Europatour 2018

Wie ich bereits in dem Eintrag vorher berichtet habe, kündigte ich meinen Job als Dozentin für eine Sprachschule in Hannover im Oktober 2018. Dieser Job hat mich (wieder) bis an meine Grenzen gebracht und ich war mehr gestresst, als dass mir das in irgendeiner Weise gut getan hätte. Es ist mein Leben, also wofür machte ich das bloß? Pepe hat die kommende Krise natürlich genau mitverfolgt und mich auch in vielen Hinsichten unterstützt. Aber eines Abends war ich so am Boden und wollte nicht mehr am nächsten Tag zur Arbeit gehen. Doch er sagte nicht: „OOH, pass auf, dass du nicht wieder eine Depression bekommst“ (mein Gehirn hat mir sowas gerne auch mit Unterstützung meines Psychiaters oft eingeredet). Sondern er hat mich gefragt, was ich am Liebsten tun würde. Und da wusste ich es, wie es mir besser geht: Nämlich nach Spanien fahren! Und zwar in meine Traumstadt Barcelona.

Gesagt – Getan! Er schlug mir vor, noch am nächsten Tag die Sachen zu packen und los gehts! Dann machten wir Pläne für unseren ersten Roadtrip: Es sollte über die Schweiz, nach Italien, Frankreich und dann nach Spanien gehen. Der erste Halt sollte Mailand werden. Meine Familie hat mich für verrückt erklärt. Wahrscheinlich auch der Rest der Welt. Aber wir waren so verdammt glücklich, als wir in der Nacht im Regen aus Deutschland rausgefahren sind.
Überall war schon Weihnachtsschmuck am Start. Wunderschöne Erinnerungen.

Hier ist eine Karte, in die ich eingezeichnet habe, welche Städte wir in Italien, Frankreich und Spanien gesehen haben.

Diesen Roadtrip haben wir in knapp 2 Wochen gemacht

Jetzt muss ich sagen, dass dieser Satz tatsächlich zutrifft: „LOVE IT. CHANGE IT or LEAVE IT.“ Das heißt: Ich habe meinen Job nicht geliebt. Ich konnte also versuchen, etwas in dem Beruf zu verändern. Ich bin da aber gegen eine Wand gerannt: Einmal in der Behörde und auch in dem System der Privatschulen bin ich untergegangen. Das heißt, es zu verändern, war nicht möglich. VERLASSEN ist das Stichwort! Und es ist tatsächlich so. Ich bin nicht zur Arbeit gegangen, sondern habe mit meinem Liebsten und Luki eine Tour gemacht: voller Freiheit, Unabhängigkeit und Spaß. Und alles Erspartes ist damit drauf gegangen (hinterher sollte mir das noch zum Verhängnis werden). Doch zu diesem Zeitpunkt habe ich das so gebraucht. Ich habe selbst in meinem Portugal Trip die billigsten Hostel genommen, dabei hatte ich doch Geld verdient?! So Leute. Ab jetzt ist Selbstfürsorge angesagt!

Das schöne am Roadtrip ist, dass man die ganze Natur aufsaugen kann, da man ja quasi durch sie hindurch fährt. Wunderschöne Alpen haben wir gesehen und die herrlichen italienischen Serpentinen und durch etliche Tunnels in den Bergen sind wir gefahren. Immer mit dem Radio an, um auch die italinenische und spanische Sprache zu hören. Die mich kennen wissen, dass mir da das Herz aufgeht! Ich liebe diese Sprachen einfach. Deutsch ist so kalt und abstrakt und spanisch einfach gefühlvoll und warm.

Ich lasse jetzt einfach mal ein paar Bilder sprechen.

  1. Stop: Mailand, Milan, Milano 🙂 ITALIEN

…und weiter gehts:

2. Stop: Die italienische Hafenstadt Genua

Hier haben wir das erste mal das MEER gesehen!! Und direkt daneben war eine große Kirmis. Ich muss aber sagen, dass mir die Stadt nicht so sehr gefallen hat. Aber ich wollte auch unbedingt nach Spanien, vielleicht lag es daran. Aber schon das Meer zu sehen, war himmlisch.

Danach ging es weiter nach Frankreich. Ich muss aber sagen, dass mir Frankreich nicht so sehr gefällt. Kaum jemand traut sich, englisch zu sprechen. Der dritte Stop war in Nizza. Auch über 4. Monaco und 5. Monte-Carlo sind wir gefahren. Aber diese Stimmung dort hat mir gar nicht gefallen. Aber klar – da geht halt echt alles nur um Geld. Aber mit den „Schönen und Reichen“ muss ich mich nicht umgeben. Sorry – next!

6. Stop: Marseille

Die Stadt Marseille hingegen hat mir sehr gut gefallen. Französisches Charme aber sehr sehr angenehm und tolles Essen!

Witzige Szenen hatten wir allerdings in dem Restaurant, da der Kellner kaum englisch sprechen konnte und mit der Frage „How old are you“ unseren Hund Luki meinte. Pepe fragte, ob er ihn meinte und der Kellner zeigte auf Luki. Diese Frage nicht in „How old is he“ umstellen zu können, ist schon lustig.

Danach sind wir endlich in mein Lieblingsland SPANIEN gefahren.

🙂 🙂 🙂

Und dann war da unser Traumziel: 7. Stop: BARCELONA

Natürlich sind wir auch erstmal an den Strand gegangen und haben es uns da gut gehen lassen. Strand. Sonne und das Ende des Jahres kurz vor Weihnachten. WAS GIBT ES BESSERES?!

Den Rückweg sind wir dann später wieder angetreten, aber wir haben eine andere Route gemacht, sodass wir über die Schweiz, in Lausanne (Stop 8) zurück gefahren sind und in Heidelberg (Stop 9) einen weiteren Aufenthalt genießen durften. Heidelberg ist für mich auch Urlaub, obwohl es Deutschland ist.

Das Ende der Reise war dann in Düsseldorf und in Krefeld (Stop 10) haben wir dann die 10 Städte voll gemacht – in 2 Wochen. Dort trafen wir meine Familienmitglieder und feierten. Rundum glücklich waren wir dann wieder da im kalten Deutschland. Wie es dann weiter ging, lest ihr unter „Aktuelles“ und im nächsten Eintrag meiner „CRAZY NEW STARTS“.

Pepe

So Freunde. Hier kann ich euch mal über etwas Positives berichten. Hier habe ich euch schon davon erzählt, dass mich meine Arbeit in der Erstaufnahmebehörde in den Wahnsinn getrieben hat. Bzw. in die Depression. Nach meinem Klinikaufenthalt von September 2017 bis Januar 2018 bin ich wieder zurück zu meiner alten Arbeitsstelle gegangen. Dieses mal aber mit weniger Druck auf mich selbst. Doch da ist dann etwas passiert, was mein Leben verändern sollte. Ich habe meinen jetzigen Verlobten Pepe aus dem Iran kennen gelernt. Er ist mir direkt im Kurs aufgefallen, da er und sein bester Freund und seine Frau eine enorme Ausstrahlung hatten.

Ich habe versucht, den Kurs in der Behörde etwas entspannter angehen zu lassen, deshalb setzte ich mich in den Pausen öfter nach draußen und plauderte auch mit meinen Teilnehmer/innen. So kam es, dass ich auch mit Pepe und seinem Freund öfter mal draußen saß und mich unterhielt. Es war sehr interessant, welche Geschichte sie bereits hinter sich hatten als Unternehmer im Iran. Und wie Trump alle Pläne durchkreuzte. Pepe sprach mich nie direkt nach der Klasse an (wie manchmal andere, was sehr unangenehm war). Da er genau das wusste. Er schrieb mich eines Tages bei Instagram an à la <<Hello Teacher>> und fragte mich schließlich nach einem Treffen in Hannover.

Und dann ging das ganz schnell. Sodass ich dann innerhalb von 2 Wochen direkt dorthin gezogen bin. Niemand aus meiner Familie konnte das verstehen oder hätte das unterstützt. Und das war das beste, was ich tun konnte. Ich wechselte meinen Arbeitgeber erst innerhalb in Osnabrück (da ich die BAMF- Zertifizierung für Deutsch als Zweitsprache absolvierte). Dies ist ein anderes Thema, da es eine Tortur war, insbesondere direkt nach meiner Klinikentlassung (3 Monate später).

Dann wechselte ich den Arbeitgeber von Osnabrück nach Hannover, jedoch in einen Honorarvertrag. Ich habe aber unglaublich viele schlechte Erfahrungen gemacht, insbesondere von privaten Anbietern, die Sprachkurse anbieten. Da werden die Lehrer hin,- und hergetauscht. Je nach dem, ob die zahlenden Schüler mit der Lehrkraft klar kommen oder nicht. Doch soviel dazu.

Ich bin einfach unfassbar glücklich mit Pepe, da er mich genau so sieht, wie ich bin. Insbesondere ein Satz hat mich von ihm umgehauen: „Ich habe gemerkt, dass dein Lächeln in der Klasse sehr schnell verschwand, sobald der Kurs vorbei war.“ Und das stimmte auch. Ich legte ein lächelndes Gesicht auf und versuchte Spaß in den Kurs zu bekommen, was aber nicht machbar war. Danach war ich einfach ausgelaugt und musste unbedingt schlafen. Er hat mich sehr gut durchschaut und war der erste Mensch in meinem Leben, der mich so sehr darin unterstützt, wer ich wirklich bin.

