April, April…

Ich bin ganz ehrlich: Die Aprilreflexion lade ich viel später hoch, weil ich lange gebraucht habe, um über diesen Monat zu reflektieren.

Wie gewohnt war auch der April sehr turbulent bei uns. Die Ups und Downs waren dieses mal aber noch stärker. Es hat sich äußerlich viel getan (wir sind umgezogen), aber auch innerlich tut sich momentan sehr viel. Mein Körper ist derzeit sehr erschöpft und diese Zeilen schreibe ich, während ich im Bett liege.

Ich kann euch hier erzählen, wie wir versucht haben, aus Barcelona zu „fliehen“, um auf einer 60km entfernten Ranch zu leben. Völlig autark lebt da eine Frau, die dort eine Pferderanch betreibt, alleine auf einem Berg in idyllischer Natur und versorgt sich selbst. Doch dazu kam es nicht, da die Polizei uns auf halber Strecke anhielt und zurück nach Barcelona schickte. Ich lasse mal ein paar turbulente Details aus… Falls Pepe und ich mal Kinder haben werden, werden wir auf jeden Fall viele Geschichten erzählen können.

Außerdem hatte ich im April ein extremes Tief, weil ich dachte, dass ich hier in Barcelona scheitern würde. Das kam daher, weil ich so enttäuscht war, als es mit einer Wohnung nicht geklappt hatte. Ich hatte mir schon vorgestellt, wie wir endlich unsere eigene Wohnung haben, die wir „Zuhause“ nennen können, um uns endlich was aufzubauen. Ich war so frustriert, da ich unbedingt mal ankommen wollte! Ich dachte, dass es mir alles zu viel wird in Barcelona. Dass ich nicht mehr kämpfen kann. Dass es doch zu schwierig ist. Doch ich dachte, was dann: zurück nach Deutschland? Was ist mit Pepe?

Ich habe mich aber auch durch die Unterstützung von unserer Mitbewohnerin aus dieser Verzweiflung wieder herausgeholt und für mich eine Entscheidung getroffen: Pepe und Luki sind meine Familie. Ich werde unsere Beziehung nicht aufgeben und auch nicht unseren gemeinsamen Traum, hier in Barcelona zu leben!

Meine Mitbewohnerin hat mir gesagt, dass es völlig normal ist, dass es am Anfang super schwierig wird, in einem neuen Land zu starten und unsere Ausgangssituation plus Corona erschwert es natürlich nochmal. Aber sie hat mich bestärkt und gesagt, ich solle mir morgens in den Spiegel schauen und sagen: Du bist stark! Du schaffst das. Alle Probleme werden sich lösen lassen. Doch um diese Stärke zu erlangen, muss man manchmal auch alte Laster ablegen. Alte Verzweiflungen, alte Kämpfe. Dazu gehört für mich auch, loszulassen, was ich in den letzten Monaten alles kritisiert und bekämpft habe. Es läuft wirklich viel falsch auf der Welt und auch vieles läuft im deutschen System schief. Doch dagegen anzukämpfen macht einfach keinen Sinn, weil ich dann nur meine Energie verliere. Und schließlich bin ich ja auch gar nicht mehr in Deutschland, sondern in Barcelona, wo ich schon immer wohnen wollte. Ich möchte mein Leben endlich positiv gestalten und mich entwickeln in eine Richtung, die ich möchte! „Life ist not about finding yourself, it’s about creating yourself“.

Die alten Kämpfe der Vergangenheit habe ich nämlich noch lange mit mir herumgetragen. Es hat sich wirklich „ein Schalter in mir umgelegt“, weil mir nochmal deutlich geworden ist, dass dies MEIN LEBEN ist und dass ich Ängste und Zweifel anderer nicht mehr an mir heranlasse. Denn viele Ängste sind gar nicht unsere eigenen!

Und es hat sich dann tatsächlich sehr vieles zum Positiven gewendet.Jetzt aktuell sind wir endlich in einer Wohnung in der alles passt: Großer, heller, Raum total gemütlich und künstlerisch eingerichtet. Von einem Künstler-Ehepaar aus Hannover, die hier selbst gewohnt haben. Man spürt diese positive Energie und das ist herrlich. Wir haben eine eigene kleine Terasse, auf der wir abends sitzen können und wo Luki seinen eigenen Platz hat (auch zum Schlafen). Wir haben ein großes Bett zum Wohlfühlen. Ein eigenes kleines Bad. Eine große, gut ausgestattete Küche, die wir uns mit einem wirklich netten mexikanischen Paar teilen. Und das alles im Herzen Barcelonas! Jetzt muss hier nur noch der Alltag irgendwann einkehren. Denn das wünsche ich mir so sehr! Etwas mehr Struktur, finanzielle Sicherheit, Routinen aus Sport und gesunder Ernährung.

