das dritte Semester auf einmal viel freier: Ich musste selbst wählen, was ich machen möchte. Was? Ich wusste absolut nicht, was ich denn wählen möchte, ich wusste ja nicht mal, wieso ich das genau studiere. Ich hätte es eher als „Zufall“ als als innere Entscheidung und Willen betrachtet.

Folgende Zeilen stammen aus dem Jahr 2015 (ich habe viele Aufzeichnungen während meiner Verarbeitungen):


Ich rede mir ein, ich brauche Struktur in meinem Leben. Alle Arbeitnehmer, die acht Stunden am Tag, 5 mal in der Woche arbeiten, würden mich beneiden, dass ich so viel freie Zeit habe. Doch ich weiß nichts mit dieser Zeit anzufangen! Warum stehe ich auf? Wofür? Ich fühle mich nahezu depressiv, doch das wird mir wahrscheinlich kein Arzt bescheinigen. Ich bekomme keine gesundheitliche Erklärung, warum ich mich so fühle. Ich weiß, ich muss etwas ändern, doch ich weiß nicht was. Ich kann mich kaum daran erinnern, wie es sich nochmal anfühlt, auf etwas richtig Lust zu haben. Ich fühle mich einfach wie blockiert, wenn ich sehe, wie auf Facebook manche Bilder posten und glücklich in die Kamera schauen, wenn sie im Ausland aufregende Erfahrungen machen. Doch bin ich neidisch? Möchte ich das auch?


Ich kann mir vorstellen, dass es anderen auch so geht wie mir. Doch wo sind sie? Hocken hier viele in ihren Zimmern [im Studentenwohnheim] und denken vielleicht das gleiche wie ich? Warum tun wir uns dann nicht zusammen. Dann ist man eventuell weniger allein. Vielleicht meint John Kabat Zinn genau das: seinen Blick weiten, nicht in seinem eigenen engen Gedankenkarussell verweilen. Seinen Blick auf die Mitmenschen richten, auf die Natur?! „sich mit allem verbunden“, „sich ganz fühlen“. Doch wie?

Diese Texte habe ich geschrieben, als ich nachdenklich in meinem Studentenzimmer in Düsseldorf saß. Es zeigt, wie unsicher und planlos ich in meinem Studium und in meinen Gedanken „feststeckte“. Als nächster Blogeintrag folgt eine Antwort auf ein Beratungsgespräch von einem erfolgreichen Karriereberater in der Uni.