Deshalb reden wir auch nicht über die Diagnose „Depression“. Ich habe meinen Job im Oktober gekündigt, weil ich wieder einmal sehr stark am Boden war. Pepe hat mich gefragt, was ich am Liebsten machen möchte. So sind wir auf die Idee gekommen, spontan einen Europatrip zu machen mit dem Endziel unserer Traumtadt BARCELONA! Lest über diesen Roadtrip hier .

Doch erstmal hier ein paar Fotos zu unserem Alltag:

Die mir auf Instagram folgen, wissen dass ich auch viele Bilder unseres gemeinamen Familienmitglieds poste: LUKI. Pepe hat Luki eigentlich als „Gast“ aufgenommen von einem iranischen Paar, das Luki von Griechenland nach Deutschland gebracht hat. Das Paar durfte Luki nicht in der Flüchtlingsunterkunft behalten, deshalb hat Pepe Luki übernommen. Und er bleibt jetzt für immer.

Mehr zu unserem ersten gemeinsamen Eurotrip 2018 in meinem nächsten Post!

Habt einen tollen Tag. Und schreibt mir auf Instagram.

Anvie

Die 4. und letzte Unterdrückungsphase

Hallo Freunde.

Wenn ihr meine letzten Blogeinträge gelesen habt, wisst ihr, warum ich mich mehr und mehr selbst in die Depressionen getrieben habe. Es ging mir in den Sommermonaten zwar immer gut, aber ich habe niemals nach den wahren Gründen meiner Unterdrückung gesucht.

Im Sommer ging es mir in den letzten Jahren immer gut, da ich das getan habe, was mir Spaß gemacht hat. Interessanterweise bin ich in genau diesen Zeiten auch immer Partnerschaften eingegangen, die teilweise nicht wirklich gesund für mich waren. Ich werde aber absichtlich nicht darüber schreiben, da ich dies mit den Personen direkt klären würde, anstatt hier meine Gedanken dazu öffentlich zu äußern.

Eine Sache will ich aber dazu sagen: Ich war immer sehr laut, lebensfroh und teilweise chaotisch und schnell verletzlich, wenn ich in meinen „guten Phasen“ war. In den kommenden depressiven Phasen war ich immer komplett alleine. Entweder ich habe irgendwie Schluss gemacht, oder etwas anderes ist passiert.

Dazu kam, dass ich zu dieser Zeit keine „richtigen Freunde“ hatte. Es ist schwer, das zu bewerten aber aus meinem Standpunkt heraus, hatte ich einfach keine Leute an meiner Seite, die mich vor einer weiteren „Depression“ retteten. Jetzt würde ich sagen: Schnapp‘ dir deinen depressiven Freund und fahrt raus, weit weit weg in die Natur, am besten in die Sonne! Meine Mama hat gesagt, dass man nicht vor seinen Problemen weglaufen kann. Aber wenn du in einer beschissenen Situation steckst, vielleicht beruflich, vielleicht aber auch privat. Dann rette dich verdammt nochmal und geh aus dieser Situation raus! Eine depressive Phase habe ich in Spanien in der Sonne verbracht und danach ging es mir viel viel besser!! Das ist niemals für alle der Fall, ich rede nur von meinen Erfahrungen. Meiner Meinung nach ist es so so wichtig, auch die Umgebung anzuschauen und sich zu fragen: Bin ich vielleicht depressiv, weil die Umgebung um mich herum so verdammt negativ ist und mich auffrisst? Warum hassen sich alle immer selbst?

Meine vierte depressive Phase fing im Juli 2017 an, so langsam bis sich der Winter immer mehr näherte. Meine berufliche Situation sah so aus, dass ich gegen mein Herz gearbeitet habe. Ich habe in einer Erstaufnahmebehörde für „Flüchtlinge“ gearbeitet und diese Situation in Verbindung mit meinem Chef hat mich kaputt gemacht. Ich habe einen einwöchigen Erstorientierungskurs geleitet. Das ist ein Witz! Eine Woche zum Deutsch lernen?! WOFÜR?! Ich war halt der Meinung, dass ich nach meinem Studium direkt arbeiten muss, deshalb habe ich diese Stelle angenommen ohne auch nur die geringste Ahnung vom Unterrichten zu haben. Aber Hauptsache mit Migranten arbeiten. Hauptsache irgendwie „helfen“. Dass ich mir selbst erstmal helfen muss, ist mir sehr sehr spät (aber nicht zu spät) klar geworden. Ich habe versucht, die aufkommende Krise irgendwie zurückzuhalten und habe eine Reise nach Portugal alleine gemacht (10 Tage). Da habe ich aber den Fehler gemacht, dass ich so viel wie möglich sehen wollte und auch in sehr unbequemen und lauten Hostels geschlafen habe, anstatt mir was zu gönnen! Einfach in der Sonne am Strand liegen und das jeden Tag, das hätte ich gebraucht.

Hier ein paar Bilder aus Portugal (12.07.2017 – 22.07.2017)

Ich habe auf meiner Reise durch Portugal (Lissabon, Porto und Coimbra) viele neue Leute kennen gelernt. Dies war schön, aber immer nur von kurzer Dauer, denn danach ging jeder wieder seinen Weg. Danach spürte ich immer eine gewisse stärkere Einsamkeit. Meine Reise mit Pepe später (Oktober 2018) war dann doch ganz anders, wenn man mit der Person, die man liebt, alles erleben kann. Dies ist Glück für mich.

Am Ende dieser Reise war mein Energielevel jedoch auf 0. Ich konnte nicht mehr. Dabei wollte ich eigentlich meine Energie wieder aufladen. So ist das, wenn man nicht genug auf sich selbst hört. Ich wusste, dass ich wieder arbeiten muss, wenn ich wieder nach Hause komme, deshalb war die Krise vorprogrammiert. Energielos und ausgelaugt stand ich dann letztendlich wieder vor meiner Klasse. An diesem Tag erbarmten sich nur 2 Leute aus Afrika. Ich konnte mich nicht mehr zusammenreißen und fing tatsächlich an zu weinen. Da ich keine unmittelbaren Kollegen hatte, meldete ich mich bei den Angestellten der Behörde krank und fuhr verzweifelt nach Hause. Ab da ging dann die neue Psychotherapeutensuche in Osnabrück los. Ich wusste, dass ich eine ambulante Therapie nicht nochmal schaffe und besser gleich in eine Klinik gehen sollte. Deshalb erkundigte ich mich direkt bei den Therapeuten, welches die beste Klinik für Depressionen im Umkreis ist. Meiner Meinung nach sollte man nicht in die nächste Klinik gehen, sondern sich erkundigen. Aus vielen anderen Erfahrungsberichten weiß ich, dass viele sogar mit einem schlechteren Zustand aus der Klinik kamen, als sie reingegangen sind.

Der letzte Satz meiner Aufzeichnungen lautet „Es ist ab Januar bis jetzt schon wieder super viel passiert.. Ich lebe mein Leben echt wie in einer Achterbahn: Zwei Beziehungen, Praktikum und danach Job, alleinige Portugalreise und das alles in 8 Monaten“. Die Folge war ein fünfmonatiger Klinikaufenthalt auf einer Depressionsstation in der Nähe von Osnabrück. Mit Yoga, Meditation, Sport, Kunsttherapie und Einzelgesprächen mit Therapeuten.

Klingt nach bipolar, sagen die Pychologen.

Klingt nach einem langen Weg auf der Suche nach dem inneren Ich, sage ich.

Über meinen „Crazy New Start“ nach meinem Klinikaufenthalt berichte ich hier.

Ich kann euch aber sagen, dass die wirklich Aufarbeitung erst nach der Klinikphase begonnen hat. Das heißt, als ich aus der Klinik entlassen wurde, ging es mir immer noch recht schlecht. Laut Angaben der Klinik sei dies aber „normal“, da man nur eine Stabilisierung wünsche, damit die Patienten sich wieder im Alltag zurech finden. Dann aber in meinen alten Beruf zu gehen, der ein großer Herd meiner Depression war, empfinde ich heute als höchst problematisch. Insbesondere, weil keine Therapeuten mit mir darüber gesprochen haben.

Die 3. Unterdrückungsphase: Absoluter Tiefpunkt

Und mein absoluter Tiefpunkt traf sich mit dem absoluten Ende meines Studiums. Das hieß: Bachelorarbeit schreiben! Juhu.

Ich habe an anderer Stelle schon mal darüber geschrieben, dass ich meine Bachelorarbeit über das Thema „Das Flüchtlingsabkommen zwischen Australien und Kambodscha“ geschrieben habe. Während des Schreibens und Reflektierens bemerke ich, wie sehr Südostasien schon mal ein Thema war. Backpacking zusammen mit Pepe wird bald ein Thema sein! Ich hoffe darüber später auch Posts schreiben zu können (bin mir aber sehr sicher).

Doch jetzt zurück zur tiefen Depressionsphase Ende 2016. Ich kann jetzt nicht mehr genau beschreiben, wie sich die Situation zu dieser Zeit angefühlt hat. Ich versuche es aber, mit kognitiven Erinnerungen, da die Gefühle zum Glück nicht mehr so nachzufühlen sind. Folgende Adjektive treffen es am besten: unfassbar ausweglos und leer, teilweise höchst verzweifelt. Ich wusste manchmal nicht wohin mit mir, ich hätte mich „einfach wegwerfen“ können. Kurz: Ich war am absoluten Ende.