Auch wenn ich jetzt erstmal super platt bin nach der ganzen Zeit: Ich bin mir sicher, alles wird sich positiv entwickeln, denn wir sind am richtigen Ort!

Ich glaube, die Bilder sprechen für sich!

Ich bin gespannt auf den Mai 🙂 Bis dahin, würde mich freuen von euch zu lesen! Am liebsten über Instagram: Klick hier

März 2020: Wie Corona auch uns eine Zwangspause verordnet

Anfang März Barcelona: Wenig von Corona zu spüren

Als wir in Barcelona am 03.03.20 angekommen sind, war noch wenig von der bevorstehenden Krise zu spüren: Wir haben zwei Wochen lang jeden Tag am Strand verbracht. Wir machten dort Sport, lernten beim Beachvolleyball neue Leute kennen und ansonsten waren wir auch sehr zufrieden mit der Lage der Wohnung, die wir uns mit 2 anderen Frauen teilen, 5 Minuten vom Strand entfernt. Supermärkte, Cafés, Restaurants alles in direkter Nähe und trotzdem befindet sich die Wohnung in sehr ruhiger Lage.

Es war trotzdem nicht so einfach für mich, anzukommen: Ich verspürte sehr viel Druck, da ich unbedingt eine Arbeit finden musste. Ich habe meinen Lebenslauf an diverse Unternehmen gesendet, genauer für den deutschen Kundenservice. Bis auf ein ziemlich katastrophales Jobinterview (es ging um technischen Kundenservice) fiel meine Ausbeute eher mau aus, denn ich hatte nicht viel Zeit. Denn Corona sollte schnell die komplette Welt zum Stillstand bringen. Und uns natürlich auch.

Die Ausgangssperre

Die Corona Krise begann hier relativ schleichend, jedenfalls habe ich es so wahrgenommen. Tag für Tag gab es weniger Menschen auf den Straßen und ich erinnere mich an den letzten Tag am Strand mit Luki: Ich machte dort ein Workout und neben mir war eine Frau mit drei Hunden. Ansonsten waren nur vereinzelt Leute zu sehen. Die Frau sagte mir, dass die Polizei derzeit die Leute vom Strand schickt und dass ich besser hier kein Workout machen sollte.

Am Anfang der Ausgangssperre fühlte es sich draußen so an wie in einem Film: Die Leute trugen Masken und Handschuhe und stellten sich in gutem Abstand in die Reihe vor einem großen Supermarkt. Es wurde wenig gesprochen. Die Straßen wurden leerer, Polizisten sprachen Leute direkt an und verteilten Strafen, wenn man sich nicht in der Nähe eines Supermarktes oder auf dem Weg dorthin befand. Nur dringende Dinge durfte man noch erledigen, wie zur Apotheke oder zum Arzt gehen. Am Anfang waren Pepe und ich noch zusammen mit Luki in dem Park vor unserer Haustür, wo immer viele Hunde waren. Doch dies wurde auch nicht mehr erlaubt: Nur noch eine Person pro Hund, an der Leine und 150m von der Wohnung entfernt.

Hier ein paar Bilder von der Geisterstadt Barcelona:

Was dies mit meiner Psyche macht

Ich muss sagen, dass mein Körper noch ziemlich voll gepumpt war mit Stress, durch die schwierige Zeit, die wir in Deutschland hatten. Vor allem die Jobsuche war ein weiterer großer Stressfaktor für mich. Deshalb war ich durch die Corona Krise gezwungen, „herunterzufahren“, mich auf das zu fokussieren, was ich jetzt gerade noch machen kann. Das war natürlich nicht viel und vielleicht sogar ein nötiges Stopp-Zeichen, das ich gebraucht habe.

