Die Suche nach einem Therapieplatz…

…oder auch: Finde die Nadel im Heuhaufen…

Mir wurde im Studium also langsam bewusst, dass etwas nicht stimmte. Dies machte mir mein Körper deutlich. Wie ich bereits berichtete, hatte ich unter anderem starken Schwindel und Bauchschmerzen. Hier berichte ich über den Prozess der Hilfesuche und welche Anlaufstellen ich in Anspruch nahm:

  1. Meine Vertrauensdozentin in der Uni: Sie war speziell für Studierende meines Fachs (Sozialwissenschaften) ansprechbar. Der Schritt zu einer/einem Psychotherapeut/in war zu dem Zeitpunkt noch zu groß. Daher war sie eine gute erste Anlaufstelle, um über meine Probleme zu sprechen. Für mich ist sie liebevoll crazy (Ich meine sie leitet die Vorlesung „Angstmedien – Medienängste“, da muss man schon bisschen verrückt sein, oder?). Sie ist die Symptome der Depression mit mir durchgegangen (Schlechter Schlaf, Appetitlosigkeit,…und die Dauer der Symptome) und machte mir klar, dass ich mir unbedingt eine Therapeutin/einen Therapeuten suchen solle. Dies würde aber ein längerer Prozess sein, da mehrere Gesprächstermine anstehen würden usw. Da dachte ich das erste mal „Okay! Heftig, dass ich krank sein könnte.“ Sie gab mir für die Überbrückung selbst ein paar Termine, was ich als unheimlich nett empfand. So hatte ich einen ersten Anker in dieser verwirrenden Zeit. Für die, die studieren: Es gibt in allen Unis psychologische Beratungsstellen. Geht dort hin. Auch wenn es erstmal vielleicht nicht viel „bringt“. Es war für mich die erste Auseinandersetzung mit meinem Problem. Für alle, die zögern: Sucht euch jemanden, der es zu seinem Job gemacht hat, mit euch über diese Probleme zu reden. Die beste Freundin/der beste Freund kann dir (oft) nicht daraus helfen.
  2. Okay, wo fängt man an, wenn man sich einen Therapeuten sucht? Im Internet! Doch es gibt so super viele. Bei den meisten geht der Anrufbeantworter dran mit der Bitte, zu den telefonischen Sprechzeiten nochmal anzurufen. Selbst wenn man Sie telefonisch erreicht haben könnte, wird man auf eine endlos lange Warteliste gesetzt. Wie sich aber später noch zeigen wird, hat es sich gelohnt, dass ich mich auf verschiedene Wartelisten habe setzen lassen. In Düsseldorf war ich vollkommen überfordert, um überhaupt am Telefon beschreiben zu können, was mein Problem ist. Wer sagt denn schon: „ich glaube, ich habe eine mittelgradige Depression?“ Aber: „mir geht es nicht gut“ verfehlt es bei Weitem. Also habe ich in der nächsten großen psychiatrischen Klinik angerufen, da sie Sprechzeiten angeboten haben. Es war wie eine erste Einschätzung und kurze Beratung. Beim ersten Mal vermutete die Psychologin dass ich mir „wichtige Lebensfragen“ stellen würde und ich deshalb so am Schwanken bin. Beim zweiten Sehen rat sie mir aber dann, dringend eine Therapie mit tiefenpsychologischem Ansatz zu machen. Mein Tipp: Wenn ihr noch keinen Psychotherapieplatz bekommen habt: Große psychiatrische Kliniken in eurer Gegend können eine erste Anlaufstelle für euch sein. Ich gebe dafür keine Garantie und spreche nur aus meinen Erfahrungen, um einen Einblick in die Therapeutensuche zu geben. Doch insbesondere bei Suizidgedanken: Geht zur nächstgelegenden Klinik und redet darüber. Sie sind verpflichtet, euch aufzunehmen! Ihr habt das Recht, Hilfe zu bekommen.