Was denkt ihr, was ich dann gemacht habe? Klar – bin wieder zu meiner Verhaltenstherapeutin zurück. Die hat mir jedoch empfohlen, mit dem Leistungsdenken weiter zu fahren. Nachdem ich meine Bachelorarbeit vollendete mit allerletzten Kräften, habe ich weiter gemacht Richtung Praktikasuche, sogar FSJ stand noch auf der Tagesordnung. Dachte aber als Studentin sollte man lieber ein Praktika suchen und sich da bewerben. Um halt in der Karriere voranzukommen [jetzt denke ich: was ein Quatsch!] . Joa, dann dachte ich, ich könnte wieder etwas in Richtung „Flüchtlinge“ machen. Folgendes Lob habe ich später meiner Therapeutin gegeben:

„Man kann mit dem Gedanken, man ist nichts wert in Vorstellungsgespräche gehen und sogar Zusagen bekommen. Man kann erfolgreich sein, ohne dass man denkt, dass man es sei. Auch wenn man denkt, man könne NICHTS, kann man etwas schaffen. Unfassbar dankbar dafür!

wörtliches Zitat aus meinen Aufzeichnungen, Anfang 2017

An sich ist es ja gut, sich nicht unterbuttern zu lassen und auch irgendwie weiter zu machen. Sich nicht ins Bett legen. Weiter machen. Klingt gut oder? Ist es aber rückblickend betrachtet nicht. Ich habe verzweifelt versucht, einen Praktikumsplatz zu finden, wusste aber nicht WO, WAS und WIE. Jedenfalls entschied ich mich dann für die Flüchtlingssozialarbeit. Das lag nahe, da ich mich mit Flüchtlingskindern (siehe KRASS E.V) super verstand. Merkt ihr? KINDER! Nicht „Flüchtlinge“.
Wir sind im Jahr 2016, Anfang November.

Ich habe tatsächlich sogar zwei Zusagen dann bekommen. Ist bei mir immer so gewesen: Vorher riesige Angst, nichts zu bekommen und werde dann überhäuft und darf sogar selbst entscheiden. Ich habe dann ein dreimonatiges Praktikum (sogar etwas bezahlt, ungefähr 400,-) bei einem bekannten kirchlichen Träger gemacht. Das war jedoch in Osnabrück. Das heißt, ich bin jeden verdammten Tag mit dem Auto von unserem Dorf ungefähr 1,5 Stunden nach Osnabrück gefahren. Bis ich endlich eine WG dort gefunden habe. Die Autofahrten waren so extrem. Ich habe davon noch Memos, wie ich heulend und verzweifelt in mein Handy spreche und dies aufnehme. Um meinen Frust und Kummer von der Seele zu reden. Natürlich hat das nicht geholfen. Es fiel mir natürlich verdammt schwer, das Praktikum in meiner tiefen Depression „durchzuziehen“. Hier eine Mitschrift von einer Memoaufnahme, November 2016:

„Ich mache jetzt grad das Praktikum und [Pause] ich ähm [Pause]..meine erste Aufgabe war eine Wohnung zu suchen für einen Geflüchteten aber dann habe ich diesen Geflüchteten da vor mir sitzen. Ich weiß nicht genau, wer das ist, wie alt er ist. Nichts. Und jetzt muss ich für ihn eine Wohnung suchen. Ähm. Und ich habe dann bei [Anbieter] und [Anbieter] geguckt. Und wenn ich davor sitze, dann fühle ich mich einfach überfordert mit dem Angebot und dann weiß ich nicht, wo ich da anrufen soll. Dann weiß ich nicht, was ich da sagen soll, für wen ich suche. Ich fühle mich dann einfach [Pause] wie blockiert. Und ich weiß nicht, warum ich das nicht einfach machen kann [meine Stimme wird verzweifelter]. Meine Aufgabe ist, äh, such da eine Wohnung raus und ruf die an. Das ist ja eigentlich nicht so schwierig, aber für mich ist das so schwierig. [fange an zu weinen]. Also. Ich weiß nicht. Ich weiß nicht, wie kann ich das schaffen, das zu akzeptieren, das ich mich so fühle, wie ich mich fühle und trotzdem die Aufgaben machen. [Pause] Ich hätte die Übung machen können, auf meinem Atem zu hören. Mich konzentrieren zu können. [Anmerkung heute (April 2019): Verhaltenstherapiemaßnahmen].Ich kann das irgendwie nicht. Dann bin ich da so drin. Ich weiß nicht [fange immer mehr an zu schluchzen]. Es ist fast so, als will ich’s gar nicht anders. Als will ich gar nicht, dass es anders wird. Also ich kann, ich kann [Pause]. Ich kann. Ich weiß nicht. Ich krieg‘ den Abstand nicht mehr dazu. Ich weiß‘ nicht, was ich sagen soll. [Pause] Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich weiß nicht, wer ich bin. „

Ich habe diese Szenen mit meiner Verhaltenstherapeutin besprochen und sie hat mir empfohlen, offen mit meiner Depression umzugehen. Es war wie ihr lesen konntet, absolut nicht möglich für mich, gewisse Aufgaben zu erledigen. Also habe ich ein klärendes Gespräch mit meiner Chefin gesucht. Und das war für viele schon sehr mutig, da offen drüber zu sprechen. Ein Kollege offenbarte mir, auch an Depressionen zu leiden, aber er würde das niemals offen legen und allen Kollegen sagen.Ich denke mir jetzt: Warum? Und warum ist das mutig? Ich darf doch auch offen über Krebserkrankungen sprechen oder?

Doch mit dieser Offenheit bin ich sehr, sehr gut gefahren und kann es jedem empfehlen. Wenn das jemand nicht versteht oder euch eine Firma sogar kündigen will: Dann scheiß drauf! Dann ist es nicht der richtige Platz!!

Am 01.12.2017 bin ich dann in eine WG gezogen, um nicht immer mit dem Auto fahren zu müssen. Auch zu Hause war man glaub ich sehr froh. Ich habe mich in der neuen Wg erstmal sehr zurück gezogen. Da meine Mitbewohner sehr nett waren, habe ich es ihnen mal gesagt, als alle zusammen am Tisch saßen. Sie haben es ganz gut aufgenommen, wollten mit mir aber auch nicht viel zu tun haben, bzw. jeder lebte halt so für sich.Typisch ZweckWG. Bis auf den Pharmastudenten: Mit dem hatte ich ganz gute Gespräche (Psychpharmaka hehe).

Da es wieder Frühling wurde, entstand bei mir wieder ein Aufschwung (vielleicht auch durch die Antidepressiva, kann ich grade noch nicht beurteilen). Das Praktikum fing sogar an, mir Spaß zu machen. Ich habe viele Kinder im Jugendmigrationsdienst begleitet und ansonsten auch vielen Geflüchteten irgendwie geholfen (z.B. zum Arzt begleiten). Das hat mir tatsächlich dann irgendwann wieder einen Selbstwert gegeben und ich bin die Schiene erstmal weiter gefahren und habe mich später beworben, um diese „Flüchtlinge“ zu unterrichten.

Dazu findet ihr hier mehr.

Das Bildungssystem und ich

Ken Robinson ist laut Wikipedia „international geachteter Berater in der Gesellschaftsentwicklung“. „Von 1989 bis 2001 war er Kunstprofessor an der University of Warwick.“ 2003 wurde er zum Sir geschlagen. Das sagt schon was aus oder? Jedenfalls hat mich Christian Stenner auf Instagram auf ihn aufmerksam gemacht, da ich auf seiner Linie sei. Und das ist auch in dieser Rede zu 100 Prozent der Fall und daher werde ich Zitate aus dieser Rede aufgreifen.

Um das Video mit deutschen Untertiteln zu sehen, klickt hier.

Doch erstmal zu mir: Wie ich bereits schon geschrieben habe, war ich immer ein „Einserkandidat“ in der Schule. Dieses Wort habe ich mir nicht ausgedacht, so werden diese Kinder genannt. Bei Tests und Klassenarbeiten hat natürlich Anne die einzige Eins, die an der Tafel steht. Das ist kein schönes Gefühl als Kind. Auch von Lehrern gelobt zu werden ist ein unangenehmes Gefühl. Denn es bestätigt den Fehler! Es bestätigt die Definierung über die Leistung. Meine depressiven Phasen haben mich letztendlich davor gerettet, genauso weiter zu machen. Noten und Bewertungen sind mir endlich (!) nicht mehr wichtig. Selbst auf dem Poetry Slam habe ich auf die Bewertung geschissen. Ich war hinterher natürlich interessiert, aber ich bin nicht mehr abhängig davon, dass mich jemand anderes bewertet. Mein ganzes Schulleben lang habe ich das gemacht, was die Lehrer erwarteten. Ich habe ihnen sprichwörtlich nach dem Mund geredet. Die Folge: Die besten Noten und ein 1,4 Abitur. Damit studierst du bestimmt Medizin oder? MOMENT MAL! Ich wusste, dass ich irgendwie aus dem System ausbrechen muss, um mich zu retten. Ich wusste, dass ich das nicht überlebe, in dem Ort zu bleiben, ohne mich umzubringen. Niemand sah MICH und meine Fähigkeiten, ich selbst auch nicht. Auch jetzt bin ich noch dabei zu entdecken, was ich eigentlich wirklich gut kann.