Ich habe mich aber am Anfang gegen diese Situation gewährt und war super frustriert: Ich fand es einfach unfair, dass wir in Spanien direkt wieder ausgebremst wurden. Ich dachte mir: Wie kann es sein, dass jetzt so etwas passiert? Die Angst übermannte mich, die jetzt überall gegenwärtig war. Starke Zukunftssorgen quälten mich und ich war an einem Abend in einer extremen Ausnahmesituation: Mit Pepe zerstritten, verheult und keine Hilfe von außen erreichbar. Gedanken tauchten auf, wie z.B.: „Wenn ich jetzt in Deutschland wäre, könnte ich wenigstens in die Klinik.“ Ich war wirklich verzweifelt. Am nächsten Tag schaffte ich es zum Glück, mich selbst innerlich wieder zu stabilisieren und mir das Wichtigste vor Augen zu führen: „Wir sind gesund. Es geht uns im Moment gut. Wir fühlen uns in der Wohnung wohl und sind in Sicherheit.“ Außerdem sagte ich mir innerlich, dass ich stolz auf mich bin, da ich jetzt in Barcelona bin, was ich immer wollte. Die Situation im Außen lässt sich nicht steuern. Sich dagegen zu wehren, raubt aber unglaublich viel Energie. Folgendes Zitat dazu fand ich super:

Der innere Widerstand gegenüber der Situation wurde so intensiv und unerträglich, dass es keine Möglichkeit gab, ihr zu entkommen. So wurden sie in vollkommenes Annehmen des Nicht-Annehmbaren gezwungen. Sie wurden zur Hingabe gezwungen.“

Eckhart Tolle

Ich denke, dass es super wichtig ist, dass man das annimmt, was nicht zu ändern ist. Und sich auf das zu Fokussieren, was zu ändern ist. Und bei einem absoluten äußeren Stillstand bietet das immer die Chance, sich nach innen zu richten. Zuzuhören, was man jetzt braucht. Ich denke, diese ständige Sorge: „Wie zahle ich die und die Rechnung“ ist in solch einer Ausnahmesituation gar nicht berechtigt. Jedenfalls versuche ich mir das zu sagen, um mich so zu beruhigen.

Wie mein Isolations-Alltag aussieht

Ich dachte, vielleicht ist es ganz interessant zu wissen, wie der Alltag so aussieht, wenn man nicht rausgehen darf (außer mit Hund und für dringende Dinge). Ohne Reihenfolge und natürlich von Tag zu Tag unterschiedlich:

  • aufstehen zwischen 8 und 10: morgens mit Luki rausgehen (in den Park)
  • Workout machen (Youtube: Tanzen, High Intensive Training, oder mit meiner Mitbewohnerin)
  • mit unserer Mitbewohnerin sprechen
  • Spanisch lernen (Duolingo App, Filme, Youtube)
  • nur mit Luki raus gehen (Park) oder einkaufen
  • neue Leute kennen lernen (auf 2m Distanz im Park, keine Sorge)
  • Fotos von der Geisterstadt Barcelona machen
  • Essen kochen (macht Pepe meistens)
  • schlafen
  • Jobaussichten (Home Office – Möglichkeiten) checken
  • etwas in Instagram posten
  • lustige Tiktok Videos machen
    • von Tik Tok extrem genervt sein
  • die Krise kriegen, Insta-Pause machen
  • (Video-)anruf mit Freunden/Familie
  • allein-sein wollen / genervt sein durch die Mitbewohnersituation
    • Selbstfürsorge betreiben: Musik hören, duschen, tanzen, singen
    • Netflix schauen
  • Dinge in Deutschland klären (z.B. Nachmieter für die Wohnung)