  3. Ärztliche Psychotherapeutin, ambulant angebunden an einer Psychiatrie (MVZ -> medizinisches Versorgungszentrum) Dies war zu der Zeit eine gute Möglichkeit, leichter an einen Therapieplatz zu kommen. Es war keine selbstständige Psychotherapeutin, sondern angestellt in diesem Komplex der Psychiatrie (durchblickt habe ich dies nie so richtig). Meine Therapeutin hat also Medizin studiert und dann eine Zusatzausbildung im Bereich der Psychotherapie gemacht. Deshalb auch die Bezeichnung ärztliche Psychotherapeutin. Der Schwerpunkt lag daher ganz klar auf? Klar: Medikamente. In meinem Fall konnten wir ihrer Meinung nach erst mit der Therapie anfangen, wenn ich mit Hilfe der Medis (Citalopram als Ansteiger) aus meinem Loch etwas herausgekommen bin. Ich war tatsächlich am Anfang nicht „fähig“ für jegliche verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Meine „Gefühle“ von „Nichts“ und der „Leere“ waren zu dieser Zeit extrem präsent. Jedenfalls beschäftigten wir uns nach und nach mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen aus dem Bilderbuch. Sie ging da stark in die Richtung von Achtsamkeit und Dinge wie „das Monster auseinandernehmen“. Dies werde ich keinesfalls negativ bewerten, aber ich kann immer noch nicht 100 Prozent beurteilen, wie viel es mir tatsächlich geholfen hat.
  4. KLINIK : Ich möchte in einem anderen Blogeintrag noch ausführlicher über dieses Thema schreiben und auch, wie es dazu kam, dass ich in der dritten schweren depressiven Phase mich schließlich für diesen Schritt entschied. Eines kann ich aber jetzt schon sagen: Holt euch Empfehlungen von Therapeuten, die bereits Patienten vor und,/ oder nach der Phase in der Klinik erlebt haben. Oder auch von anderen Betroffenen, die Erfahrungen in einer Klinik im Umkreis gemacht haben. Ich bin froh, dass ich in eine Klinik gegangen bin, die eine Depressionsstation hat mit 20 jähriger Erfahrung. Die Atmosphäre war dort eher familiär und neben den Therapien bei der Therapeutin oder beim (Ober-)arzt gab es unterschiedliche Angebote wie Mediation, Achtsamkeit, Yoga und Entspannungs,- und Bewegungstherapien. Diesen ganzheitlichen Ansatz finde ich super wichtig. Medikamente haben dort natürlich auch eine Rolle gespielt, aber sie sind super behutsam vorgegangen, was ich sehr wichtig finde. Rückblickend betrachtet klingt das alles so harmonisch, aber wie hart und unfassbar schwer diese Zeit für mich war, werde ich später noch berichten.
  5. In den letzten Wochen meiner fünfmonatigen Klinikzeit (Sept.2018 – Januar 19) hat mich ein Psychotherapeut angerufen, bei dem ich auf der Warteliste stand. In diesem Fall war es ein unheimliches Glück, dass ich ihn nach meiner Entlassung anrufen durfte, um mit ihm einen Termin zu vereinbaren. Ich habe ihn als unglaublich verständnisvoll und kraftgebend empfunden. Er hat mehrere Konzepte miteinander verbunden und für ihn gab es keine „Schublade“ Verhaltenstherapie oder Tiefenpsychologie, da alles miteinander verbunden eine Rolle spielt. Ich habe bei ihm vieles für mich lernen können und er hat mich unter allen Therapeuten am meisten in dem bestärkt, wie ich bin. Seine Frage war am Ende: „Wissen Sie eigentlich, wie stolz Sie auf sich sein können, was Sie bis jetzt alles schon geschafft haben?“

–> Fortsetzung folgt… #staytuned (um es in der Instagramsprache zu sagen)

-> wie immer: schreibt mir bei Fragen und auch bei Kritik/Anregungen