Ich kann jetzt schon viele Dinge sagen, unter anderem lerne ich Sprachen unglaublich schnell, ich habe nur leider keine Zeit, mich intensiver damit zu beschäftigen. Ich würde untergehen ohne Geld. Wir reden von einem Sozialstaat. Sie unterrichten uns im Politik Unterricht, dass wir eine Demokratie haben und einen Sozialstaat. Wenn ich jetzt selbst am eigenen Leib erfahre, wie der Umgang mit mir ist, wenn ich tatsächlich am Boden bin und Geld vom Staat brauche. Dann ist das Wort „sozial“ doch höchst lächerlich.

Jedenfalls zerstört die Erziehung insbesondere in den Schulen jede Kreativität. Wir sind so stark kopfbelastet, dass unsere Gerhirne Depressionen verursachen, die wir mit dem Kopf nicht mehr lösen können. Mein Bruder sagt immer: Du kannst das Problem nicht auf dem Weg lösen, wie sie entstanden sind und zwar mit dem KOPF!

Wir vergessen unsere emotionale Gehirnhälfte komplett. Selbst Musik und Kunstunterricht wird benotet. Oder Sport! Wie um Gottes Willen kann man denn bitte subjektive kreative Prozesse in Noten bewerten und somit jegliches Talent zerstören. Ich habe kein Gespür für Kunst. Als Kind nicht und heute nicht. Ich würde unglaublich gerne malen können. Meine Mama hat früher Bilder für mich im Kunstunterricht gemalt, damit die gute Note stimmt. Ich weiß,dass sie dies jetzt auch als einen Fehler ansieht. Ich möchte nur damit sagen, dass das Schulsystem jegliche Kreativität dadurch zerstört. Auch die Angst davor, etwas falsch zu machen habe ich immer noch und hatte ich sehr stark während meiner Praktikaerfahrungen und im Studium.

Ken Robinson berichtet darüber, dass Kinder bereit sind, Fehler zu riskieren. Dabei nennt er ein Krippenspiel, in dem die Kinder folgendes sagen:
Der erste Junge sagte: „Ich bringe dir Gold.“ Der zweite sagte: „Ich bringe dir Myrrhe.“ Der dritte sagte: „Frank hat das geschickt!“ 

Diese Beispiele zeigen, dass Kinder bereit sind, etwas zu riskieren. Wenn sie es nicht wissen, probieren sie es einfach. Nicht wahr? Sie haben keine Angst, etwas falsch zu machen. Ich will damit nicht sagen, dass etwas falsch zu machen bedeutet, kreativ zu sein. Wir wissen aber: Wer nicht bereit ist, einen Fehler zu machen, wird nie etwas wirklich Originelles schaffen — wenn man nicht bereit ist, Fehler zu machen. Wenn sie erst erwachsen sind, haben die meisten Kinder diese Fähigkeit verloren. Sie haben Angst, Fehler zu machen. In Firmen machen wir das genau so. Wir stigmatisieren Fehler. Wir haben heute nationale Bildungssysteme, in denen Fehler das Schlimmste sind, was man machen kann. Das Ergebnis ist, dass wir den Menschen ihre kreativen Fähigkeiten „weg-unterrichten“. 


Ken Robinson. Bring on the learning revolution. https://www.ted.com/talks/sir_ken_robinson_bring_on_the_revolution/transcript , abgerufen am: 10.04.2019

Ein weiters Zitat, was ich super finde:

Picasso hat mal gesagt: „Kinder werden als Künstler geboren.Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“


Ken Robinson. Bring on the learning revolution. https://www.ted.com/talks/sir_ken_robinson_bring_on_the_revolution/transcript , abgerufen am: 10.04.2019

Ken Robinson nennt ein weiteres tolles Beispiel, nämlich Shakespeare: Wie lästig muss es für ihn gewesen sein, im Englischunterricht zu sitzen? Er musste wahrscheinlich auch den Satz „Streng dich mehr an“ hören. Oder Abends im Bett von seinem Vater: „Leg den Stift weg und geh ins Bett!“

Ich habe bereits schon meine Empörung kundgetan, dass kreative Fächer sogar benotet werden. Ken Robinson geht einen Schritt weiter und erklärt, dass diese Fächer weit unter „verkopften“ Fächern wie Mathematik stehen. Wir vergessen unseren KÖRPER! Wir haben ein Gehirn und sind in der Lage wunderbare Dinge zu erschaffen, die unsere Kreativität weiter zerstören. Warum werden die Kinder von den Erfindern von Smartphones in Waldorfschulen unterrichtet? Die Eltern kommen kaum damit klar, was diese technische Entwicklung ausgelöst hat. Wir vergessen unseren Körper. Für mich sind Musik, Kunst, Sport und Theater die beruflichen Zweige, die am allerallertollsten sind, weil sie das emotionale Innere ansprechen und unseren Körper. Deshalb bewundere ich auch alle Leute, die etwas in diese Richtung machen und sich TRAUEN. Ich weiß, dass ich das gleiche tue. Für mich ist schreiben auch eine Art Kunst.

[…] etwas wird einem klar, wenn man in die USA kommt und auch woanders hin auf der Welt: Jedes Bildungssystem der Erde hat die gleiche Hierarchie von Fächern.Wirklich jedes. Egal, wohin man geht. Man könnte meinen, es sei anders, aber das ist es nicht:ganz oben Mathematik und Sprachen,dann Geisteswissenschaften, und ganz unten Kunst. Überall auf der Welt.Und in so ziemlich jedem System gibt es auch eine Hierarchie innerhalb der Künste. Kunst und Musik haben meistens einen höheren Status in Schulen als Theater und Tanz.Es gibt auf dem Planeten kein Bildungssystem,das Kinder täglich genauso im Tanzen unterrichtet wie in Mathematik. Warum? Warum nicht? Ich denke, dass das ziemlich wichtig ist. Mathematik ist wichtig, aber das gilt auch für Tanz. Kinder tanzen die ganze Zeit, wenn sie dürfen, wir alle tun das.Wir alle haben Körper, oder? Oder hab ich was verpasst?


Ken Robinson. Bring on the learning revolution. https://www.ted.com/talks/sir_ken_robinson_bring_on_the_revolution/transcript , abgerufen am: 10.04.2019

Seine Rede wurde auf 56 Sprachen veröffentlicht. Und diese hat er vor fast 10 Jahren gehalten. WANN HÖREN WIR ENDLICH HIN?

Die 3. Unterdrückungsphase: Die Anfänge

Nachdem ich aus meiner zweiten Depression rausgekommen bin, habe ich nur noch das getan, was mir Spaß gemacht hat und was mein Herz mir gesagt hat. Lest dazu hier nach.

Wie ihr lesen konntet, war ich ein fröhlicher und positiver Mensch und dann ist etwas in mir eingebrochen. Dies fing genau mit dem letzten Tag der „Düsselferien“ an, als wir Kinder mit Behinderungen betreut hatten und an einem Tag in einem Zoo waren. Aus meinen Aufzeichnungen weiß ich, dass ich es als extrem anstrengend empfunden hatte und total ausgelaugt war. Danach konnte ich nur noch weinen. Ich fühlte mich schließlich dauerhaft ausgelaugt, konnte nur noch weinen. Ich hatte keine Energie mehr und keine Lust, etwas zu machen. Dazu kam, dass meine Zeit in Düsseldorf so langsam ablief. Ich habe meine Miete nicht verlängert, da ich nach dem Bachelor weg wollte. Meine besten Freundinnen waren eh schon weg. Leider hatte ich keinen Plan, wie es weiter gehen sollte und das nagte schließlich an mir. Diese folgenden Aufzeichnungen stammen aus dem kleinen Büchlein, in dem meine positiven Ereignisse am Tag stehen.

Ich habe in letzter Zeit sehr viel gemacht und war wenig zu Hause. In der Uni hatte ich das Gefühl, dass „ich mein Leben in der Hand halte“. Zum Schluss kam mir mein Leben wie auf einer Beschleunigungsspur vor: Ich habe drei Wochen bei den Düsselferien gearbeitet, was Spaß gemacht hat. Zum Schluss war ich aber super ausgelaugt… Jetzt trudeln nach und nach immer mehr negative Gedanken und Sorgen ein: Was mache ich, wenn ich meine Bachelorarbeit abgegeben habe? Zuvor war ich zuversichtig, dass ich auf jeden Fall etwas finden werde, das mir Spaß macht. Jetzt lähmen mich Sorgen und Ängste. Soll ich wirklich nach Kambodscha gehen? Wohin soll ich überhaupt gehen? Jetzt schreibe ich meine Bachelorarbeit wieder mit dem „Leistungsgedanken“, was der Dozent hören will… Das kann ich momentan aber so nicht leisten! Es ist erschreckend, wie schnell ich mich von diesen Gefühlen und Umständen gefangen nehmen lasse!

Ich muss nicht alles so glauben, was Mama mir sagt und mir Vorwürfe machen, ich sei in der Phase egoistisch gewesen und sie wünsche sich die alte Anne zurück. Ich habe mich verändert und war mir mehr bewusst, was ich will und fühlte mich dabei frei. Ich habe bestimmte Gaben und Fähigkeiten, die ich auch im Job später einbringen kann: mit Menschen kommunizieren, diese zum Strahlen bringen wie bei KRASS e.V. Offen und liebevoll gegenüber anderen Menschen sein. Ich habe ein unglaubliches Sprachgefühl.