Februar 2020 : Der Schock und die Flucht nach Spanien

  • Der Februrar fing ganz gut an: Wir ernährten uns immer besser (vegetarisch) und morgens haben wir oft Haferflocken (Porridge) mit Früchten und Nüssen gegessen
  • ich entwickelte eine Art sportliche Routine: 20 min joggen und 20 Min Workout zu Hause oder schwimmen (diese Abwechslung tat mir sehr gut)
  • Sport und gutes Essen halfen mir sehr in der Zeit, um mental „stabil“ zu bleiben
  • ich habe auf Instagram etwas zur Ganzheitlichkeit gepostet, weil ich innerlich mehr verstanden habe, was ich im Studium der Soziologie eigentlich gelernt hatte, klick hier, um zum Beitrag zu kommen
    • ich hatte ein Seminar „Populäre Religion – Auf dem Weg in eine spirituelle Gesellschaft“ (vor 5 Jahren), dabei ging es um eine Veränderung der Zahl der Anhänger eines religiösen Glaubens (Kirche) hin zur zur individuellen Auslebung der Spiritualität
    • ich finde dies so spannend, da ich tagtäglich Profile auf Instagram lesen, die aktiv ihre Spiritualität leben und diese Erfahrungen öffentlich auch weitergeben
    • und auch ich selbst spüre diese innerliche Entwicklung, mich nicht mehr an alten religiösen Überlieferungen zu halten, sondern meinen ganz eigenen individuellen Weg zu gehen
  • ich mag dieses Zusammenhalten auf Instagram und bekomme viele schöne und interessante Nachrichten, es tut gut, wenn ich mit meinen Beiträgen auch Leute erreichen kann
  • Am 11.02. startete der Persischkurs und dieser gefiel mir echt gut: Die Leute im Kurs waren cool drauf, der Lehrer ruhig und erklärte alles super entspannt. Auch seine Strategie fand ich gut, die Schrift direkt zu erklären und darüber die Aussprache zu vermitteln (außerdem Literatur,- und Umgangssprache gleichermaßen)
  • mein erstes Wort auf Persisch (ab – > Wasser ) 🙂 war echt stolz haha
  • ansonsten pläterschte das Leben weiter so dahin und Pepe und ich warteten darauf, bis sich seine Situation verbesserte (er endlich die Arbeitserlaubnis bekam)

Dann kam der SCHOCK

  • er war am 13.02. in der Ausländerbehörde, in der er gültige Papiere abgegeben hatte, weil ihm versichert wurde, dass er so die Arbeitserlaubnis (nach 2 Jahren ) bekommen würde. Er wurde aber schlichtweg angelogen, da man ihm dann den Zettel gab, dass er bis zum 20.02. entscheiden sollte, WANN und WOHIN er FREIWILLIG AUSREIST. Ansonsten würde man die ABSCHIEBUNG einleiten
  • Pepe hat mich angerufen, ich war gerade auf dem Weg nach Aachen (zum Glück parkte ich das Auto bereits), ich war komplett schockiert und konnte es einfach nicht glauben
  • ich war voller Wut, Verzweiflung, Trauer, Angst und die Tränen platzten aus mir heraus, ich konnte mich sehr lange nicht beruhigen
  • es fühlte sich an wie ein Arschtritt, den man uns verpasste: skrupellos und einfach ohne Gnade: denn der Grund der Abschiebung war, dass unsere Heirat nicht unmittelbar bevorstand
  • die mir schon etwas länger folgen, wissen, wie lange wir schon heiraten wollen, doch einfach nach über einem Jahr immer noch Papiere fehlen, die angefordert werden: was also ganz klar nicht unser Verschulden ist
  • ich weiß nicht, wie ich das kräftemäßig alles geschafft habe, aber wir haben zusammen versucht, in einer Woche so viel Hilfe und Unterstützung wie nur möglich zu bekommen:
    • nach mehreren Anläufen fanden wir eine Anwältin, die ein Eilverfahren ans Gericht schrieb und wir so Zeit gewannen
    • wir sprachen mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen
    • wir stellten einen Härtefallantrag (den wir später erst abschicken werden)
    • ich sprach auf Instagram offen über unsere Situation und bekam sehr viel emotionale Unterstützung und auch finanzielle (über 200 Euro) DANKE!
    • Kontakt zu Pro Asyl (Pepe)
    • war im Kontakt mit MOABIT hilft in Berlin, eine Organisation, die gegen Abschiebungen kämpft (mehrere Telefonate)
  • und das ganze in ständiger Angst, dass er nach Ablauf dieser Zeit abgeschoben werden könnte, ich konnte wirklich nicht mehr nachts schlafen
  • es war keine rationale Angst, denn so schnell wird normalerweise keiner abgeschoben, dennoch blieb diese Angst vor der UNGEWISSHEIT: das war einfach das Schlimmste, dass wir nicht wissen, wann und ob er überhaupt abgeschoben wird…wenn das keine mentale Schikane ist?!

Hier ein paar Bilder zu der Zeit, einfach weil’s dazu gehört:

Doch wo Schatten ist, ist auch Licht

Während der Karnevalstage hat uns meine beste Freundin Nhi aus Osnabrück besucht. Es ist einfach so schön immer mit ihr, da wir uns so gut verstehen und auf einer gemeinsamen Ebene denken. Durch sie konnten wir wirklich diese Angst und diesen Stress für einen kurzen Augenblick vergessen. Bin so dankbar, für diese Herzensfreundschaft, auch wenn wir uns nicht so oft sehen 🙂 Ich denke, dass die Bilder dies auch zeigen:

Jedenfalls wurde uns klar, dass diese Situation der Ungewissheit nicht lange auszuhalten ist und dass wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen. Wir fragten uns: Wohin kann Pepe gehen? Und wir wollten schon vor einem Jahr nach Barcelona gehen und deshalb reifte diese Idee, dies endlich zu tun, immer weiter. Wir fingen an, unsere Sachen zu packen. Eine Wohnung war über eine APP auch sehr schnell gebucht. Teuer natürlich, aber verglichen zu dem, was wir in Deutschland zahlen und was wir in Barcelona bekommen, lohnt sich das schon. Wir sollten aber natürlich noch nach Alternativen vor Ort schauen. So einen wirklichen Abschied gab es nicht, weil ich nochmal zurück kommen werde. Deshalb müssen wir einfach mal schauen, wie sich jetzt alles entwickelt. Hier ein paar Foto von unserem vielleicht letzten gemeinsamen Wintertag in Deutschland:

Wie in einem richtig guten Film, kommt natürlich immer etwas dazwischen. Wir wollten bereits schon an einem Samstag fahren, anstatt an einem Montag, wie ursprünglich geplant. Doch das Schicksal wollte es nicht so, denn wir hatten einen Nagel im Vorderreifen und somit einen Platten. Das haben wir Samstag erst spät gemerkt und deshalb blieben wir noch bis Montag, was aber auch ganz gut war, um wirklich alles in der Wohnung auf Vordermann zu bekommen.

Wir sind also am Montag zu unseren Freunden gefahren, um uns zu verabschieden. Sachen waren gepackt im Auto. Wir haben zusammen noch was leckeres gegessen und sind dann um 19:30 losgedüst. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch aber einem enormen Ehrgeiz, dies durchzuziehen. Natürlich hatte ich während der gesamten Fahrt Angst, dass etwas passieren könnte. In Frankreich tauchten ständig „CORONA VIRUS, Info Tel.Nr. xxx“ auf. Wir machten mehrere kleine Pausen, aber keine längere um zu schlafen, weil wir möglichst schnell in Barcelona ankommen wollten. Ich ging wirklich an meine letzten Kraftreserven. 15 Stunden Fahrt durch die Nacht und am Morgen von einer wunderschönen Landschaft umgeben. Langsam tauchten erste Freiheitsgefühle auf. Doch nur zaghaft, denn zu kaputt habe ich mich bei der Ankunft gefühlt. Zum Glück ist alles gut gegangen. Folgende Bilder zeigen, wie sehr wir belohnt wurden:

Die Fortsetzung folgt.. Seid gespannt auf die Reflektion im März und auf unsere ersten Schritte in Barcelona 🙂

Januar 2020

Ich versuche mal in Stichpunkten zusammenzufassen, was so passiert ist 🙂

Und die Bilder zeigen es auch 🙂

  • der Start ins Jahr 2020 (Silvester) war sehr crazy in Köln. Pepe und ich waren in keinem Club, sondern sind zum Rhein gegangen. Es ist sehr viel Alkohol geflossen. Ich habe betrunken mit Pepe Schluss gemacht und bin von ihm weggelaufen… wtf?! 😀 (Alkohol in Massen nicht zu empfehlen)
  • ich bin seit November 2019 krank geschrieben und beschäftige mich mit dem Thema „Arbeit“ und muss immer noch für mich herausfinden, wie ich in diesem kranken System arbeiten kann, ohne selbst krank zu werden
  • wir beobachten weiter die Lage im Iran und ich schreibe dazu auch manchmal in Instagram
  • weiterhin Kampf im Asyl,- und Heiratsprozess mit Pepe, wir kommen aber weiter
  • erste Sonnenstrahlen aufgesaugt, viel in der Natur mit Luki raus gewesen und „abwarten und Tee trinken“
  • meine Schwester hat mich besucht und wir hatten 2 schöne Tage zusammen
  • Pepe und ich waren bei meinen Eltern in der Heimat (in Niedersachsen), weil meine Eltern uns unterstützen wollten (Arbeit für Pepe z.B).
  • wir haben sogar überlegt, dorthin zu ziehen, da ich mental sehr am Ende war, da der Asylprozess und meine eigene berufliche Situation extrem kräftezehrend war
  • doch wir haben herausgefunden, dass wir unseren Weg alleine gehen wollen
  • Hier ein paar Eindrück aus Nordhorn (Grafschaft Bentheim)
  • wir sind wieder zurück gekommen nach Stolberg und uns ist mehr bewusst geworden, welche positiven Dinge wir hier besitzen. Und dass unsere Wohnung echt gemütlich ist.
  • ich habe angefangen, Gitarre zu spielen und meine Anfänge auf Instagram protokolliert.
  • auch finanziell geht es uns momentan ganz gut 🙂 (war ein extreeemer Stressfaktor)