Ich bin immer noch der gleiche Mensch. Es kommt alles auf die Wahrnehmung meiner Gedanken an und wie sehr ich ihnen vertraue. Ich bin das Schachbrett und nicht die schwarzen Figuren.

Dies habe ich genau am 26.08.2016 geschrieben. Das waren die Anfänge meiner Depression. Meine Behandlung verlief ungfähr 6 Monate.

Wie ihr lesen könnt, wurde ich eingeholt von Ängsten und Sorgen. Dabei war ich vorher ein total lebensfroher Mensch. Ich habe vermutlich zu viele Dinge gleichzeitig gemacht und nicht genug auf mich geachtet. Obwohl ich es genossen habe, was ich getan habe, ist meine Energie daran zu Grund gegangen. Aber das heißt nicht, dass ich diese Phase als „hypomanisch“ bezeichnen würde. Die Symptome passen: übersteigerte Energie, viele Ideen gleichzeitig, großer Antrieb. Es tut mir Leid, liebe Psychologinnen und Psychologen. Aber ich sprudelte vor GLÜCK. Das dies als krankhaft angesehen wird, ist doch sehr bezeichnend oder??

Für meine Familie war ich letztendlich wieder die zurückgezogene Anne. Obwohl ich vorher eher zurückgedrängt bzw. innerlich abgelehnt wurde (die laute, impulsive Anne war unerträglich), stand meine Familie jetzt vor einem großen Fragezeichen. Jetzt war ich wieder die komplett andere Anne. Zurückgezogen, unsicher und leer.

Diese Phase fühlte sich noch auswegloser an als die davor! Mehr dazu hier.

10 Etappen in 3 Wochen

Meine letzten Einträge unter dieser Rubrik waren laut, bunt, fröhlich und optimistisch. Jetzt schreibe ich etwas nachdenklich, da so viel passiert ist, was mich bis an den Rand meiner Traurigkeit gebracht hat. Aber Dinge und Ereignisse haben mich auch unendlich glücklich gemacht und berührt. Ich beginne mit den tollen Ereignissen und arbeite mich bis zu den verändernden Etappen vor:

1) Köln

Natürlich steht Köln bei mir an erster Stelle. Hier mache ich immer die coolsten Erfahrungen. Wir wollten ja auch ursprünglich dahin ziehen (haben wir übrigens auch noch nicht ganz aufgegeben). Wir waren drei mal in Köln: Das erste Mal Pepe, Luki und ich alleine. Da haben wir nur etwas in der Stadt gegessen, auf einem Sonntag. Nicht so spektakulär. Das zweite mal haben wir dort einen sehr wichtigen Freund für mich getroffen. Er hat mir auch während meiner Wohnungssuche in Köln Unterschlupf gewährt. Hier ein paar Fotos:

Wir hatten sehr viele tolle Gespräche, insbesondere auch, weil unser Freund schon Erfahrungen im Iran gesammelt hat. Sein Vater hat mal in Teheran gearbeitet. Zu einer gaanz anderen Zeit. Außerdem hat er Erfahrungen aus den USA und Kanada, da er dort gelebt hat. Dies ist sehr bereichernd, da wir uns auch alle auf englisch unterhalten können.

1.1 POETRY SLAM IN KÖLN

Ja- ein sehr sehr bewegendes Ereignis in Köln war auch mein erster Auftritt auf einem Poetry Slam im Sonic Ballroom in Köln- Ehrenfeld. Ich möchte dazu noch einen gesonderten Blogeintrag machen, deshalb gebe ich hier erstmal nur ein paar Fotos für den Einblick. Wichtig für mich an dieser Stelle ist, dass so viele Freunde mich unterstützt haben. Auch meine Schwester und ihr Freund waren dabei. Diese Leute mit meinem Text über Depression zu berühren hat mir alles bedeutet. Achja: „Funfact“: Uni- Wissen: Niemals die Überschrift 1.1. machen, wenn kein 1.2. folgt. Ich scheiß‘ jetzt drauf 😀 Mein Blog – Meine Regeln

2) AACHEN

Aachen ist für uns auch eine tolle Stadt. Viele coole Kneipen – Studentenstadt halt. Da saßen wir auch mit ein paar Freunden und haben die Sonne genossen und es uns mit Bier/Waffeln gut gehen lassen. Schaut selbst:

Ein sehr, sehr cooler Trip war aber auch der Flohmarkt in Aachen, namens „Melan“. Es gibt da Unmengen an Menschen, Unmengen an Schrott und auch das eine oder andere Schätzchen. Ich finde diese Atmosphäre toll und liebe es, coole Dinge zu entdecken. Grundsätzlich Flohmärkte/Basare/Second Hand finde ich super.

3) Die Tiere von Stolberg

Ich verliebe mich mehr und mehr in die natürliche Welt der Tiere. Luki (unser Hund) hat mich sozusagen eingeladen. Zunächst haben Pepe und ich unsere Freundin aus Finnland auf dem „Gnadenhof Stolberg“ besucht. Dies ist ein Tierschutzverein Aachen. Es gibt dort Natur pur, in der die alten und kranken Tiere gepflegt werden. Für mich eher traurig zu sehen, was das Alter auch z. B. mit Pferden macht. Da stelle ich mich schon die Frage, ob das Leben dort noch lebenswert ist – auch bei Tieren. Mir ist bewusst, dass dies eine Grundsatzfrage ist. Mich erinnert dieses Gelände an die „wilden Hühner“, meine Lieblingsbücher als Kind. Kennt die jemand?

Ein anderer Trip ging am selben Tag zum Tierheim Aachen, dies heißt „zum Feldchen“. Die Straße heißt „Feldchen“, deutsch kann schon süß sein oder? Naja- wir wollten uns im Tierheim nochmal Hunde anschauen. Da wir immer noch gerne einen zweiten Hund für Luki möchten. Dieses Tierheim war der krasse Gegensatz zum Tierheim Hannover: Hannover chaotisch – niemand wusste etwas von den anderen. Tierheim Aachen komplett durchstrukturiert wie eine Hochsicherheitsanlage. Mir wurde direkt ein Zettel in die Hand gedrückt: Nicht Füttern! Nicht Anfassen! Nicht Fotografieren! Und ich dachte: Ok. Das kann man mir auch normal sagen. Aber ich verstehe die Vorsicht und ist auch gut so. Jedenfalls haben mich die Tiere dort auch etwas traurig gemacht. Viele wurden krank abgegeben und haben keine hohe Lebenserwartung. Andere sind bissig und werden vielleicht nie genommen… Ich habe das in dem Moment nicht so wahrgenommen, doch nach dem Tierheim und dem Gnadenhof war ich fix und fertig.

4) Unsere Behörden

Ihr merkt es schon, ab jetzt wird es unangenehm. Es folgen auch keine Fotos zu diesem Unterpunkt, sondern knallharte Realität – schwarz auf weiß. Ich muss mich momentan mit folgenden Behörden auseinandersetzen: Ausländerbehörde, Arbeitsagentur,- Jobcenter, Stadtverwaltung (Anmelden), Ordnungsamt (Parkproblem) und demnächst die Zulassungsstelle für unser Auto. Ja, da muss man erstmal schlucken, wenn man weiß, wie sehr dies belasten kann. Ich weiß, dass in anderen Ländern diese ganzen Behördengänge viel schlimmer ablaufen und bei uns alles top geregelt ist (Hallo Vici Viaja aus Spanien). Ja es gibt für alles und jeden eine Richtlinie, eine Verordnung, ein Gesetz. Ich möchte hier nicht verallgemeinern (auch wenn ich dazu neige. Es gibt total tolle Leute im Behördentum, Hallo Bro!). Ich habe da einen entscheidenden Makel gefunden, wenn man in einer Notsituation steckt. Die Menschlichkeit und das Empfinden oder Nachspüren, ob jemand in einer Notsituation steckt ist NULL da. Ich weiß, dass das grundsätzlich wenig vorhanden ist. Wenn aber neben dem Jobcenter eine psychische Beratungsstelle ist, finde ich das mehr als fraglich, wie dort mit Menschen in Notsituationen umgegangen wird. Niemand findet es schön, ALG 1 oder 2 zu beantragen. Wobei ALG 1 für mich ein wesentliches Recht ist, da man ja dafür auch arbeitet, um dies später bei Arbeitslosigkeit ausgezahlt zu bekommen. Meiner Meinung nach sollte es keinen Unterschied geben, ob man selbst kündigt, oder sich kündigen lässt/gekündigt wird. Für mich war meine Kündigung der allerallerwichtigste Schritt in meine Freiheit und für meine (im Lebenslauf stehende) berufliche Neuorientierung. Ne, so habe ich das nicht formuliert.

Kurz vor dem Poetry Slam

5) Probearbeiten

Die mir auf Instagram folgen, wissen, dass ich ziemlich am Boden war nach meinen Probearbeiten hier. Ihr müsst wissen, dass ich eigentlich Medien, Politik und Soziologie studiert habe. Ich habe auch die BAMF- Zusatzqualifizierung, um Integrationskurse leiten zu können. Darüber mache ich auch nochmal einen Blogartikel. Jedenfalls bin ich Deutsch als Zweitsprachen Dozentin auf dem Papier.