Learnings und Fazit

  • Ich bin nicht abhängig von der Liebe anderer und kann meinen Weg so wählen, wie ich es will, weil ich glücklich sein möchte mit meinem Leben
  • Es ist Veränderung nur möglich, wenn man es auch wirklich will und bereit ist, seinen Schmerz anzuerkennen und dann durch ihn durchzugehen; man kann andere Menschen zu keiner Veränderung zwingen
  • Die Worte „Ich bin halt so“ verhindern jegliche innere Entwicklung
  • Ich merke positive Veränderungen in mir, gehe mehr meinen eigenen Weg und das mit mehr Selbstbewusstsein
  • es hängt alles von der eigenen Einstellung ab, objektiv ist alles neutral, erst unsere Bewertungen lassen uns gut oder schlecht fühlen
  • ich möchte Stück für Stück wieder mehr Verbindung zu meinem wahren Ich aufbauen und dazu gehört auch die Musik/Kunst: Erste Schritte gehe ich dabei mit meiner Gitarre, bei der es nicht auf Perfektion ankommt

HALLO 2020!

Pepe und ich haben für uns entschieden, dass 2020 unser Jahr wird! Und hoffentlich mit vielen positiven Ereignissen. Es kann eigentlich nur noch besser werden 😀 Und das tut es auch.

Unter dieser Rubrik möchte ich jeden Monat einen Monatsrückblick schreiben und darüber berichten, was so in dem Monat passiert ist. Und was ich dazu gelernt habe. Die Monate sind wie Kapitel im Buch meines Jahres 2020. Ich bin gespannt, was alles so passieren wird und werde dich hier auf dem Laufenden halten. Würde mich freuen, wenn du ab und zu mal vorbei schaust (oder einmal im Monat 🙂 )

Quelle: https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/aenderungen-2020-neue-gesetze/150/32549/396208, abgerufen am: 06.02.20

Was bedeutet „Arbeit“?

Die „Arbeit“ im Sinne des Berufes hat so einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft.

„Was machst du beruflich?“ ist eine der ersten Fragen beim Kennenlernen.

Ich habe das Wort „Arbeit“ mal gegoogelt und eine interessante Definition bekommen:

„In der Antike und im Mittelalter waren die Begriffsinhalte von Arbeit negativ und abwertend: Arbeit galt als unwürdige Tätigkeit, deren sprachliche Synonyme Mühsal, Plage, Last und Not waren; sie wurde dadurch zur Angelegenheit der unteren sozialen Schichten. Erst durch die christliche Religion erhielt Arbeit eine positive Bestimmung; bes. in der protestantischen Ethik ist Arbeit identisch mit Pflichterfüllung und gottgefälligem Tun, und in einer asketischen, durch Arbeit geprägten Lebensweise wird bereits im Diesseits die Vorbestimmtheit für die ewige Seligkeit sichtbar. Die positive Bewertung von Arbeit hat sich in den sich früh industrialisierenden westlichen Gesellschaften durchgesetzt; Weber (1864–1920) sah in der protestantischen Ethik die Voraussetzungen für den kapitalistischen Industrialisierungsprozess. Auch gegenwärtig wird Arbeit, auch Arbeitseinkommen und der sich darin dokumentierende Erfolg, positiv bewertet.“

Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/arbeit-31465 , abgerufen am: 04.01.2020

Warum ich das interessant finde? Weil wir mit der Sprache die Macht besitzen, (abstrakte) Dinge wie „Arbeit“ zu bewerten. Und dass sich die Bewertung auch im Laufe der Zeit verändern kann. Das ist so spannend, weil sich so viele Leute über ihre Arbeit/ Leistung profilieren. Ironischerweise war Arbeit früher den „Sklaven“ überlassen. Kurz noch als Zwischeninfo: Ich habe Soziologie studiert und hatte dort auch ein Seminar, in dem es unter anderem darum ging, dass man mit der Sprache Macht besitzt. Nämlich Dingen eine Bedeutung zuzuschreiben. Doch da gehe ich jetzt nicht weiter drauf ein.

Zurück zu meinen persönlichen Gedanken zu dem Thema:

Jeder fragt dich, ob du einen Partner hast oder Single bist / Kinder hast und vor allem welchen Beruf ausübst. Doch niemand fragt, ob du glücklich bist. Das habe ich mal irgendwo auf Instagram gelesen.

Arbeit ist demnach so wichtig in unserer Gesellschaft und wir zeichnen uns darüber aus. Wenn du schon mal zum Jobcenter musstest, ist bei dir vielleicht auch ein Schamgefühl aufgekommen. Ich glaube, das wird ganz bewusst so gesteuert. Ich jedenfalls habe mich extrem minderwertig und erniedrigt gefühlt. Schon merkwürdig, wie soziale Normen Druck ausüben können, wenn man aus der Leistungsgesellschaft „rutscht“.

Ist Arbeit nur ein Austausch von Leistung und Geld?

Oder noch viel mehr:

1) An erster Stelle sollten wir die Arbeit von Frauen, die Kinder aufziehen viel mehr wertschätzen, anstatt es ihnen möglich zu machen, so schnell wie möglich ins Berufsleben zu stürzen. Ein ganz großes Thema: Kinder brauchen insbesondere in den ersten Jahren die Bindung zur Mutter. Wenn Frauen deshalb zu Hause bleiben, ist das auch Arbeit! Und zwar mehr, als so viele (sorry) Sesselpupser in den Büros machen. Aber der Begriff „Hausfrau“ ist oft noch abwertend besetzt.

2) Arbeit ist auch, wenn man an sich selbst arbeitet. Vielleicht ist man von außen „arbeitslos“ und arbeitet in der Zeit trotzdem sehr an sich. Bei mir ist es jedenfalls so. Ich spreche von der inneren Entwicklungsarbeit, wenn man sich die Zeit nimmt, um Dinge (aus der Familiengeschichte) aufzuarbeiten, destruktive Glaubenssätze hinterfragt: „Bin ich so wirklich? Bin ich so, wie ich sein will?“ Doch sich diese Zeit zu nehmen, wird sehr schwer gemacht, insbesondere wenn man dadurch in finanzielle Krisen gerät oder man z.B. eine Verantwortung für Kinder trägt (sind wir wieder beim Punkt 1).

Für einen wirklichen Wandel in der Gesellschaft ist es aber nötig, dass Generationen weitergebende Traumatisierungen aufgearbeitet werden. Gleichzeitig ist man aber dem Leistungsdruck der Gesellschaft ausgeliefert. Doch auch mal arbeitslos zu sein und sich die Zeit zu nehmen, um herauszufinden, was man eigentlich wirklich möchte und wer man ist, finde ich extrem wichtig. Noch wichtiger als das „Schamgefühl“ jedenfalls materialistisch nichts zur Leistungsgesellschaft beizutragen.

Ich bin nämlich überzeugt, dass wenn man sich diese Zeit nimmt, daran reift. Dass man auch ohne diesen Austausch des Geldes gegen Arbeitskraft zur Gesellschaft beiträgt.

Und wenn man sich so Stars der Spiritualität wie Laura Malina Seiler anschaut, lässt sich dieser Beitrag sogar irgendwann finanziell messen. Das passiert aber sicher nicht, wenn man vorher nicht auch ohne Geld zu bekommen in „Vorleistung“ tritt und eine Menge innere Arbeit leistet, die wir alle nicht sehen können.

Deshalb: Du weißt nicht, woran der Mensch gerade „arbeitet“ und gleichzeitig vielleicht gesellschaftlich stigmatisiert „arbeitslos“ ist.