Ich wollte aber immer gerne nochmal ausprobieren, in einem Café zu arbeiten. Ich liebe es nämlich, Leute ins Gespräch zu bringen, Ihnen etwas Gutes zu tun. Tja – das System macht mir da aber einen Strich durch die Rechnung. Es ist so, dass ich erst in einer Bäckerei/Café hier einen Probetag hatte. Es hat mir sogar später Spaß gemacht – Ich war am Anfang sau nervös. Dies liegt auch an meinen Erfahrungen, die ich vorher gesammelt habe. Wie ihr unter der Rubrik „Meine Geschichte“ lesen könnt, habe ich schon mal in einem Restaurant in der Düsseldorfer Altstadt gearbeitet. Und super schlechte Erfahrungen gemacht, da ich sehr sehr unsicher und schüchtern war. Auch davor habe ich mal als „Spülkraft“ in einem Restaurant gearbeitet. Doch zurück zu heute: Die Chefin war am Probetag leider nicht da: Und das ist echt dumm gewesen! Eine aus der „Crew“, wahrscheinlich gute Freunden, durfte nämlich dann entscheiden, wie es gelaufen ist. Sie mochte meine Art nicht – und zack war ich raus. Obwohl die Chefin mich nicht einmal gesehen hat.

Dann versuchte ich es noch einmal hier in einem anderen Restaurant. Ich möchte jetzt gar nicht so viele schlechte Kommentare dazu verlieren. Auf Instagram habe ich meine Empörung schon kund getan. Das schlimmste war die Überwachung durch die Kameras. Ich weiß, dass das in Gastronomie oft normal ist, ABER nicht mit mir. Der türkische Boss hat dann seine Mitarbeiter angerufen, wenn sie aufs Handy geschaut haben. Ich bin auch da total motiviert gestartet und wollte unbedingt lernen, wie man richtig und professionell kellnert. Aber das zeigt dir einfach keiner, ich glaube man muss einfach selbst loslegen und einfach machen. Ich war da leider sehr zurückhaltend und habe dennoch mein bestes versucht. Irgendwann wurde aber der innere Stress so groß, da die anderen Kellner meiner Meinung nach unverschämtes Verhalten an den Tag legen. Mir kamen sogar die Tränen, die ich nicht verhindern konnte. Ich glaube, so muss es sich anfühlen „getriggert“ zu werden, vollkommen in seiner Emotion zu sein und da gar nicht raus zu kommen. Wenn diese jetzt vom Boss auch noch als ungebildete „Soldaten“ bezeichnet werden, kann ich da schon von moderner Sklaverei sprechen. Teilt mir doch gerne eure Erfahrungen zu dem Thema auf Instagram (_anvie_).

6) Meine Familie

Bitte hört euch mal den Podcast von „Goldene Marie“ an, da ich dort ein Interview habe und über meine Erfahrungen mit Depressionen spreche und auch über das Verhältnis zu meiner Familie. Ich habe da bereits schon gesagt, dass ich Abstand brauche, da wir gerade in unterschiedlichen Stadien sind, die momentan nicht zueinander passen. Es ist nicht einfach, auch mal Abstand einzufordern. Doch wenn man das Gefühl hat, dass einen Dinge runterziehen und davon abhalten, das zu tun, was man machen möchte, dann sollte man irgendwann Konsequenzen ziehen. Ich denke, gerade durch psychische Krisen wird einiges in der Familie aufgewühlt. Wenn diese nicht entstehen, wabert immer etwas unter der Oberfläche und niemand traut sich daran. Ich bin in einer Situation, in der ich vieles in Frage stelle. Gut wäre gewesen, dies in der Pubertätzeit zu tun. Meiner Meinung nach ist dann die beste Zeit, um zu rebellieren, andere Wege als die Eltern einzuschlagen. Das habe ich nie getan. Ich war immer lieb und brav. Auch in der Pubertät. Das heißt, dass ich jetzt mit 24 vieles für mich aufgedeckt habe, das bedeutet aber nicht, dass ich damit meine Familienmitglieder konfrontieren kann. Denn: Sie sind auf ihrer Art und Weise glücklich damit. Es tut manchmal weh, aber das muss ich glaube ich akzeptieren. Selbst wenn jemand nicht glücklich ist, man kann niemanden dazu bewegen, etwas zu verändern. Das muss IMMER aus einem selbst heraus passieren. Das einzige, was man tun kann, ist DA zu sein. DA zu sein, um ZUZUHÖREN. Aber Ratschläge und Tipps zu geben, sind oft nicht geeignet und verschlimmern vielleicht sogar die Beziehung, da einem Empörung, vielleicht sogar Wut entgegen springen kann.

7) Partnerschaft

Es ist ein unglaubliches Glück, wenn man seine Liebe des Lebens gefunden hat. Dies habe ich. Ich hätte niemals gedacht, dass ich mit 24 heiraten würde. Ich habe nicht ein einziges mal daran gezweifelt, dies zu tun. Liebe bedeutet für mich: bedingungsloses Akzeptieren des anderen, füreinander da sein, einander vertrauen, miteinander Spaß haben und: Den anderen darin zu unterstützen, was ihn glücklich macht. Auch, wenn man dies selbst nicht tun würde. Zu sehen, dass der andere glücklich ist, macht einem selbst glücklich. Bei uns ist das so, dass wir vom Charakter sehr ähnlich sind und auch die gleichen Interessen haben. Im Groben sind das Sonne, Reisen, mit Freunden Spaß haben und das eine oder andere, was ich hier nicht schreibe haha. Aber wir können auch unglaublich gut diskutieren und ich habe das Gefühl, dass ich an unseren Gesprächen reife und sie mich weiterbringen. Beste Bros zu sein und gleichzeitig Liebende. Für mich gibt es nichts Besseres.

In den letzten Wochen zerrt jedoch die Situation auch manchmal an uns als Paar. Wenn der eine schlecht drauf ist, schwappt das auf den anderen über. Und dann addiert sich der Schmerz bei jedem einzelnen nochmal. Daher ist es so wichtig für uns, dass wir uns nicht gegenseitig verrückt machen. Sondern eher einander aufbauen und unterstützen als gemeinsam in diese „Negativspirale“ zu fallen.

8) Freunde

Zunächst einmal ist das so, dass ich gemerkt habe, wer meine beste Freundin ist.

NHI. das geht an DICH!! Du warst da, hast mir zugehört, als ich im Tief war. Als ich Höhen hatte. Ich bin dir sehr dankbar und weiß, dass ich das gleiche dir zurückgeben kann. Du bist ein total toller Mensch mit einem so großen Herz, das ich beschützen will 🙂

Leider sind wir gerade räumlich begrenzt. Du bist aber immer in meinem Herzen!

9) Meine Entwicklung – bis jetzt

Haha, das ist natürlich nicht so runter zu schreiben. Ich schreibe vieles hier sehr schnell, weil es mir eben direkt einfällt. Zu meiner Entwicklung kann ich bis jetzt folgendes sagen: Ich fühle mich innerlich, als hätte ich sehr viele schwere Lasten abgelegt, ich fühle mich freier. Ich mache das, was mir gefällt. Ich entdecke mich mehr und mehr und man kommt glaube ich niemals an einen Endpunkt. Ich bin sehr viel selbstbewusster, da ich mich mehr kenne und mehr liebe. Ich achte nicht mehr so sehr darauf, was andere denken könnten. Ich analysiere gerne meine Umgebung und merke dabei, wie schmerzlich Entwicklungen sein können. Kurz: Ich habe die Augen geöffnet. Für Liebe, aber auch für Hass und Dinge, die schief laufen. Da spreche ich insbesondere Entwicklungen in der Psychotherapie/Psychiatrie an. Was ich aber noch nicht mache und woran ich arbeiten möchte: Meinem Körper gezielt Gutes zu tun. Das heißt, ich möchte etwas abnehmen, aber nicht, um anderen dies zu zeigen, oder mich zu beweisen. Nö, weil ich meinen Körper liebe. Auch dazu gehört die Ernährung und mit der möchte ich mich noch intensiver auseinander setzen. Was zu meiner Entwicklung dazu gehört, ist auch spontan Dinge zu tun, die glücklich machen. Pepe hat z.B. mein Pony spontan geschnitten und ich bin mega zufrieden.

Das war genau am 01.04.2019. Da habe ich meinen Poetry Slam Text öffentlich vorgetragen. Eigentlich habe ich den gar nicht für den Poetry Slam geschrieben. Sondern für mich. Als Verarbeitung. Ich kann sagen: Das macht glücklich! Tu es für dich. Und sei nicht abhängig von Bewertungen 🙂

10) Berufliche Orientierung: Die Erfahrungsexperten in Berlin

Ich bin auch einen Schritt weiter gekommen, in dem was ich machen möchte. Ich werde derzeit wieder eine Stelle als Dozentin annehmen, aber dieses mal suche ich mir den Arbeitnehmer genauer aus. VHS wäre halt super. Ich muss sagen, ich würde das tatsächlich primär machen, um besseres Geld zu verdienen und mich nicht verhetzen zu lassen (aka Café/Restaurant Kellnerin).

Ich habe für mich eine Fortbildung entdeckt. Ich möchte eine Ausbildung als Kursleiterin für das Resilienztraining RAMSES 1 und 2. machen:

Mit dem von uns entwickelten Resilienz-Trainingsprogramm RAMSES kann die Resilienz, d.h. die seelische Widerstandsfähigkeit von Erwachsenen gestärkt werden.