So Fragen wie: „Wie geht es dir (wirklich)? Bist du zufrieden mit deinem Leben? Was sind deine Wünsche/Träume?“ Finde ich deshalb viel spannender 🙂

Depression is your mind telling you it’s tired..

…of being the character you’re trying to play“ – Jim Carrey

Dieses Zitat trifft es meiner Meinung nach sehr gut. Ich bin müde davon, jemand zu sein, der ich in Wahrheit gar nicht bin.

Vor allem beruflich gesehen habe ich meinen Endpunkt (oder Wendepunkt?) erreicht. Es geht nicht mehr. Sich das einzugestehen ist hart. Es hat immer einen Anflug von Versagen, wenn man schon wieder zum Arzt gehen muss, um sich krankschreiben zu lassen. Insbesondere, da ich immer wieder auf Ärzte treffe, die nicht sehr empathisch mit psychischen Problemen umgehen. Dabei sind doch so viele körperliche Krankheiten auf psychischen Stress zurückzuführen.

Ich bin unfassbar müde – aber nicht so, dass ich schlafen gehen sollte, damit ich wieder Energie laden kann. Nein, körperlich und geistig ausgelaugt, energielos, zeitweise hoffnungslos und verletzt.

Den Charakter, den ich vor einem Monat angefangen habe zu spielen, war der der neuen motivierten, ideenreichen Kollegin, die sich in ein Team einbringt, welches chaotisch ist und sich gerade erst bildet. Es geht ganz grob um ein Projekt mit Kindern in einem Viertel, in dem besonders viele arme Familien leben und mit denen Aktivitäten gestartet werden sollen.

Im Grunde genommen ist das eine Aufgabe, in der ich Zeit brauche, um mich einzuarbeiten, Kooperationspartner rauszusuchen und Ideen zu sammeln, um Aktivitäten zu starten. Ich habe auch Ideen und ich wollte es auch wirklich – doch es ging nicht. Jeden Tag spürte ich, wie ich innerlich extrem gestresst nach Hause gekommen bin. Ich spürte, dass was nicht wirklich glatt läuft und ich hatte diesen inneren Drang, etwas verändern zu wollen. Doch das ist manchmal gar nicht möglich/ oder nötig. Nur mich macht es kaputt. Manchmal brach‘ die Anstrengung in Form von Tränen aus mir heraus. Doch ich wollte nicht aufgeben.

Ich weiß, woher dieser enorme Stressanstieg kommt und habe hier ja auch schon über das eine oder andere gesprochen. Pepes frustrierende Situation ist nur ein Faktor, der von außen draufdrückt. Von innen spüre ich diese Anspannung, „leisten zu müssen“ (obwohl ich ja erst neu war), sich „beweisen zu müssen“. Gepaart mit dem großen Freiraum, den ich dort hatte, führte das einfach zu einer Überforderung, weil ich einfach wieder viel zu viel von mir verlangte. Und da komme ich zu den inneren Stressfaktoren: Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, ließ mich nicht zur Ruhe kommen.

„Ich bin müde davon, jemanden zu spielen, der ich gar nicht bin.“ Auf Instagram und auch hier spreche ich sehr offen mit euch und bin da so, wie ich bin. Ich habe schon gedacht, dass es wie eine Art zweites Ich gibt, welches sich in der Berufswelt nicht zeigen darf. Und dieser innere Kampf macht mich einfach sooo müde. Es ist so, als würde man jeden Tag gegen etwas ankämpfen, was einem Energie raubt.

Ich möchte mir aber den Stempel der „Krankheit“ Depression nicht draufdrücken lassen. Ich bin nämlich immer noch der Meinung, dass diese Symptome eine „normale“ Reaktion auf krankmachende Umstände sind. Doch wenn das System so riesig groß ist, inkl. Leistungsgesellschaft und Traumatisierungen in der Schulzeit usw., dann ist das Wort „Depression“ doch letztendlich auch nur ein Wort, welches einem erlaubt, für eine gewisse Zeit auszusteigen, oder?

Doch wer bin ich denn dann wirklich? Ich denke, das ist genau die Frage, die mich ein ganzes Leben lang begleitet. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich auf den Weg zu machen. Ich hoffe, unsere Gesellschaft lässt dies irgendwann auch mehr zu und wir sind weniger in diesen (finanziellen) Zwängen gefangen.

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