-> RAMSES steht für „Resilienz durch Achtsamkeit und Mitgefühl und Schaffung emotionaler Stabilität“.

Wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass die Ausprägung bestimmter psychologischer und psychosozialer Schutzfaktoren für die Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung eine wichtige Funktion haben. Diese Faktoren kann man trainieren. Beim Resilienz-Training geht es demnach um die Aktivierung bzw. Optimierung sogenannter Resilienzfaktoren/-eigenschaften.

Die Erfahrungsexperten:
https://www.die-erfahrungsexperten.de/ausbildung/#1538998999741-7e3ba174-279f , abgerufen am: 07.04.19

Nochmal zusammengefasst geht es darin, Widerstandskraft zu entwickelt und innere Ressourcen in Krisen zu nutzen. Dabei spielen Achtsamkeit (z.B. Meditationen) und auch Selbstmitgefühl eine entscheidende Rolle.

Dadurch, dass ich Sozialwissenschaften studiert habe, können die Teilnehmer/innen solche Trainings sogar von der Krankenkasse bezahlen lassen. Hurra. Die Fortbildung ist erst im Juni: Ab dann könnt ihr euch gerne bei mir melden:)

Wie ihr seht, Freunde: Es ist sehr viel passiert! Und es wird noch mehr passieren! Also bleibt dran und begleitet mich weiter auf meinem Weg. Ich würde mich sehr sehr freuen, wenn ihr mir eine Nachricht auf Instagram schreiben würdet. _Anvie_ 🙂 Klickt hier.

STOLBERG – die Kupferstadt, die kein Kupfer hatte

Freunde. Ich melde mich wieder. Dieses mal direkt aus Stolberg, da wir jetzt hier hingezogen sind. Ich kann euch schon mal sagen: Es war eine Entscheidung aus dem Herzen heraus und daher 100 Prozent richtig. Natürlich dachten wir zwischendurch auch mal nicht so, denn jeder Anfang wird natürlich nicht leicht. Doch spulen wir noch einmal zurück, genau eine Woche vorher haben wir die Entscheidung gefasst, spontan früher nach Ronnenberg zu ziehen. Vorher haben wir uns noch von Pepes Cousine und ihrer Familie verabschiedet, mir denen wir eng im Kontakt stehen.

Ich habe alle total ins Herz geschlossen und würde Liana (siehe Bild) am liebsten aufwachsen sehen.

Doch kurz darauf ging auch schon der Umzug los. Wir gaben uns am Anfang eine Stunde, um alle Sachen zusammen zu packen, die wir für den Start brauchten. Ja – zwei Optimisten am Start. Leider entwickelte sich daraus ein riiiiesiger Stress. Ich hatte einen sehr starken inneren Drang, endlich nach Stolberg zu ziehen. Jedoch wurde der gestoppt: Wir hatten uns leider ausgeschlossen und konnten nicht in unsere Wohnung. Wir hatten vorher schon mal über 300,- gezahlt für den Schlüsseldienst. Dementsprechend standen wir unter Strom und hatten überlegt, doch später zu fahren. Ich habe mir das aber so sehr in den Kopf gesetzt (sagt man das so? oder ist das eine Plattdeutsch – Übersetzung), dass wir es doch an dem Abend noch geschafft haben. Und es hat sich gelohnt!!! Pepe ist am nächsten Tag nochmal zurück gefahren, um für Ordnung zu sorgen (da wir die Wohnung zu fluchtartig hinterließen) und ich hatte hier Zeit, mich in unserer neuen Wohnung einzufinden. Und ich LIEBE es hier.

Also nicht nur unsere Wohnung mit Balkon ist bombastisch – wir haben auch noch super tolle und hilfsbereite Nachbarn. UND: Sie sind nicht deutsch, sondern sprechen russisch. So saßen wir dann bei unserer Nachbarin – vor russischem Gebäck – und unterhielten uns über alle möglichen interessanten Themen auf deutsch, englisch, russisch und ich warf noch ein paar persische Wörter rein. Kurz: ICH LIEBE ES. Ich liebe dieses internationale Beisammensein. Dieses Offensein für andere, weil man eben auch andere braucht. Einfach ein paar Leute auf einem Haufen, die sich nach Freunden sehnten.

Aber natürlich gibt es auch Probleme – viele Läden sind leer, die Stimmung ist bei vielen Stolbergern nicht gut. ABER: Ich finde es besser, lieber offen zuzugeben, scheiße drauf zu sein, anstatt vorzugeben, alles sei in Ordnung. Also damit kann ich arbeiten. Und fühle mich sooo viel wohler als in der Gegend um Hannover. Nichts gegen andere Leute oder gegen andere Städte, aber dies ist mein Blog. Also meine derzeitigen Gedanken und Gefühle gebe ich preis (das kann ja bei jedem anders sein).

Also Pepe und ich sind sehr sehr glücklich hier und ich werde immer sicherer, dass wir in der Stadt etwas bewirken können. Wir planen GROßES :). Darüber später mehr.

Liebe Grüße Leute. Schreibt mir auf Instagram 🙂

Anne

Die 2. Depressionsphase: Teil 2

Wie ihr aus meinem letzten Blogeintrag herauslesen konntet, haben viele äußere Umstände dazu geführt, dass ich mich innerlich extrem gestresst habe. Ich rede hier vor allem von meinem Studium und meinen beruflichen Entscheidungen. Insbesondere war ich ein Meister darin, souverän und ruhig nach außen zu wirken. So habe ich ja auch meine Stelle als studentische Hilfskraft bei der Personalberaterin bekommen. Dabei war mein vorheriges Praktikum eine Katastrophe. Sich aufgrund dieser Grundlage zu bewerben, empfinde ich heute höchst problematisch.

Auch meine Hausarbeit hat mich sehr überfordert, wie ihr schon lesen konntet. Das liegt daran, dass ich selbst nicht genau wusste, warum ich das alles machen muss. Es ist ja schließlich mein Leben und warum hatte ich immer das Gefühl, dass es fremdgesteuert war? Nur leider hat mir die Fremdsteuerung dann keine Hinweise gegeben, was ich denn genau zu tun habe. Da spreche ich wieder meine Hausarbeit an. Ich erinnere mich, wie ich an meinem Schreibtisch saß, eigentlich nicht mehr konnte und den Berg an Literatur vor mir. Eigentlich waren es drei Bücher von Jon Kabat Zinn. Aber eines hatte 300 Seiten. Und diese musste ich mit einem anderen Autor vergleichen, der über Spiritualität schrieb. Versteht ihr diese „Zwickmühle“, über etwas schreiben zu müssen, was einem selbst persönlich betrifft, man aber keinen Zugang zu sich selbst hat?

Ich erinnere mich gut, dass mein Bruder, der auch in Düsseldorf wohnte, mich genau in diesem Augenblick, als ich vor meinem Schreibtisch saß, besucht hat. Er hat mich verstanden und mich gefragt, warum ich denn von MÜSSEN spreche. Er hat mich gefragt, was passieren würde, wenn ich dies nicht tue. Wenn ich diese Hausarbeit nicht schreibe. Tja – Gute Frage. Ich hatte zu der Zeit keine Antwort. Jetzt hätte ich sie: es würde NICHTS passieren. Lediglich, dass ich mich endlich nur um mein inneres Wesen kümmere, als mich von außen fremdsteuern zu lassen.

So kam es dann, dass ich mich weniger und weniger gespürt habe. Ich fuhr wieder nach Hause. Da ich nicht in der Lage war, mir selber einen Therapeuten zu suchen, hatte ich zum Glück familiäre Unterstützung. Ich „geriet“ schließlich an eine ärztliche Psychotherapeutin (spezialisiert in Verhaltenstherapie), die mich erstmal aus diesem riesigen Loch, in das ich gefallen war, rausholen wollte. Und zwar mit Antidepressiva. Erst bekam ich Citalopram, mit einer niedrigen Dosis angefangen und sich langsam steigernd. Es ging gar nicht um therapeutische Gespräche. Ich durfte meine Depression beschreiben und antworte mit etwas, das sie hören wollte: Schwarzes Monster?! Naja, die Medikamente halfen mir tatsächlich. Auch wenn ich immer skeptisch war, wenn die Dosis erhöht wurde. Diese Zweifel sind die GANZE ZEIT während meinen therapeutischen Behandlungen geblieben. Darüber werde ich später noch mehr erzählen. Auch über meine Probleme, den Therapeuten zu vertrauen, werde ich später noch etwas sagen.

Jedenfalls hat sie mich ganz gut aus meinem Loch geholt. Die Symptome wurden behandelt. Doch leider nicht die Ursachen. Es gab sehr gute Ansätze der Verhaltenstherapie. Insbesondere Ansätze wie „Gedanken beobachten“: Stelle dir vor, du wärst das Schachbrett, auf dem die schwarzen und weißen Figuren gegeneinander kämpfen. Die weißen Figuren sind die positiven Gedanken und Gefühle, die schwarzen die negativen. Du hast beides, jedoch nehme nicht nur die eine oder andere Seite an. Du BIST das Schachbrett und NICHT die Figuren. Insbesondere Abstand zu seinen depressiven Symptomen zu gewinnen, empfand ich später als hilfreich. Eben NICHT mit den Symptomen zu verschmelzen, nicht mit dem Kopf gegen die Wand. Sondern das Blatt der Symptome auf dem Schoß. Meine Therapeutin hat mir immer ein Blatt direkt vor’s Gesicht gehalten. Dies sollte symbolisieren, dass ich tief drin steckte und mehr Abstand gewinnen müsste. Das Blatt auf den Schoß legen.

Wie ihr im nächsten Blogeintrag sehen könnt, werde ich von meinem ersten CRAZY NEW START berichten. Klingt verrückt, ist es auch, denn viele Therapeuten vermuteten eine bipolare Störung. Denn: Ich habe nur noch das gemacht, was mir Spaß gemacht hat. Ohne (!) irgendjemandem zu schaden. Und auch mir selbst habe ich nie geschadet. Dies finde ich extrem wichtig, um eine rückblickende Diagnose zu stellen. Ja, ich stelle sie mir jetzt selbst, bzw. lasse mich nicht stigmatisieren. Da kommt auch der Verein „KRASS e.V.“ ins Spiel. Schaut‘ immer mal nach unter den „Biggest Crazy New Starts“. Dies findest du hier.

#Staytuned

Liebe Grüße

Anne

Die 2. Depressionsphase: Teil 1

Willkommen zurück Freunde.

Wir bleiben im Jahr 2015. Es ist das vierte Semester. Aus meinen Aufzeichnungen zu diesem Jahr weiß ich, dass das Semester ganz gut lief. Ich habe meinen Stundenplan nicht mehr so voll gepackt. Habe nur noch das Nötigste gemacht (was mehr als genug war). Ich war mit einer Freundin (für mich immer noch sehr wichtig) in Heidelberg. Die Stadt war für mich so unglaublich schön. Süddeutschland ist doch echt anders, als hier im „Norden“. Meine C1- Französisch- Lehrerin hat mich ziemlich runter gemacht, habe aber ne coole Frau in dem Kurs kennen gelernt, deshalb war das halb so wild. Jetzt frage ich mich: warum um Gottes Willen C1- Französisch und nicht A1 Spanisch. Hinterher ist man immer weiser. Außerdem habe ich in dem Semester eine Kölnerin kennen gelernt. Da fing auch die Liebe zu Köln an. Es war aber so unfassbar weit weg von meinem Selbstverständnis, leider. Diese offene, humorvolle, liebevolle Art gefällt mir so unglaublich gut. Auch dem Dozent mal sagen, wenn was scheiße läuft. Unfassbar gut. Es ist wirklich unglaublich, wenn ich daran denke, dass wir zusammen an einem Lehrforschungsprojekt gearbeitet haben zum Thema „Connected Continent“ (Telekommunikation) WAAAS?! Wie haben wir das denn geschafft. Ein Satz aus meinem Aufzeichnungen: „Sie (die Kölnerin, jetzt Berlinerin) hat total viel Ärger am Hals aber ist trotzdem immer am Lachen“. Verzeiht mir mein Deutsch manchmal, aber scheiß drauf haha.

Dann ging es bergab: Und zwar aufgrund des im vorherigen Post beschriebenen Praktikums bei einer renommierten Personalberatung in Düsseldorf. Von Ende Juli 2015 bis Oktober 2015, drei fucking Monante, weil es mein fucking Pflichtpraktikum war. Letztendlich wurde ich krass für meine Art gemobbt. Ich wollte zu der Zeit alles wissen, war neugierig, super schnell und wollte alle Abteilungen einmal sehen. Tja- nur Kaffee kochen konnte ich leider nicht, das war mein Manko. Es kamen Sätze während des Feedbackgesprächs: „Was hattest du eigentlich für eine Erziehung?!“ (Ich habe da Schokolade aus dem Regal „geklaut“).

Dann fing nahtlos das fünfte Semester an: Oktober 2015. Meine Fächer waren derart willkürlich zusammen gelegt, dass ich eine Hausarbeit in dem Kurs „populäre Religion – Auf dem Weg in eine spirituelle Gesellschaft“ schreiben musste. Dies bedeutete ein Leistungspunkt im Fach Soziologie. Im Nachhinein super spannend. Aber doch nicht zu dieser Zeit. Es geht um ein unglaublich spannendes Thema: ACHTSAMKEIT. Ja in meinem Soziologie Studium habe ich mich mit Jon Kabat- Zinn und seiner „Mindfulness-based-stress-reduction“- Therapie befasst und absolut gar nicht gewusst, was ich da eigentlich schreibe. Jetzt weiß ich es. Beschäftigt euch auch mal damit, kann ich nur empfehlen. Folgendes Zitat stammt aus der Zeit:

„Ich fühle mich aber irgendwie überfordert, diese [Hausarbeit] zu schreiben, da ich nicht genau weiß, wie ich die schreiben soll. Ich glaube hier liegt das Problem!! Ich habe nie gelernt, eine Leistung zu erbringen, ohne zu wissen, wie die Dozentin dies haben möchte! In der Schule war ich gut, da ich genau wusste, wie die Lehrerin dies ausdrücken würde und habe dies geschrieben. Jetzt weiß ich nicht genau, wie es richtig geht und muss meine eigene Herangehensweise einfach befolgen, ohne zu wissen, ob es richtig ist! Selbst wenn sie dies nicht so haben möchte, habe ich es einfach nach meiner eigenen Logik gemacht.“

wörtliches Zitat aus Aufzeichnungen, Ende 2015

Für mich derzeit unfassbar zu entdecken, dass ich zu dieser Zeit wirklich nicht wusste, was meine eigene Art zu schreiben ist. Ich war restlos überfordert. Und es ging um Meditation, dem Anfängergeist, Achtsamkeit. Aber im Hinblick auf soziologische Ansätze der Spiritualität. Interessant, aber weeeeit weg von mir zu der Zeit.

Dann habe ich eine Arbeit im Bereich der Personalberatung angefangen und zwar als studentische Hilfskraft. Ich war so unglaublich überfordert, da ich für die selbstständige Personalberaterin, mit Sitz in Düsseldorf, eine Software installieren sollte, die ihr Recruiting protokolliert. Ich und Technik? Ähm. Ich war so unfassbar frustriert. Das Problem war, dass ich mich als eine Studentin vorstellte, die viele Erfahrungen bei der anderen Personalberatung gemacht hatte, die einen Namen hat. Das heißt, sie wusste gar nicht, wie dunkel es bereits zu der Zeit in mir aussah. Ich habe letztendlich ein Spiel gegen mich gespielt. Das Spiel des „sich- nach – außen – hin – positiv – darstellen, um Karriere zu machen“. Letztendlich hatte ich totale Bauchkrämpfe und unnormale Reaktionen meines Körpers. Eindeutige Signale oder? Ich habe lange dafür gebraucht, dass ich mir endlich Hilfe hole.


Liebe Frau Ausgedacht,
ich habe da noch ein paar Worte, die mir am Herzen liegen. Ich möchte mich gerne bei Ihnen für Ihre Gutherzigkeit und Offenheit bedanken. Ich glaube nicht, dass ich so schnell noch einmal so eine verständnisvolle Chefin finden werde. Daher habe ich auch oft an meiner Entscheidung gezweifelt, ob ich diese nicht doch bereue. Der Grund, warum ich gekündigt habe, liegt nicht daran, dass wir einige Startschwierigkeiten hatten. Ich denke, wenn ich dafür bereit gewesen wäre, hätte ich mich tiefer in diese Sache hineingekniet und es weiter versucht.

Ich habe jedoch gemerkt, dass ich erstmal wissen muss, was mich eigentlich wirklich interessiert [Kommentar jetzt: Gott sein Dank]. Denn momentan bin ich sehr unglücklich mit meinem Studium, ich war eigentlich noch nie wirklich damit zufrieden. Es macht für mich auch erstmal keinen Sinn, in andere Personalberatungen reinzuschnuppern, da ich wahrscheinlich etwas ganz anderes ausprobieren möchte. Momentan habe ich die Idee, mich ehrenamtlich zu engagieren. Vielleicht ist der soziale Bereich ja auch etwas für mich. Falls das nicht so ist, werde ich ja immer noch meinen Bachelor hoffentlich in der Tasche haben, da ich vorhabe, trotz aller Schwierigkeiten mein Studium fertig zu machen.

Ich wollte Ihnen dies nur kurz mitteilen, wie es so innerlich in mir in der letzten Zeit aussah, da Sie es nicht verdient haben, dass ich ohne Erklärung oder Verabschiedung so abrupt gehe.

Ich bin mir sicher, dass Sie auch ohne mich – bzw. wahrscheinlich grade ohne mich – weiterhin sehr erfolgreich sind. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute!

Liebe Grüße
Anne

Das habe ich mehre Wochen nach meiner Kündigung geschrieben. Ich bin ohne eine Erklärung abzugeben, gegangen. Den Brief habe ich leider nie abgeschickt.

Diese Zeilen zeigen euch, dass ich super unsicher in meiner Berufswahl war. Sehr gefangen in falschen Überzeugungen, dass die Jobsuche erstmal das Wichtigste ist. Ich habe mich sehr missachtet und dementsprechend bin ich tiefer in die „Depression gerutscht“. Letztendlich ist die Depression die Rettung deiner selbst. Doch dafür habe ich lange gebraucht. Mehr dazu hier.

Liebe Grüße und habt einen schönen Tag!

Anne